Bärbel Bas verlässt ihre Positionen als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende wegen persönlicher Belastung und öffentlicher Angriffe. Die CDU-Klausurtagung in Berlin befasst sich mit Vertrauensverlust und Modernisierung; CSU-Chef Söder warnt vor Instabilität und fordert Loyalität zu Kanzler Merz.
Bärbel Bas tritt zurück – Trauer und politische Anfeindungen belasten SPD-Führung
Wer die AfD wählt, der hat bei uns jetzt nicht so die Zukunft
Warum ist Bärbel Bas' Rücktritt in diesem Moment so bedeutsam? Es geht doch um mehr als eine persönliche Entscheidung.
Es ist beides. Ja, sie trauert um ihre Stieftochter – das ist real und schwer. Aber der Rücktritt fällt in einen Moment, in dem die SPD ohnehin schwach dasteht und die Koalition unter Druck gerät. Sie verliert damit eine ihrer wenigen prominenten Figuren.
Moment – wir sollten vorsichtig sein. Sie sagt, dass öffentliche Angriffe "auch aus den Reihen des Koalitionspartners" kamen. Das ist eine ernsthafte Anschuldigung gegen CDU/CSU. Aber wir wissen nicht konkret, wer oder was gemeint ist. Das bleibt vage.
Söder warnt vor Instabilität und fordert Loyalität zu Merz. Ist das ein Zeichen, dass die Koalition wirklich zu zerbrechen droht?
Söder versucht, die Linie zu halten – aber die Tatsache, dass er so laut warnen muss, sagt schon viel aus. Wenn alles stabil wäre, müsste er das nicht sagen.
Genau. Aber wir sollten unterscheiden: Söder warnt vor Neuwahlen und AfD-Dominanz – das ist eine echte Sorge. Aber ob die Koalition wirklich zerbricht oder ob das nur Rhetorik ist, können wir aus diesem Material nicht sagen.
Und die Sache mit Sachsen-Anhalt – die Wahl von Rausch zum Landtagspräsidenten. Das scheint die "Brandmauer" gegen die AfD zu durchbrechen.
Ja, und das ist das Kernproblem. Vier Stimmen kamen von außerhalb der AfD-Fraktion. Niemand weiß genau, wer. Das schafft Misstrauen und Verdacht innerhalb der Union.
Aber hier müssen wir präzise sein: Söder sagt, die Stimmen kamen "wahrscheinlich" aus der CDU-Fraktion. Laschet deutet das an. Aber es ist nicht bestätigt. Es gibt Spekulationen, aber keine Gewissheit. Das ist wichtig.
Seehofer kritisiert Merz wegen gebrochener Wahlversprechen. Ist das ein Zeichen, dass die CSU die Geduld mit dem Kanzler verliert?
Seehofer spricht aus einer Position der Erfahrung – er war selbst CSU-Chef. Seine Kritik an Merz' Rhetorik zur Arbeitsmoral ist nicht nur politisch, sondern auch moralisch. Das wiegt schwer.
Aber Seehofer ist nicht mehr in der Regierung. Seine Kritik ist wichtig, aber wir sollten nicht überschätzen, wie viel Einfluss sie hat. Söder, der aktuelle CSU-Chef, verteidigt Merz noch – zumindest öffentlich.
O Pulso
- Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende zurück
- CDU verlor bei Landtagswahl Sachsen-Anhalt Anfang September fast 20 Prozentpunkte
- AfD-Kandidat Rausch erhielt vier Stimmen mehr als erwartet bei Wahl zum Landtagspräsidenten
- Bundesversammlung wählt neuen Bundespräsidenten am 30. Januar 2027
Bärbel Bas verlässt ihre Positionen als Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende wegen persönlicher Belastung und öffentlicher Angriffe. Die CDU-Klausurtagung in Berlin befasst sich mit Vertrauensverlust und Modernisierung; CSU-Chef Söder warnt vor Instabilität und fordert Loyalität zu Kanzler Merz.
SPD-Arbeitsministerin und Parteichefin Bärbel Bas tritt von beiden Ämtern zurück. Sie begründet dies mit der Trauer um ihre verstorbene Stieftochter und öffentlichen Angriffen auch aus der Koalition.
Bärbel Bas, Arbeitsministerin und Vorsitzende der SPD, hat ihren Rücktritt von beiden Ämtern angekündigt. In einer schriftlichen Mitteilung erklärte sie, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter Zeit benötige, um ihre Trauer zu verarbeiten. Darüber hinaus machte sie öffentliche Angriffe auf ihre Person verantwortlich – Attacken, die sie ausdrücklich auch aus den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU verortete und die in dieser persönlich schwierigen Phase besonders belastend wirkten.
