Ehemaliger BND-Chef Hanning in Untersuchungshaft wegen Spionageverdacht

Staatsgeheimnisse gegen Bezahlung — der Vorwurf wiegt schwer
Hanning wird beschuldigt, mit seinem früheren Büroleiter BND-Erkenntnisse gekauft und weitergegeben zu haben.
Mark

Warum ist die Verhaftung eines 80-jährigen Ex-Geheimdienstchefs eine so große Sache? Das klingt nach einer Personalie, nicht nach einem Skandal.

Mimi

Es geht nicht um die Person, sondern um das, was er getan haben soll — er soll Staatsgeheimnisse verkauft haben. Das ist nicht einfach Korruption, das ist Landesverrat.

Luke

Aber wir müssen hier vorsichtig sein. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm das vor, aber sein Anwalt sagt, er habe nichts weitergegeben. Was ist denn tatsächlich bewiesen?

Mimi

Das ist der Punkt — noch nichts. Deshalb sitzt er in Untersuchungshaft. Die Ermittler glauben, genug Indizien zu haben, um einen Richter zu überzeugen.

Mark

Und dieser Büroleiter, Manfred D., der sitzt auch in Haft?

Mimi

Ja, er wird beschuldigt, die Geheimnisse besorgt zu haben. Die Theorie ist, dass er nach Hannings Ausscheiden aus dem Amt — das war 2005 — etwa fünf Jahre später anfing, ihm gegen Bezahlung BND-Erkenntnisse zu verkaufen.

Luke

Aber fünf Jahre später — das ist 2010. Wie lange soll das gedauert haben? Und wie viele Informationen sprechen wir hier von?

Mimi

Das ist noch unklar. Die Bundesanwaltschaft sagt, Hanning habe die Informationen in seiner Beratertätigkeit verwendet. Aber wie viel, wie lange, wie systematisch — das müssen die Ermittlungen noch klären.

Mark

Und diese Geschichte mit Aserbaidschan — ist das bestätigt?

Luke

Nein. Der Spiegel berichtet das, Aserbaidschan dementiert es, und die Bundesanwaltschaft sagt, sie wisse nicht mal, ob die Analyse den Empfänger erreicht hat. Das ist ein großes Fragezeichen.

Mimi

Aber dass er eine Analyse für einen ausländischen Geheimdienst erstellt haben soll — das wirft die Bundesanwaltschaft ihm vor. Ob es Aserbaidschan war oder ein anderes Land, ist eine Detailfrage.

Mark

Wie ist man überhaupt auf ihn gekommen?

Mimi

Durch Zufall, könnte man sagen. Das LKA Hamburg durchsuchte sein Haus wegen eines ganz anderen Falls — einer Entführung. Dabei stießen sie auf Unterlagen, die die Spionageermittlungen auslösten.

Luke

Also: Ein Mann wird wegen eines Entführungsfalls durchsucht, und dabei findet man möglicherweise Beweise für Spionage. Das ist eine ziemlich wilde Verkettung.

  • Ein ehemaliger BND-Chef steht unter dem schwersten denkbaren Verdacht — Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit — und befindet sich in Untersuchungshaft.
  • Sein früherer Büroleiter soll ihm gegen Bezahlung BND-Interna beschafft haben, die Hanning als Sicherheitsberater gewinnbringend einsetzte — ein mutmaßliches System aus Vertrauen und Verrat.
  • Mindestens eine Analyse soll Hanning für einen Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes erstellt haben; ob Aserbaidschan dahintersteckt, streitet Baku vehement ab.
  • Aufgeflogen ist der Fall durch eine ganz andere Ermittlung: Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit einem Kindesentführungsfall brachten die Behörden erst auf Hannings Spur.
  • Hannings Anwalt bestreitet alle Vorwürfe und kündigt an, die weiteren Ermittlungen würden die Unschuld seines Mandanten belegen — das Verfahren steht erst am Anfang.

Ein Mann, der einst die geheimsten Interessen des deutschen Staates hütete, sitzt nun selbst hinter Gittern. August Hanning, von 1998 bis 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes, wurde mit 80 Jahren in Untersuchungshaft genommen — der Verdacht: Er soll Staatsgeheimnisse käuflich erworben und möglicherweise an einen fremden Dienst weitergegeben haben. Der Fall wirft eine der unbequemsten Fragen auf, die ein Rechtsstaat stellen kann: Wer bewacht die Wächter?

August Hanning, 80 Jahre alt und einst einer der mächtigsten Geheimdienstchefs Deutschlands, sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft dem früheren BND-Präsidenten vor, nach seinem Ausscheiden aus dem Amt eine stille Abmachung mit seinem damaligen Büroleiter Manfred D. getroffen zu haben: Der Ex-Mitarbeiter sollte ihm gegen Bezahlung wertvolle BND-Erkenntnisse beschaffen, die Hanning in seiner Tätigkeit als Sicherheitsberater nutzen konnte.

