Vom »Fuck Biden«-Shirt ins Weiße Haus: Beni Rae Harmonys Aufstieg

Sie war niemals eine Journalistin – sie war eine Anhängerin
Ein Kritiker beschreibt Harmonys Rolle als Korrespondentin und ihren Übergang ins Weiße Haus.
Mark

Warum ist diese Geschichte wichtig? Eine 24-Jährige bekommt einen Job im Weißen Haus – das passiert doch ständig.

Mimi

Weil sie nicht wegen ihrer journalistischen Fähigkeiten eingestellt wurde. Sie wurde eingestellt, weil sie eine treue Anhängerin ist, die ihre Bewunderung öffentlich zeigt.

Luke

Aber das ist eine Vermutung. Das Weiße Haus sagt, sie sei eine »vertrauenswürdige Stimme«. Das könnte bedeuten, dass sie gute Arbeit leistet.

Mimi

Schau dir an, was sie vorher gemacht hat. Sie war Korrespondentin, aber sie dokumentierte nur ihre Reisen mit Trump. Sie filmte sich beim Zähneputzen in der Air Force One. Das ist keine Berichterstattung.

Mark

Also war sie eher eine Influencerin als eine Reporterin?

Mimi

Genau. Und jetzt sitzt sie im Presseteam des Weißen Hauses. Das ist der Punkt: Die Grenze zwischen Propaganda und Journalismus wird immer dünner.

Luke

Aber wir wissen nicht, ob sie die Pressesprecherin wird. Das ist Spekulation. Sie arbeitet in der Presseabteilung, aber das ist nicht dasselbe wie die tägliche Briefing-Sprecherin.

Mimi

Stimmt. Aber die Zeichen deuten darauf hin. Leavitt ist weg, das Weiße Haus sucht eine Nachfolgerin, und Harmony ist jung, loyal und hat bereits Erfahrung mit Trump-freundlichen Medien.

Mark

Was sagt das über den Zustand der Pressesprecherei im Weißen Haus?

Luke

Es sagt, dass die Rolle sich verändert hat. Leavitt hat Journalisten abgekanzelt und ihren Chef bewundert. Wenn Harmony das gleiche tut, wird das normal sein.

Mimi

Und das ist das Problem. Die Pressesprecherin soll die Brücke zwischen Präsident und Presse sein. Wenn die Sprecherin nur Propaganda macht, gibt es keine Brücke mehr.

Mark

Also sollten wir beobachten, ob Harmony zur Sprecherin befördert wird?

Luke

Ja. Und wenn ja, sollten wir beobachten, wie sie den Job macht. Das wird uns viel über die Zukunft der Pressefreiheit im Weißen Haus sagen.

  • Eine 24-Jährige, die sich auf Instagram beim Zähneputzen in der Präsidententoilette filmte, sitzt nun offiziell im Kommunikationsteam des mächtigsten Amtes der Welt.
  • Ein Weihnachtsfoto mit Gewehr und Anti-Biden-Shirt schadete ihrer Karriere nicht – es beförderte sie, weil es exakt das Image verkörperte, das das Trump-Team als Qualifikation wertet.
  • Kritiker wie Bulwark-Chefredakteur Jonathan V. Last bezeichnen Harmony offen als Propagandistin, nicht als Journalistin – eine Einschätzung, die das Weiße Haus demonstrativ ignoriert.
  • Mit dem Abgang von Pressesprecherin Karoline Leavitt zu Fox News öffnet sich eine der sichtbarsten Bühnen Washingtons, und Harmony gilt als mögliche Nachfolgerin.
  • Der nahtlose Wechsel von Leavitt ins Fernsehen und Harmonys Einzug ins Presseteam zeigt, wie durchlässig die Grenze zwischen Regierungskommunikation und parteiischer Medienarbeit geworden ist.