Der Rücktritt fällt in eine Phase erheblicher Spannungen innerhalb der Bundesregierung. Die CDU-Spitze versammelt sich zu einer zweitägigen Klausurtagung in Berlin, um sich mit Vertrauensverlust und Modernisierungsaufgaben auseinanderzusetzen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann betonte, dass es darum gehe, "Vertrauen in uns und unsere Politik zurückzugewinnen" und dabei die Modernisierung des Landes nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Partei steht unter erheblichem Druck: Nach Wahlniederlagen bei Landtagswahlen und angesichts historisch schwacher Umfragewerte muss die Union ihre Rolle als Volkspartei neu untermauern.
CSU-Chef Markus Söder warnte eindringlich vor Instabilität im Bund und möglichen Neuwahlen, sollte Bundeskanzler Friedrich Merz aus den eigenen Reihen in Frage gestellt werden. "Deswegen muss jeder, der zündelt, wissen, dass es am Ende wahrscheinlich zu einer extremen AfD-Dominanz führen wird", sagte Söder in der ARD-Sendung "Caren Miosga". Sollte eine zweite demokratische Regierung innerhalb weniger Jahre scheitern – nach dem Kollaps der Ampel-Koalition – wäre das ein "Riesenschaden für die Demokratie". Gleichzeitig verteidigte Söder Merz gegen Kritik: Angesichts des enormen Vertrauensverlustes des Kanzlers in Umfragen sagte der CSU-Chef, er schätze und respektiere Merz, finde den Imageverlust aber "sehr ungerecht".
In Sachsen-Anhalt verschärft sich die Lage um die Zusammenarbeit mit der AfD. Söder forderte Abweichler in der Union zum Austritt auf, nachdem unklar blieb, wer den AfD-Kandidaten Tobias Rausch bei der Wahl zum Landtagspräsidenten außer den eigenen Fraktionsmitgliedern und denen des BSW unterstützt hatte. Rausch erhielt vier Stimmen mehr als erwartet. "Wer die AfD wählt, der hat bei uns jetzt nicht so die Zukunft", sagte Söder. Er forderte diejenigen, die über eine Unterstützung für den AfD-Politiker Ulrich Siegmund bei der Wahl zum Ministerpräsidenten im Dezember nachdenken, auf, dies öffentlich zu machen und sich dann "auch gleich in die politische Richtung zu bewegen". Das sei "ziemlich schäbig". Söder meinte, es wäre "zwingend notwendig", dass die AfD die Regierung in Sachsen-Anhalt anführe, da die Wähler "ein sehr klares Wort gesprochen" hätten. Die CDU hatte bei der Landtagswahl Anfang September fast 20 Prozentpunkte verloren.
Armin Laschet, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, sprach sich für einen Parteiausschluss von CDU-Politikern aus, die erkennbar mit Rechtsextremen kooperieren. Bei der Verleihung des Georg Stefan Troller Preises im Jüdischen Museum Frankfurt deutete er an, dass CDU-Stimmen für Rausch gekommen seien. Die Wahl von Hans-Thomas Tillschneider, einem Mann der Identitären Bewegung, zum Vizepräsidenten sei besonders besorgniserregend, da seine "kulturpolitisch verheerenden Positionen" plötzlich keine Rolle mehr spielten. Das sei eine gesamtgesellschaftliche Frage, nicht nur eine für die CDU.
Auch der frühere CSU-Chef Horst Seehofer kritisierte Merz scharf. Durch den Bruch von Wahlversprechen – etwa bei der Senkung der Stromsteuer – habe Merz einen "massiven Glaubwürdigkeitsverlust" erlitten. Besonders verurteilte Seehofer Merz' Aussagen über die Arbeitsmoral in Deutschland. "Aussagen, die Deutschen würden zu wenig arbeiten und zu viel krankfeiern, verletzen die Menschen", sagte Seehofer der "Bild am Sonntag". Was sage man damit einer Krankenschwester, die ohnehin schon Wochenend- und Nachtschichten schiebe? Seehofer forderte "deutlich mehr Tempo" und "deutlich weniger Selbstbeschäftigung" von der schwarz-roten Bundesregierung.
In Berlin setzen Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungsgespräche fort, nachdem sie sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen Antisemitismus geeinigt hatten. Allerdings kritisierte SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey die Fortsetzung der Gespräche mit der Linken als "nicht vertretbar". Das jüngste Verhalten innerhalb der Linken sei "schädlich für unsere Stadt". Sie verwies darauf, dass 120 Linken-Politiker öffentlich gegen die Antisemitismus-Vereinbarung protestiert hatten. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch verteidigte hingegen die Sondierungen und warb für Rot-Grün-Rot in Berlin, um der Linken Regierungsverantwortung zu geben.
Citações Notáveis
Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.— Bärbel Bas in ihrer Rücktrittsmitteilung
Sollte die zweite demokratische Regierung innerhalb weniger Jahre scheitern nach der Ampel, wäre das ein Riesenschaden für die Demokratie.— Markus Söder, CSU-Chef