Mehrere Gedenkveranstaltungen fanden in Berlin statt, darunter am Bebelplatz mit hochrangigen Politikern wie Bundesinnenminister Dobrindt und dem israelischen Botschafter. Dobrindt versicherte Israel deutsche Solidarität und warnte, dass Antisemitismus ein "abscheuliches Gift" sei, das die Gesellschaft zu vergiften drohe.
Berlin gedenkt der Opfer des Hamas-Anschlags vom 7. Oktober 2023
Antisemitismus ist ein abscheuliches Gift, das die Gesellschaft zu vergiften droht
Warum war die Polizeipräsenz mit 1.000 Beamten so massiv? War das eine Reaktion auf Sicherheitsbedenken oder eher auf die erwarteten Gegendemonstrationen?
Die Polizei sicherte insgesamt acht israel-solidarische Veranstaltungen und zwei angemeldete pro-palästinensische Demonstrationen. Das erklärt die Größe des Aufgebots. Es ging darum, beide Seiten zu schützen und Konfrontationen zu minimieren.
Aber die Zahlen sind interessant: Die Kreuzberg-Demonstration war mit 150 Teilnehmenden angemeldet, und die Polizei zählte am Abend etwa 700. Das ist eine erhebliche Diskrepanz. Wir wissen nicht genau, warum die Teilnehmerzahl so stark anwuchs.
Die Rede von Dobrindt war sehr deutlich in ihrer Botschaft. Wie wurde das von den verschiedenen politischen Lagern aufgenommen?
Dobrindt sprach von einer "Pflicht eines jeden Deutschen", Antisemitismus zu bekämpfen, und warnte vor einem "abscheulichen Gift". Das war eine klare Stellungnahme zur Solidarität mit Israel. Vertreter aller Parteien waren anwesend, von der CDU bis zur AfD.
Das ist wichtig zu beachten: Die AfD-Landesvorsitzende war anwesend, aber wir haben keine Aussage von ihr oder ihrer Partei zu dieser Veranstaltung. Wir wissen nicht, wie die AfD diese Rede oder die Veranstaltung selbst bewertet hat.
Was passierte bei der Kreuzberg-Demonstration genau?
Die Polizei löste sie am späteren Abend auf. Es gab Straftaten gegen Polizisten, Tritte und Schubsen, Rangeleien, und mehrere Menschen wurden festgenommen, unter anderem wegen verbotener Kennzeichen und Hamas-Symbolen.
Das ist wichtig: Wir wissen, dass es "vereinzelte Rangeleien" gab und dass "Straftaten gegen Polizisten" begangen wurden, aber die genaue Zahl der Festnahmen wird nicht genannt. Wir wissen auch nicht, wie viele Menschen tatsächlich an den verbotenen Symbolen beteiligt waren oder wie die Eskalation genau ablief.
Le Pouls
- Über 1.200 Menschen starben beim Hamas-Anschlag am 7. Oktober 2023
- Etwa 250 Geiseln wurden verschleppt, viele starben in Gefangenschaft
- Polizei war mit etwa 1.000 Beamten im Einsatz
- Kreuzberg-Demonstration: 150 angemeldet, etwa 700 Teilnehmer laut Polizei
- Mehrere Gedenkveranstaltungen in Berlin, darunter am Bebelplatz, Brandenburger Tor und Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Mehrere Gedenkveranstaltungen fanden in Berlin statt, darunter am Bebelplatz mit hochrangigen Politikern wie Bundesinnenminister Dobrindt und dem israelischen Botschafter. Dobrindt versicherte Israel deutsche Solidarität und warnte, dass Antisemitismus ein "abscheuliches Gift" sei, das die Gesellschaft zu vergiften drohe.
Hunderte Menschen gedachten in Berlin zum dritten Jahrestag des Hamas-Anschlags auf Israel der über 1.200 Opfer. Innenminister Dobrindt betonte die deutsche Solidarität mit Israel und die Pflicht zur Bekämpfung des Antisemitismus.
Am Mittwoch strömten Hunderte Berliner zum Bebelplatz, jenem Ort, an dem die Nationalsozialisten 1933 Bücher verbrannten, um der Opfer des Hamas-Anschlags vom 7. Oktober 2023 zu gedenken. Drei Jahre nach dem Terrorangriff auf israelische Siedlungen und Armeestützpunkte entlang des Gazastreifens versammelten sich Bürger, Politiker und Diplomaten, um an die über 1.200 Menschen zu erinnern, die an jenem Tag starben. Der israelische Botschafter Ron Prosor war ebenso anwesend wie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und zahlreiche Berliner Senatoren und Senatoren aus verschiedenen Parteien.