Die Vorwürfe reichen weit: geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchter Landesverrat. In mindestens einem Fall soll Hanning die gekauften Informationen genutzt haben, um eine Analyse für den Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes zu erstellen. Der Spiegel nannte Aserbaidschan als möglichen Empfänger — Baku wies dies umgehend als Desinformation zurück. Ob die Analyse überhaupt ihren Empfänger erreichte, ist laut Bundesanwaltschaft noch ungeklärt.

Manfred D. wurde am selben Tag wie Hanning festgenommen — er in Bayern, Hanning in Nordrhein-Westfalen. Dass die Ermittler überhaupt auf Hanning aufmerksam wurden, verdankt sich einem anderen Fall: Hausdurchsuchungen im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Block — Hanning soll in einen früheren Entführungsversuch verwickelt gewesen sein, was er bestreitet — brachten die Behörden auf seine Spur.

Hannings Anwalt weist alle Vorwürfe entschieden zurück. Sein Mandant habe zwar vertrauliche Unterlagen besessen, diese jedoch weder zum Nachteil Deutschlands noch gegen Bezahlung weitergegeben. Das Verfahren hat gerade erst begonnen — und mit ihm die Frage, welche Geheimnisse ein Mann, der jahrelang an der Spitze des deutschen Auslandsgeheimdienstes stand, möglicherweise das Land verlassen ließ.

Ein ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes sitzt nun selbst in Untersuchungshaft. August Hanning, 80 Jahre alt, wurde am Dienstag festgenommen und einen Tag später von einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Haft genommen. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, geheime Erkenntnisse des BND von seinem früheren Büroleiter gekauft und teilweise an ausländische Dienste weitergegeben zu haben — eine Anschuldigung, die Hannings Anwalt entschieden bestreitet.

Die Vorwürfe wiegen schwer. Hanning wird der geheimdienstlichen Agententätigkeit, der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen und des versuchten Landesverrats beschuldigt. Die Ermittler gehen davon aus, dass etwa fünf Jahre nach Hannings Ausscheiden aus dem Amt — er war von Dezember 1998 bis November 2005 BND-Präsident — eine Abmachung zwischen ihm und seinem damaligen Büroleiter Manfred D. zustande kam. Der Plan war einfach: Der Ex-Mitarbeiter sollte dem früheren Chef gegen Bezahlung wertvolle BND-Erkenntnisse beschaffen, die Hanning dann in seiner späteren Tätigkeit als Sicherheitsberater gewinnbringend einsetzen konnte.

In mindestens einem Fall soll Hanning diese gekauften Informationen genutzt haben, um eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden Nachrichtendienstes zu erstellen. Welches Land dahintersteckt, wollte die Bundesanwaltschaft nicht offenlegen. Der Spiegel berichtete jedoch, dass es um Aserbaidschan gehen soll — ein Vorwurf, den die Regierung in Baku umgehend als Desinformation zurückwies und behauptete, dies solle den deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen schaden. Die Bundesanwaltschaft räumte ein, dass bislang nicht geklärt werden konnte, ob die Analyse den beabsichtigten Empfänger überhaupt erreichte.

Manfred D., Hannings früherer Büroleiter, sitzt bereits in Untersuchungshaft. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen. Die Festnahmen beider Männer erfolgten am selben Tag — Hanning in Nordrhein-Westfalen, D. in Bayern — und waren das Ergebnis von Ermittlungen, die das Bundeskriminalamt durchgeführt hatte.

Wie die Ermittler überhaupt auf Hannings Spur kamen, führt zu einer anderen Geschichte. Das Landeskriminalamt Hamburg durchsuchte sein Haus und seine Büros im September des vergangenen Jahres — nicht wegen Spionageverdachts, sondern im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Block. Die Staatsanwaltschaft Hamburg beschuldigt Christina Block, die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette Block House, Ende 2023 die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hanning soll laut Ermittlern in einen früheren Entführungsversuch der Kinder verwickelt sein — ein Vorwurf, den er bestreitet.

Hannings Anwalt hat eine schriftliche Stellungnahme abgegeben, in der er die Vorwürfe zurückweist. Sein Mandant sei zwar im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen, habe aber nicht die darin enthaltenen Informationen zum Nachteil Deutschlands oder gar gegen Bezahlung weitergegeben. Die weiteren Ermittlungen würden dies zeigen, heißt es in der Erklärung. Damit beginnt nun ein Verfahren, das nicht nur die Frage aufwirft, wie ein Mann, der jahrelang an der Spitze des deutschen Geheimdiensts stand, in solche Verdächtigungen verstrickt werden konnte, sondern auch, welche Staatsgeheimnisse möglicherweise das Land verlassen haben.

Zwar ist er im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen. Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland — geschweige denn gegen Bezahlung — weitergegeben.
— Hannings Anwalt in einer schriftlichen Stellungnahme
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