In Washington verschwimmt die Grenze zwischen Journalismus und Loyalität erneut: Die 24-jährige Beni Rae Harmony, einst Korrespondentin für einen rechtskonservativen Sender und bekannt für offen parteiische Auftritte, gehört seit Oktober 2026 zum Presseteam des Weißen Hauses. Ihr Aufstieg folgt einem Muster, das weniger von journalistischer Unabhängigkeit als von ideologischer Nähe geprägt ist – und wirft die alte Frage neu auf, wer eigentlich das Recht hat, im Namen der Öffentlichkeit zu sprechen.

Seit Anfang Oktober arbeitet Beni Rae Harmony, 24 Jahre alt, im Presseteam des Weißen Hauses. Wer sie vorher war, macht diesen Aufstieg erst wirklich bedeutsam.

Ein Weihnachtsfoto aus dem Jahr 2021 kursiert wieder: Harmony steht vor einem Kamin, neben ihrem Onkel, beide mit Gewehren und schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift »Fuck Joe Biden«. Das Bild ist nicht subtil – und es ist jetzt relevant, weil Harmony im Kommunikationsteam jenes Präsidenten sitzt, dessen Vorgänger darauf beschimpft wird.

Zuvor war sie Korrespondentin bei »Real America's Voice«, einem rechtskonservativen Sender, auf dem auch Steve Bannons »War Room« läuft. Auf Instagram dokumentierte sie ihre Reisen mit Trump obsessiv: Outfits vor der Air Force One, Selfies in der Präsidententoilette, Schwärmereien über Militärhubschrauber und WM-Finale. Drei Wochen nach einem gemeinsamen Irland-Trip wechselte sie ins Weiße Haus. Das Presseteam lobte sie als »vertrauenswürdige Stimme für die Maga-Bewegung«.

Jonathan V. Last vom Trump-kritischen Magazin The Bulwark schrieb dazu: »Beni Rae Harmony war niemals eine Journalistin.« Sie habe nie Fragen gestellt – sie habe Zugang dokumentiert und Bewunderung inszeniert. Harmony selbst schrieb auf X, ihr Ziel sei stets gewesen, »solche Fragen zu stellen, die echten Amerikanern wichtig sind«. Im neuen Job werde sie »für den American Dream kämpfen«.

Im Hintergrund läuft derweil eine Personalfrage: Das Weiße Haus sucht seit August eine neue Pressesprecherin. Karoline Leavitt, die den Posten mit demonstrativer Trump-Loyalität ausfüllte, verließ ihn nach der Geburt ihres zweiten Kindes und wechselt nun zu Fox News. Harmony gilt als mögliche Nachfolgerin – eine Frau, die Pressefreiheit erkennbar weniger als Grundrecht denn als Hindernis betrachtet. Der Übergang von Leavitt zu Harmony wäre kein Bruch, sondern eine Fortsetzung.

Die 24-jährige Beni Rae Harmony sitzt seit Anfang Oktober im Presseteam des Weißen Hauses. Das ist an sich eine bemerkenswerte Karriere für jemanden so jung. Bemerkenswert wird es aber, wenn man weiß, wer sie vorher war und wie sie dorthin kam.

Im November 2021 postete Harmony ein Weihnachtsfoto auf Instagram, das jetzt wieder die Runde macht. Darauf steht sie vor einem Kamin mit Feuer und Weihnachtsdeko, neben ihrem Onkel. Beide halten Gewehre mit Zielfernrohren in den Händen. Beide tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift »Fuck Joe Biden«. Das Foto ist nicht subtil. Es ist auch nicht neu. Aber es ist jetzt relevant, weil Harmony im Kommunikationsteam des Präsidenten arbeitet, dessen Vorgänger auf dem Shirt beschimpft wird.