Dobrindt nutzte seine Rede auf dem Bebelplatz, um Deutschland an die Seite Israels zu stellen. Er erklärte, dass diejenigen, die das Existenzrecht des Staates Israel anzweifelten, "nicht Teil Deutschlands und dürfen es auch nicht werden". Die Bekämpfung des Antisemitismus bezeichnete er als eine Verpflichtung, die jeden Deutschen betreffe. Er warnte vor dem "abscheulichen Gift" des Antisemitismus, das Teile der deutschen Gesellschaft zu vergiften drohe, und äußerte den Wunsch, dass Deutschland für jüdische Bürger "ein gutes Land bleibt und ein besseres Land wird".
Neben Dobrindt sprach auch Noga Friedmann, deren Mann, ein Soldat einer Spezialeinheit, am 7. Oktober von Hamas-Terroristen getötet worden war. Unter den Gästen befanden sich Finanzsenator Stefan Evers, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, Innensenatorin Iris Spranger, die AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker und der ehemalige Kultursenator Joe Chialo. Auch Prominente wie die Schauspielerin Iris Berben nahmen teil. Kerzen wurden angezündet, israelische Flaggen wehten über dem Platz, und vereinzelt waren auch iranische Flaggen zu sehen.
Die Polizei war am Mittwoch mit etwa 1.000 Beamten im Einsatz, um acht israel-solidarische Veranstaltungen und Versammlungen zu sichern. Am Eingang des Bebelplatz-Gedenkens führten Polizisten Taschenkontrollen durch. Weitere Gedenkveranstaltungen fanden am Brandenburger Tor statt, wo eine Installation mit Fotos von Opfern des Anschlags aufgebaut worden war. Am Morgen gab es ein Gedenken in der Zentralen Synagoge der Jüdischen Gemeinde Chabad, am Abend einen religionsübergreifenden Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Charlottenburg, an dem Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke teilnahm. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hielt sich in Israel auf, um die neue Städtepartnerschaft Berlins mit Tel Aviv zu vertiefen.
Parallel zu den Gedenkveranstaltungen fanden zwei pro-palästinensische Demonstrationen statt. Eine regelmäßige Versammlung am Checkpoint Charlie zog etwa 70 Menschen an. Eine zweite Kundgebung zog vom frühen Abend an durch Kreuzberg unter dem Motto "Down with Colonialism". Obwohl die Demonstration mit 150 Teilnehmenden angemeldet worden war, zählte die Polizei am Abend etwa 700 Demonstranten. Sie trugen Plakate mit Aufschriften wie "Power to the People - Glory to the resistance" und riefen beim Passieren einer Gegendemonstration mit israelischen Fahnen "Fuck You Israel - Viva Palestine".
Die Polizei begleitete die Kreuzberg-Demonstration eng und löste sie am späteren Abend auf. Nach Angaben eines Polizeisprechers kam es zu Straftaten gegen Polizisten, darunter Tritte und Schubsen, sowie vereinzelte Rangeleien zwischen Demonstranten und Beamten. Mehrere Menschen wurden festgenommen, unter anderem wegen der Verwendung verbotener Kennzeichen, darunter Symbole der Terrororganisation Hamas.
Der Hintergrund dieser Gedenkveranstaltungen reicht bis zum 7. Oktober 2023 zurück, als Hamas-Terroristen israelische Siedlungen und Armeestützpunkte angriffen. Etwa 250 Geiseln wurden verschleppt, viele von ihnen starben in Gefangenschaft. In der Folge griff Israel zahlreiche Orte im Gazastreifen an, wobei weite Teile des Palästinensergebiets zerstört wurden und Zehntausende Menschen starben. Der Konflikt weitete sich später auch auf andere Länder aus, einschließlich des Libanon und des Iran. In Deutschland ist die Zahl antisemitischer Vorfälle seit dem Anschlag gestiegen.
Citations marquantes
Diejenigen, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, sind nicht Teil Deutschlands und dürfen es auch nicht werden— Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
Die Bekämpfung des Antisemitismus gehört zur Pflicht eines jeden Deutschen— Bundesinnenminister Alexander Dobrindt