Seit Juli 2026 gilt in der Europäischen Union keine Zollfreigrenze mehr für Kleinsendungen aus Drittstaaten — eine Entscheidung, die das Gleichgewicht eines jahrelang verzerrten Marktes neu justiert. Die asiatischen Plattformen Shein, Temu und AliExpress, deren Geschäftsmodell auf dem Versprechen extremer Billigkeit ruhte, verloren daraufhin binnen eines Quartals mehr als ein Drittel ihres Umsatzes in Deutschland. Was wie eine technische Zollreform erscheint, ist in Wahrheit eine Frage der Fairness: Wer trägt die Kosten des Handels — und wer wurde bislang davon befreit?
Shein, Temu und AliExpress verlieren massiv an Umsatz durch neue Zollgebühren
Zollgebühren allein reichen nicht für fairen Wettbewerb
Warum ist dieser Umsatzrückgang so dramatisch? 35,5 Prozent in einem Quartal — das ist nicht einfach ein Rückgang, das ist ein Kollaps.
Die Gebührenstruktur trifft das Geschäftsmodell dieser Plattformen im Kern. Sie leben davon, dass sie extrem billig sind. Wenn plötzlich drei Euro Zoll pro Paket hinzukommen, wird das Angebot für Kunden weniger attraktiv.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Ist das wirklich nur die Zollgebühr, oder spielen auch andere Faktoren rein? Der Verband nennt eine schlechtere Konsumstimmung. Das könnte auch Shein und Co. treffen, unabhängig von den Gebühren.
Inwiefern ist das ein Sieg für europäische Einzelhändler?
Es schafft endlich eine Art Waffengleichheit. Europäische Shops zahlen Steuern und Zölle, Shein zahlte das nicht. Jetzt müssen alle das gleiche tun.
Allerdings: Wir wissen nicht, wie Shein reagiert. Werden sie die Gebühren an Kunden weitergeben? Werden sie ihre Margen senken? Werden sie ihre Lieferketten umstrukturieren? Das ist noch offen.
Und was ist mit den Verbrauchern? Gewinnen sie etwas?
Das ist kompliziert. Sie zahlen jetzt mehr, aber möglicherweise bekommen sie bessere Produktsicherheit und fairer hergestellte Waren — wenn die EU ihre Überwachung wirklich verstärkt.
Das ist das große Wenn. Alien Mulyk sagt, die EU müsse ihre Behörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen. Das klingt nach: Das ist noch nicht passiert. Wir haben die Gebühren, aber nicht unbedingt die Kontrolle.
El Pulso
- Der Wegfall der 150-Euro-Zollfreigrenze im Juli traf die asiatischen Plattformen wie ein Schock: Ihr Umsatz in Deutschland brach um 35,5 Prozent ein.
- Drei Euro Zoll pro Kleinsendung mögen gering klingen, doch für Geschäftsmodelle, die auf Centmargen und Massenvolumen aufgebaut sind, bedeuten sie eine strukturelle Bedrohung.
- Der gemeinsame Marktanteil von Shein, Temu und AliExpress schrumpfte in nur drei Monaten von 5,3 auf 3,1 Prozent — während der gesamte deutsche Onlinehandel moderat wuchs.
- Ab November verschärft sich der Druck weiter: Eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Sendung erhöht die Importkosten erneut.
- Branchenvertreter warnen, dass Zölle allein nicht genügen — ohne stärkere Marktüberwachung und konsequente Rechtsdurchsetzung bleibt fairer Wettbewerb ein unvollendetes Versprechen.
Seit Juli 2026 gilt in der Europäischen Union keine Zollfreigrenze mehr für Kleinsendungen aus Drittstaaten — eine Entscheidung, die das Gleichgewicht eines jahrelang verzerrten Marktes neu justiert. Die asiatischen Plattformen Shein, Temu und AliExpress, deren Geschäftsmodell auf dem Versprechen extremer Billigkeit ruhte, verloren daraufhin binnen eines Quartals mehr als ein Drittel ihres Umsatzes in Deutschland. Was wie eine technische Zollreform erscheint, ist in Wahrheit eine Frage der Fairness: Wer trägt die Kosten des Handels — und wer wurde bislang davon befreit?
Im dritten Quartal 2026 erlebten Shein, Temu und AliExpress in Deutschland einen dramatischen Einbruch: Ihre Umsätze sanken um 35,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auslöser war eine politische Entscheidung, die im Juli in Kraft trat — die Abschaffung der Zollfreigrenze für Warensendungen bis 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten. Seitdem kostet jedes Paket aus Drittländern drei Euro Zoll, was die Attraktivität dieser Plattformen für deutsche Verbraucher erheblich mindert.