Vor diesem Job war Harmony Korrespondentin für »Real America's Voice«, einen rechtskonservativen Sender, auf dem auch Steve Bannons »War Room« läuft. Sie dokumentierte ihre Reisen mit Trump obsessiv auf Instagram – im dunkelblauen Outfit vor der Air Force One, im hellblauen, im knallrot. Sie filmte sich selbst beim Zähneputzen in der Präsidententoilette. Sie schwärmte davon, mit dem Präsidenten zum WM-Finale zu reisen, mit dem Militärhubschrauber zu einem Golfturnier nach Irland zu fliegen. Drei Wochen nach dem Irland-Trip wechselte sie ins Weiße Haus.

Das Presseteam des Weißen Hauses lobte sie als »vertrauenswürdige Stimme für die Maga-Bewegung«. Das vulgäre Biden-Shirt schadete ihr nicht. Im Gegenteil: Es passte perfekt zu dem Image, das sie aufgebaut hatte. Harmony hatte vorher für republikanische Politiker wie Matt Gaetz gearbeitet und für Charlie Kirk, den ultrarechten Aktivisten von Turning Point USA. Als Kirk im September 2025 ermordet wurde, sprach Harmony einen emotionalen Nachruf in die Kamera – woraufhin ihr damaliger Arbeitgeber sie suspendierte, wie sie behauptete. Der Sender bestritt das.

Jonathan V. Last, Chefredakteur des Trump-kritischen Onlinemagazins The Bulwark, schrieb später: »Beni Rae Harmony war niemals eine Journalistin.« Sie stehe für Propaganda. »Ich freue mich, dass sie sich geoutet hat und nun so leben kann, wie sie wirklich ist.« Das ist eine harte Einschätzung, aber sie trifft einen Punkt: Harmony war nie eine Reporterin, die Fragen stellte. Sie war eine Anhängerin, die Zugang dokumentierte.

Jetzt stellt sich die Frage, wie weit dieser Aufstieg gehen wird. Das Weiße Haus sucht seit August eine neue Pressesprecherin. Karoline Leavitt, die bisherige Sprecherin und enge Vertraute Trumps, verließ ihren Posten nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Es ist einer der prominentesten Jobs in Washington – der tägliche Briefing-Raum, die Konfrontation mit der Hauptstadtpresse. Leavitt nutzte diesen Posten, um Korrespondenten abzukanzeln (»Sie sind kein Reporter«), ihre Arbeit herabzuwürdigen (»was für eine dumme Frage«) und ihren Chef mit grenzenloser Bewunderung zu präsentieren. Trump sei der beste Boss und beste Präsident aller Zeiten, sagte sie immer wieder.

Harmony kommt mit ähnlichen Einstellungen ins Weiße Haus. Sie schrieb auf X, dass es »eine Ehre« gewesen sei, über diese »historische Regierung« zu berichten, und dass ihr Ziel immer gewesen sei, »solche Fragen zu stellen, die echten Amerikanern wichtig sind«. Im neuen Job werde sie »für den American Dream kämpfen«. Das klingt nicht nach einer Pressesprecherin, die den Journalisten fair begegnet. Es klingt nach jemandem, der die Pressefreiheit als Hindernis sieht.

Leavitt wechselt unterdessen zu Fox News und tritt ab November vor die Kameras. An ihrer Bewunderung für Trump hat sich nichts geändert. »Ich liebe den Präsidenten«, sagte sie dem konservativen Sender. Das Weiße Haus kommentierte ihren Wechsel zufrieden – man freue sich, dass sie Trumps »erfolgreiche Agenda« dem Fernsehpublikum vermitteln könne. Es ist ein nahtloser Übergang von der Pressesprecherin zur Propagandistin. Und Harmony sitzt jetzt in der Position, die Leavitt verlassen hat.

Beni Rae Harmony war niemals eine Journalistin. Sie stehe für Propaganda.
— Jonathan V. Last, Chefredakteur von The Bulwark
Mein Ziel war es immer, solche Fragen zu stellen, die echten Amerikanern wichtig sind.
— Beni Rae Harmony auf X
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