Söder fordert Union-Abweichler zum Austritt auf und warnt vor AfD-Dominanz

Wer die AfD wählt, hat bei uns nicht so die Zukunft
Söder droht Union-Mitgliedern, die für AfD-Kandidaten stimmen, mit dem Austritt aus der Partei.
Mark

Warum ist Söders Reaktion auf die Wahl des AfD-Präsidenten so scharf? Geht es nur um Disziplin?

Mimi

Es geht um Vertrauen und Kontrolle. Wenn CDU-Abgeordnete heimlich für AfD-Kandidaten stimmen, untergräbt das die Parteiführung. Söder signalisiert: Das wird nicht toleriert.

Luke

Aber wir wissen nicht, wer genau für Rausch gestimmt hat. Es sind vier Stimmen zu viel – das könnte auch das BSW sein, oder es könnten andere Fraktionen sein. Söder spricht, als wäre es sicher die CDU.

Mark

Und die Forderung zum Austritt – ist das nicht sehr hart?

Mimi

Für Söder ist es eine Grenzziehung. Er sagt: Wenn ihr die AfD wählt, seid ihr nicht mehr Teil dieser Union. Das ist eine klare Botschaft an die Basis.

Luke

Aber es ist auch eine Reaktion auf Angst. Die CDU hat zwanzig Prozentpunkte verloren. Söder versucht, die Partei zusammenzuhalten, bevor sie auseinanderbricht.

Mark

Was bedeutet seine Warnung vor »extremer AfD-Dominanz« im Bund?

Mimi

Er sagt: Wenn wir uns intern zerstreiten und Merz infrage stellen, führt das zu Neuwahlen. Und bei Neuwahlen könnte die AfD so stark werden, dass sie die Regierung dominiert.

Luke

Das ist eine Hypothese, keine Gewissheit. Die Umfragen sind heute so, aber Wahlen sind nicht Umfragen. Söder nutzt Angst als Waffe, um Einheit zu erzwingen.

Mark

Und die Sache mit Ilse Aigner – warum ist das wichtig?

Mimi

Es zeigt, dass Söder sich nicht als Merz-Nachfolger sieht. Er lenkt ab, indem er ein anderes Thema setzt: die erste Bundespräsidentin.

Luke

Aber das ist auch eine Antwort auf eine Frage, die gestellt wurde. Söder könnte sich als Kanzler-Alternative positionieren – tut er aber nicht. Das ist bemerkenswert.

  • Tobias Rausch (AfD) wurde Anfang Oktober zum Landtagspräsidenten Sachsen-Anhalts gewählt – mit vier Stimmen mehr als AfD und BSW zusammen
  • CDU verlor bei Septemberwahl fast 20 Prozentpunkte; AfD-Politiker Ulrich Siegmund kandidiert im Dezember für Ministerpräsidentenamt
  • Söder warnt vor Neuwahlen im Bund und möglicher AfD-Dominanz; unterstützt Friedrich Merz als Kanzler
  • Bundespräsident Steinmeier scheidet im März aus dem Amt; Bundesversammlung wählt Nachfolger am 30. Januar 2027

Söder droht Union-Abweichlern mit Konsequenzen und fordert Transparenz bei möglichen AfD-Stimmen in Sachsen-Anhalt. Die CDU verlor bei der Septemberwahl fast 20 Prozentpunkte; ein AfD-Politiker kandidiert im Dezember für das Ministerpräsidentenamt.

CSU-Chef Markus Söder warnt vor Unionsmitgliedern, die für AfD-Kandidaten stimmen, und fordert sie zum Austritt auf. Er hält eine AfD-geführte Regierung in Sachsen-Anhalt für notwendig.

Sachsen-Anhalt hat einen neuen Landtagspräsidenten – und er kommt aus der AfD. Tobias Rausch wurde Anfang Oktober in das Amt gewählt, erhielt dabei vier Stimmen mehr, als die AfD und das BSW zusammen hätten stellen können. Das wirft eine unbequeme Frage auf: Haben CDU-Abgeordnete für ihn gestimmt? Markus Söder, der CSU-Vorsitzende, hat darauf eine klare Antwort gegeben – nicht nur zur Vergangenheit, sondern auch als Warnung für die Zukunft.

Bei seinem Auftritt in der ARD-Sendung »Caren Miosga« sprach Söder Klartext. Wer in der Union sitze und sich überlege, für AfD-Kandidaten zu stimmen, solle das konsequent zu Ende denken. »Wollt ihr woanders hin? Dann sagt's auch«, forderte er auf. »Wer die AfD wählt, der hat bei uns jetzt nicht so die Zukunft.« Es war weniger eine Frage als ein Ultimatum: Entweder man steht zur Union, oder man geht. Söder deutete an, dass die Stimmen für Rausch aus einer »tiefen Verwundung« der CDU-Fraktion herrühren könnten – ein Hinweis auf die Wahlkatastrophe, die die Partei im September erlitten hatte.

Diese Niederlage war erheblich. Bei der Landtagswahl Anfang September verlor die CDU fast zwanzig Prozentpunkte. Die AfD dagegen erstarkte massiv. Im Dezember wird es noch kritischer: Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund kandidiert für das Ministerpräsidentenamt. Söder hält es für wahrscheinlich – ja, für »zwingend notwendig« –, dass die AfD dann auch die Regierung führen sollte. »Die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben da schon ein sehr klares Wort gesprochen«, sagte er.

Aber Söder ging noch weiter. Er warnte CDU-Abgeordnete davor, Siegmund zu wählen, und forderte sie auf, dazu zu stehen, wenn sie es täten. »Nach dem Ergebnis kann man das nicht sagen«, räumte er ein – also nicht auszuschließen, dass es wieder passiert. Aber dann sollten diese Abgeordneten »auch bitte das Rückgrat haben, das auch öffentlich zu machen«. Und noch deutlicher: Sie sollten »auch gleich in die politische Richtung bewegen«, sprich: die Union verlassen. »Denn ich finde das ziemlich schäbig«, sagte Söder.

Die Warnung vor Sachsen-Anhalt war aber nur der Anfang. Söder richtete seinen Blick auf die Bundespolitik und malte ein düsteres Szenario. Falls Friedrich Merz, der Bundeskanzler und CDU-Chef, von innen heraus infrage gestellt würde, könnte das zu Neuwahlen führen. Und das, warnte Söder, würde »wahrscheinlich zu einer extremen AfD-Dominanz führen«. Die Umfragen könnten sich dann in echte Wahlergebnisse verwandeln. »Sollte die zweite demokratische Regierung innerhalb weniger Jahre scheitern nach der Ampel, wäre das ein Riesenschaden für die Demokratie«, sagte er.

Auf die Frage, ob er selbst bereit wäre, Merz als Kanzler zu folgen, antwortete Söder knapp: »Friedrich Merz bleibt Bundeskanzler.« Er schätze und respektiere ihn. Die einzige Personalie, die ihn persönlich interessiere, sei nicht die Kanzlerschaft, sondern etwas anderes: Er möchte, dass Ilse Aigner Bundespräsidentin wird. Das Amt wird im März frei, wenn Frank-Walter Steinmeier nach zwei Amtszeiten ausscheidet. Die Bundesversammlung wird am 30. Januar 2027 über die Nachfolge entscheiden. Söders Wunsch ist Teil einer wachsenden Debatte, dass erstmals eine Frau Deutschlands Staatsoberhaupt sein sollte.

Söders Botschaft war also mehrschichtig: eine Drohung gegen Abweichler in der eigenen Partei, eine Akzeptanz der AfD-Stärke in Sachsen-Anhalt, eine Warnung vor Instabilität im Bund – und ein klares Bekenntnis zu Merz. Es war die Sprache eines Politikers, der die Lage ernst nimmt und seine Partei zusammenhalten will, koste es, was es wolle.

Wer sich überlegt, für AfD-Kandidaten zu stimmen, sollte das öffentlich machen und sich dann auch gleich in die politische Richtung bewegen – denn das finde ich ziemlich schäbig
— Markus Söder, CSU-Vorsitzender
Sollte die zweite demokratische Regierung innerhalb weniger Jahre scheitern nach der Ampel, wäre das ein Riesenschaden für die Demokratie
— Markus Söder
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