Die Marktverschiebung ist in Zahlen greifbar: Hielten die drei Anbieter im zweiten Quartal noch 5,3 Prozent des deutschen Onlinehandels, waren es im dritten nur noch 3,1 Prozent — ein Rückgang um fast 42 Prozent in drei Monaten. Der übrige Onlinehandel wuchs im selben Zeitraum um 2,9 Prozent, wenn auch langsamer als zuvor, was der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel auf eine gedämpfte Konsumstimmung zurückführt.
Die Belastung für die asiatischen Plattformen wird weiter steigen: Ab November kommt eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Sendung hinzu. Diese gestaffelte Einführung ist Teil einer breiteren EU-Strategie gegen unlauteren Wettbewerb — denn europäische Händler zahlten stets Steuern und Zölle, während ihre asiatischen Konkurrenten jahrelang davon befreit waren.
Doch Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes, mahnt: Zölle allein reichen nicht. Die EU müsse ihre Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht konsequenter durchsetzen — denn hinter den Niedrigpreisen verbergen sich oft ungeklärte Fragen zu Produktsicherheit, Arbeitsbedingungen und Verbraucherschutz. Ob die neue Spielfeldneigung von Dauer ist, hängt davon ab, wie entschlossen Europa seine eigenen Regeln durchsetzt.
Im dritten Quartal dieses Jahres erlebten die asiatischen Shopping-Plattformen Shein, Temu und AliExpress in Deutschland einen dramatischen Umsatzeinbruch. Die Erlöse dieser drei Anbieter fielen um 35,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland mitteilte. Der Grund für diesen Absturz liegt in einer politischen Entscheidung, die im Juli in Kraft trat: Die Zollfreigrenze für Warensendungen bis 150 Euro aus Nicht-EU-Staaten wurde abgeschafft. Seitdem unterliegt jedes Paket aus Drittländern der Zollpflicht.
Die praktische Auswirkung dieser Regelung ist unmittelbar spürbar für Käufer. Kleinsendungen kosten nun drei Euro Zoll pro Stück — eine Gebühr, die sich auf die Gesamtrechnung aufschlägt und die Attraktivität dieser Plattformen erheblich mindert. Für Unternehmen wie Shein, deren Geschäftsmodell auf extrem niedrigen Preisen basiert, stellt dies eine existenzielle Herausforderung dar. Die Marge zwischen dem, was Kunden zahlen wollen, und dem, was die Plattformen verdienen können, schrumpft rapide.
Doch die Belastung wird sich weiter verschärfen. Ab November tritt eine zusätzliche Maßnahme in Kraft: eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro pro Sendung. Damit werden die Kosten für den Import aus Asien nochmals erhöht. Diese gestaffelte Einführung von Zollgebühren ist Teil einer breiteren EU-Strategie, um die Flut billiger Waren aus Drittstaaten einzudämmen und unlauteren Wettbewerb zu unterbinden.
Die Marktanteile der drei größten asiatischen Anbieter zeigen das Ausmaß der Verschiebung deutlich. Im zweiten Quartal hielten sie zusammen noch 5,3 Prozent des deutschen Onlinehandels. Im dritten Quartal waren es nur noch 3,1 Prozent — ein Rückgang um fast 42 Prozent in nur drei Monaten. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Onlinehandel wuchs im dritten Quartal um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem er zwischen April und Juni noch um gut fünf Prozent zugelegt hatte. Die Verlangsamung wird vom Verband auf eine schlechtere Konsumstimmung zurückgeführt.
Doch nicht alle Akteure sind mit den bisherigen Maßnahmen zufrieden. Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, argumentiert, dass die Zollgebühren allein nicht ausreichen. Um wirklich fairen Wettbewerb herzustellen, müsse die EU ihre Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht konsequenter durchsetzen. Damit deutet sie an, dass hinter den Preisen dieser Plattformen oft auch Fragen von Produktsicherheit, Arbeitsbedingungen und Verbraucherschutz stecken — Bereiche, in denen Kontrollen bislang lückenhaft waren.
Die Zollgebühren wirken wie ein Korrektiv für ein Marktungleichgewicht, das Jahre lang bestand. Europäische Einzelhändler zahlten Steuern und Zölle, während asiatische Plattformen von der Zollfreigrenze profitierten. Nun hat sich die Spielfeld-Neigung verschoben — vorerst. Ob diese Verschiebung von Dauer ist, hängt davon ab, wie die Plattformen reagieren und ob die EU ihre Durchsetzungsmechanismen tatsächlich verstärkt.
Citas Notables
Um für fairen Wettbewerb zu sorgen, muss die EU die Marktüberwachungsbehörden stärken und bestehendes Recht durchsetzen— Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland