Merz nennt Schröders Moskau-Besuch "zutiefst empörend" und "geradezu unmoralisch", da Putin täglich "unermessliches Leid" in der Ukraine verursacht. Am Tag von Putins 74. Geburtstag töteten russische Raketenangriffe mindestens 25 Ukrainer. CDU, Grüne, FDP und Linke verurteilen Schröders Verhalten scharf.
Merz nennt Schröders Besuch bei Putin "unmoralisch"
Schampus, Kaviar und Bomben — während ukrainische Kinder starben
Was genau hat Schröder in Moskau getan, und warum ist das so umstritten?
Er war ursprünglich geschäftlich dort, um eine Filiale einer russischen Supermarktkette zu besuchen. Der Kreml sagt, Putin habe zufällig von seiner Anwesenheit erfahren und ihn dann zu sich nach Hause eingeladen — zum Geburtstag. Das Problem ist der Zeitpunkt: Am selben Tag bombardierte Russland die Ukraine und tötete mindestens 25 Menschen.
Aber wir sollten hier unterscheiden: Schröder war als Privatperson dort, nicht als Regierungsvertreter. Die Frage ist, ob das moralisch vertretbar ist — das ist eine Wertung, keine Tatsache.
Warum ist Schröder überhaupt noch so nah bei Putin?
Er war Kanzler von 1998 bis 2005 und hat damals die Beziehungen zu Russland geprägt. Nach seiner Amtszeit übernahm er gut bezahlte Positionen bei russischen Energiekonzernen, unter anderem bei Nord Stream 2. Diese Verbindungen sind über zwei Jahrzehnte gewachsen.
Das ist wichtig: Schröder profitiert finanziell von diesen Verbindungen. Das macht die Verteidigung durch Stegner komplizierter — es geht nicht nur um Diplomatie, sondern auch um Geschäftsinteressen.
Was sagt die SPD dazu?
Die Partei ist gespalten. Parteichef Klingbeil nennt den Besuch "völlig inakzeptabel". Aber Außenpolitiker Stegner verteidigt Schröder und sagt, dass er einer der wenigen Menschen sei, der noch direkten Zugang zu Putin habe. Stegner argumentiert, dass jeder Kontakt zum Frieden beitragen könnte.
Das ist die zentrale Spannung: Kann Schröder als Vermittler nützlich sein, oder ist sein Besuch einfach ein Zeichen mangelnder Distanzierung von Putin? Stegner behauptet das erste, aber es gibt keine Belege dafür, dass Schröders Besuch tatsächlich zu Friedensgesprächen geführt hat.
Wie haben andere Parteien reagiert?
Einhellig kritisch. Die CDU, die Grüne, die FDP und die Linke haben alle scharfe Statements abgegeben. Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann war besonders hart und erinnerte daran, dass Schröder sich 2025 wegen Burnout von Zeugenaussagen in einem Untersuchungsausschuss befreit hatte — ausgerechnet einem, der sich mit Nord Stream 2 befasste.
Das ist ein wichtiger Punkt: Schröder konnte nicht vor Gericht aussagen, weil er angeblich zu krank war. Aber er war fit genug, um nach Moskau zu fliegen und Putins Geburtstag zu feiern. Das wirft Fragen auf.
Wusste die Bundesregierung von dem Besuch?
Nein. Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium gaben an, vorab nicht informiert worden zu sein. Auch die deutsche Botschaft in Moskau leistete keine Unterstützung.
Das ist interessant, weil es zeigt, dass Schröder bewusst außerhalb offizieller Kanäle handelte. Das macht es schwerer, seinen Besuch als diplomatischen Versuch zu rechtfertigen.
The Pulse
- Gerhard Schröder feierte Putins 74. Geburtstag in Moskau
- Am selben Tag töteten russische Raketenangriffe mindestens 25 Ukrainer
- Merz nennt den Besuch "zutiefst empörend" und "geradezu unmoralisch"
- SPD-Chef Klingbeil kritisiert, SPD-Außenpolitiker Stegner verteidigt Schröder
- Schröder war Vorsitzender des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG
Merz nennt Schröders Moskau-Besuch "zutiefst empörend" und "geradezu unmoralisch", da Putin täglich "unermessliches Leid" in der Ukraine verursacht. Am Tag von Putins 74. Geburtstag töteten russische Raketenangriffe mindestens 25 Ukrainer. CDU, Grüne, FDP und Linke verurteilen Schröders Verhalten scharf.
