In einem Moment, der die Grenzen zwischen Wirtschaftspolitik und Kriegsdiplomatie verwischt, forderte US-Präsident Donald Trump die Ablösung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj – kurz nachdem er angekündigt hatte, trotz bestehender Sanktionen russischen Diesel zu kaufen. Als Begründung nannte Trump steigende Dieselpreise, die er Selenskyjs Angriffen auf russische Raffinerien zuschrieb, während die eigentliche Ursache – ein von Trump selbst mitinitiierter Krieg gegen den Iran – unerwähnt blieb. Europa antwortete mit Solidaritätsbekundungen und verschärften Sanktionen, während russische Angri
Trump fordert nach Dieseldeal mit Putin Selenskyjs Ablösung
Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg
Warum fordert Trump plötzlich Selenskyjs Ablösung? Das kommt doch aus dem Nichts.
Nicht wirklich. Trump steht vor den Kongresswahlen unter Druck wegen der hohen Dieselpreise. Die Republikaner fürchten, ihre Mehrheit zu verlieren. Also macht er einen Deal mit Putin für russisches Diesel und braucht jemanden zum Beschuldigen.
Aber halt — die Preise sind wegen des Iran-Kriegs gestiegen, den Trump selbst begonnen hat. Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Genau. Trump lenkt ab, indem er Selenskyj für etwas verantwortlich macht, das Selenskyj nicht verursacht hat.
Und die 300.000 Tonnen Diesel — ist das überhaupt viel?
Nein. Nach der US-Energiebehörde deckt das den amerikanischen Verbrauch für etwa 14 Stunden. Es ist ein symbolischer Move, kein echtes Lösungsprogramm.
Aber es reicht, um vor der Wahl Schlagzeilen zu machen und den Preis zu senken — zumindest kurzfristig.
Wie reagiert Selenskyj?
Empört. Er sagt, der Deal sei "nicht fair und nicht ehrlich" und dass Trumps Gesandte parallel mit ihm über Frieden verhandelt haben, ohne das Dieselabkommen zu erwähnen.
Das ist ein wichtiger Punkt: Die Verhandlungen waren nicht koordiniert. Das deutet auf Chaos oder bewusste Täuschung hin.
Und Europa?
Bleibt bei Selenskyj. Großbritannien und Deutschland bekräftigen ihre Unterstützung und Sanktionen gegen Russland.
Das ist das Gegenpol zu Trumps Kurs — aber es ist auch noch unklar, wie lange das hält, wenn die USA ihre Sanktionen lockern.
Der Puls
- Trump bricht mit einem langjährigen westlichen Verbündeten: Seine öffentliche Forderung, Selenskyj abzulösen, erschüttert das diplomatische Fundament der Ukraine-Unterstützung.
- Der angekündigte Dieselkauf aus Russland untergräbt das westliche Sanktionsregime und liefert Moskau dringend benötigte Einnahmen – mitten im laufenden Krieg.
- Trumps Schuldzuweisung an Selenskyj für hohe Dieselpreise verschleiert, dass der Iran-Krieg – den Trump selbst begann – die Rohstoffmärkte destabilisiert hat.
- Während in Miami Friedensverhandlungen stattfanden, wurden in der Ukraine 20 Menschen durch russische Angriffe getötet, darunter drei Kinder – die menschlichen Kosten bleiben unsichtbar in Trumps Kalkül.
- Europa hält dagegen: Großbritannien und Deutschland bekräftigen ihre Unterstützung für Selenskyj und die Sanktionen, doch der transatlantische Riss wird tiefer.
In einem Moment, der die Grenzen zwischen Wirtschaftspolitik und Kriegsdiplomatie verwischt, forderte US-Präsident Donald Trump die Ablösung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj – kurz nachdem er angekündigt hatte, trotz bestehender Sanktionen russischen Diesel zu kaufen. Als Begründung nannte Trump steigende Dieselpreise, die er Selenskyjs Angriffen auf russische Raffinerien zuschrieb, während die eigentliche Ursache – ein von Trump selbst mitinitiierter Krieg gegen den Iran – unerwähnt blieb. Europa antwortete mit Solidaritätsbekundungen und verschärften Sanktionen, während russische Angriffe in der Ukraine mindestens 20 Menschenleben forderten.
Als US-Präsident Donald Trump ankündigte, mehr als 300.000 Tonnen Diesel aus Russland zu kaufen, folgte kurz darauf eine noch schärfere Botschaft: Selenskyj müsse als ukrainischer Präsident abgelöst werden. Im Weißen Haus erklärte Trump, es sei Zeit für jemanden, der bereit sei, den Krieg zu beenden – und machte Selenskyj persönlich für die hohen Dieselpreise in den USA verantwortlich. Dessen Angriffe auf russische Raffinerien schadeten amerikanischen Landwirten und Lkw-Fahrern, so Trump.
Was in dieser Darstellung fehlte: Russland hatte die Ukraine angegriffen, nicht umgekehrt. Putin lehnte Waffenstillstandsangebote wiederholt ab. Und die eigentliche Ursache der Preissteigerungen war der Iran-Krieg – den Trump selbst im Februar gemeinsam mit Israel begonnen hatte. Mit Blick auf die Kongresswahlen am 3. November stand Trump unter erheblichem Druck, die Preise zu senken. Die angekündigte Dieselmenge aus Russland deckt rechnerisch jedoch lediglich rund 14 Stunden des amerikanischen Verbrauchs.
Selenskyj reagierte mit scharfer Kritik. Der Deal sei weder fair noch ehrlich, sagte er. Besonders empörte ihn, dass Trumps Gesandte parallel in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein Kriegsende verhandelten, ohne das Dieselabkommen zu erwähnen. Auf Telegram warnte er: Russland werde die Einnahmen in weiteren Terror investieren.
Am Tag nach Trumps Forderung töteten russische Angriffe im Südosten der Ukraine mindestens 20 Menschen, darunter drei Kinder. Europa stellte sich demonstrativ hinter Kyjiw: Der britische Premier Andy Burnham sicherte der Ukraine uneingeschränkte Solidarität und verschärfte Sanktionen zu, während die Bundesregierung betonte, ihre Unterstützung für die Ukraine und das Sanktionsregime bleibe ungebrochen.
Am Freitag kündigte US-Präsident Donald Trump an, Diesel aus Russland zu kaufen. Wenige Tage später forderte er die Ablösung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im Weißen Haus sagte Trump vor Journalisten, es sei "an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt", jemanden, der bereit sei, den Krieg mit Russland zu beenden. Selenskyj habe dies "aus irgendeinem Grund nie getan", obwohl viele Möglichkeiten bestanden hätten.
Trumps Begründung war simpel: Er machte den ukrainischen Präsidenten für die hohen Dieselpreise in den USA verantwortlich. Selenskyj wolle "unseren Landwirten und Viehzüchtern Probleme mit Dieselkraftstoff bereiten", behauptete Trump und forderte ihn auf, die Angriffe auf russische Raffinerien zu beenden. Was Trump nicht erwähnte: Russland hatte die Ukraine vor gut vier Jahren überfallen, nicht umgekehrt. Wladimir Putin lehnte mehrfach Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand ab. Diplomatische Initiativen gingen ins Leere. Am Samstag, unmittelbar nach Trumps Forderung, töteten russische Angriffe im Südosten der Ukraine mindestens 20 Menschen, darunter drei Kinder.
Die tatsächliche Ursache der Dieselpreissteigerungen lag woanders. Nicht Sanktionen gegen Russland, sondern der Iran-Krieg hatte die Rohöl- und Dieselpreise massiv in die Höhe getrieben. Diesen Krieg hatte Trump selbst im Februar gemeinsam mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu begonnen. Doch vor den Kongresswahlen am 3. November stand Trump unter Druck. Die Republikanische Partei fürchtete, wegen der hohen Preise abgestraft zu werden und ihre Kongressmehrheit zu verlieren. Das würde auch Trumps eigene Vorhaben erschweren.
Deshalb kündigte Trump am Freitag an, trotz bestehender Sanktionen mehr als 300.000 Tonnen Diesel aus Russland zu kaufen. Im November sollten weitere 500.000 Tonnen folgen, danach eine Million Tonnen "sofort danach". "Niedrigere Preise für die Amerikaner und vor allem für unsere großartigen Farmer, Viehzüchter und Lkw-Fahrer", nannte Trump dies seine "höchste Priorität". Doch die Menge war überschaubar: Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA decken 300.000 Tonnen rechnerisch den amerikanischen Verbrauch für gut 14 Stunden.
Selenskyj reagierte empört. Die Vereinbarung sei "nicht fair und nicht ehrlich", sagte er dem US-Nachrichtenportal Axios. Besonders verärgert zeigte er sich darüber, dass Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner parallel zum Deal mit Putin in Miami mit ukrainischen Unterhändlern über ein mögliches Kriegsende verhandelten, ohne das Dieselabkommen zu erwähnen. Auf Telegram schrieb Selenskyj: "Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg (gegen die Ukraine), den man beenden und nicht verlängern muss." Moskau werde mit weiterem "Terror und Gemeinheiten" danken.
Aus Europa bekam Selenskyj Rückendeckung. Der neue britische Premierminister Andy Burnham bekundete "uneingeschränkte Solidarität" und sagte der Ukraine eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland zu. Dies solle die russische Kriegsmaschinerie weiter einschränken. Burnham forderte zudem einen Energie-Waffenstillstand: Russland müsse seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur und auf die Schifffahrt im Schwarzen Meer beenden. Die beiden vereinbarten, sich in den kommenden Tagen persönlich zu treffen. Auch die Bundesregierung hielt an ihrem Kurs fest. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte: "Die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf bleibt ungebrochen." Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche unterstrich: "Deutschland steht uneingeschränkt zu den Sanktionspaketen."
Bemerkenswerte Zitate
Es sei an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt, der bereit sei, den Krieg mit Russland zu beenden— Donald Trump
Die Vereinbarung sei nicht fair und nicht ehrlich— Wolodymyr Selenskyj