Bundeskanzler Merz kritisiert scharf, dass Altkanzler Schröder Putins Geburtstag in Moskau feierte, während Russland die Ukraine angreift. Politiker aller Parteien üben Kritik, nur ein SPD-Politiker verteidigt den Besuch.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich öffentlich empört über einen Besuch des früheren Kanzlers Gerhard Schröder bei Wladimir Putin in Moskau. Der Anlass war Putins 74. Geburtstag, den Schröder gemeinsam mit dem russischen Präsidenten feierte. Merz ließ durch seinen Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer erklären, dass er das Treffen "zutiefst empörend" und "geradezu unmoralisch" empfinde — besonders vor dem Hintergrund, dass Putin täglich für "unermessliches Leid" in der Ukraine verantwortlich sei, für zivile Opfer, auseinandergerissene Familien, Tote und Verwundete.
Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium gaben an, vorab nicht über Schröders Reise informiert worden zu sein. Auch die deutsche Botschaft in Moskau habe keine Unterstützung geleistet. Der Zeitpunkt des Besuchs verschärfte die Kritik erheblich: Am selben Tag, dem 9. Oktober, führte Russland Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine durch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete mindestens 25 Tote und über 100 Verletzte und nannte den Angriff ein "Geburtstagsgeschenk für Putin".
Die politische Reaktion in Deutschland war überwiegend vernichtend. Franziska Hoppermann, Generalsekretärin der Regierungspartei CDU, schrieb auf X: "Scham ist kaum noch ein Ausdruck" und verwies mit den Worten "Schampus, Kaviar und Bomben" auf den Kontrast zwischen der Feier in Moskau und den sterbenden Kindern in der Ukraine. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt nannte es "eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa." Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der FDP, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, beschrieb Schröder als "Deutschlands frechsten Rentner" und erinnerte daran, dass er sich 2025 wegen Burnout von Zeugenaussagen in einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern befreit hatte — ausgerechnet einem Ausschuss, der sich mit der Nord-Stream-2-Pipeline befasste. Heidi Reichinnek von der Linken verurteilte Schröders Verhalten als "rückgratlos".
Innerhalb der SPD, Schröders eigener Partei, spaltete sich die Haltung. Parteichef Lars Klingbeil kritisierte den Besuch als "völlig inakzeptabel" und verwies auf Russlands "brutalen Angriffskrieg". Der Außenpolitiker Ralf Stegner hingegen verteidigte Schröder energisch. Stegner argumentierte, dass Schröder zu den wenigen Menschen in Deutschland gehöre, die noch direkten Zugang zu Putin hätten. "Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg", sagte Stegner dem Tagesspiegel. Er sei überzeugt, dass Schröder den russischen Präsidenten nicht zur Fortsetzung des Krieges ermutigt habe. Gegenüber t-online betonte Stegner zudem: "Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist."
Nach Angaben des Kremls war Schröder ursprünglich geschäftlich nach Moskau gereist. Der Kreml erklärte auf Telegram, Putin habe aus den Medien von Schröders Anwesenheit erfahren und seinen "alten Freund" daraufhin zu sich nach Hause eingeladen. Zuvor hatte Schröder eine Filiale der russischen Supermarktkette Hyperglobus besucht und vor Mitarbeitern gesprochen. Russische Medien berichteten, dass der 82-Jährige in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden sei — eine Kette, die früher zum deutschen Globus-Konzern gehörte.
Schröders langjährige Verbindungen zu Russland sind seit Jahren umstritten. Der SPD-Kanzler, der Deutschland von 1998 bis 2005 regierte, ist seit vielen Jahren mit Putin befreundet. Auch nach Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 traf er den Kremlchef mehrfach. Besonders kritisiert wird sein Engagement für russische Energiekonzerne: Nach seiner Kanzlerschaft übernahm er mehrere gut bezahlte Positionen, darunter den Vorsitz des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft von Gazprom. Die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb. Nach der Invasion 2022 stoppte die Bundesregierung unter Kanzler Olaf Scholz das Genehmigungsverfahren.
Bereits im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler im Ukraine-Krieg ins Gespräch gebracht. Die Bundesregierung reagierte damals mit Skepsis. Der aktuelle Besuch zeigt, dass die Frage, welche Rolle Schröder spielen kann oder soll, weiterhin tiefe Gräben in der deutschen Politik offenbart — zwischen denen, die jeden Kontakt zu Putin für moralisch untragbar halten, und denen, die in solchen Verbindungen einen möglichen Kanal zum Frieden sehen.
Notable Quotes
Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg— Ralf Stegner, SPD-Außenpolitiker
Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden— Katrin Göring-Eckardt, Bündnis 90/Die Grünen