Tankrabatt für Autos, aber nichts für Heizöl: Gerechtigkeitsfrage

Rentner und Hausbesitzer mit niedrigen Einkommen müssen teilweise ihr letztes Geld zusammenkratzen, um Heizkosten zu bezahlen; für viele könnte die Situation existenziell werden.
Der Staat kann es nicht abfedern
Ein Energieexperte erklärt, warum Rabatte das Grundproblem der Energieknappheit nicht lösen können.
Mark

Warum ist das eigentlich ungerecht? Der Staat muss doch nicht überall gleich viel Geld ausgeben.

Mimi

Es geht nicht um gleiche Summen, sondern um die Logik. Autofahrer bekommen Rabatt, weil Benzin teuer ist. Heizölkunden zahlen noch mehr – und bekommen nichts. Das fühlt sich willkürlich an.

Luke

Aber stimmt das wirklich? Der Tankrabatt ist eine Maßnahme zur Konjunkturstabilisierung. Heizöl ist ein anderes Problem – Energieversorgung statt Mobilität. Das sind verschiedene Politikfelder.

Mark

Okay, aber dann sollte es doch auch Hilfe für Heizöl geben, wenn Autofahrer Hilfe bekommen?

Mimi

Das ist genau das Argument von Krupinski und anderen. Und 2022 gab es ja auch Härtefallhilfe für Heizöl. Aber die Experten sagen jetzt: Das war teuer und hat das Problem nicht gelöst.

Luke

Genau – und das ist der wichtige Punkt. Peters warnt, dass Rabatte nur Symptombekämpfung sind. Das echte Problem ist, dass weltweit weniger Öl und Gas verfügbar ist, als verbraucht wird. Ein Rabatt ändert daran nichts.

Mark

Also sollte man einfach gar nichts tun?

Mimi

Nein, aber anders. Weniger heizen, Wärmepumpen, langfristige Planung statt Notfallmaßnahmen. Das würde tatsächlich etwas ändern.

Luke

Nur – und das ist wichtig – können sich viele Menschen das nicht leisten. Krupinski kann sich eine Wärmepumpe nicht leisten. Für Rentner ist das keine echte Option.

Mark

Also sind wir wieder bei: Der Staat muss helfen?

Mimi

Ja, aber gezielt. Nicht mit Rabatten, die das Problem nicht lösen, sondern mit direkter Unterstützung für Menschen, die es wirklich brauchen – und gleichzeitig mit langfristigen Zielen für den Energiemarkt.

Luke

Das ist die Theorie. Praktisch wissen wir nicht, wie die nächste Regierung das umsetzen wird. Und bis dahin müssen Menschen wie Krupinski entscheiden: bestellen oder warten? Und das ist eine Entscheidung ohne gute Optionen.

  • Heizölpreise sind im September durchschnittlich 60% höher als im Vorjahr
  • Eine volle Tankfüllung (10.000 Liter) kostet heute bis zu 14.000 Euro statt 5.000 Euro vor dem Ukraine-Krieg
  • Etwa drei Viertel der deutschen Haushalte heizen mit Öl oder Gas
  • 2022 gab es Härtefallhilfe für Heizöl ab 1,42 Euro pro Liter; eine Neuauflage ist nicht geplant

Heizölpreise sind seit dem Ukraine-Krieg um bis zu 60% gestiegen; Hausbesitzer zahlen teilweise das Dreifache von vor einem Jahr. Die Bundesregierung lehnt eine Neuauflage der 2022er Härtefallhilfe ab; Experten warnen, dass Rabatte das Grundproblem der Energieknappheit nicht lösen.

Während Autofahrer seit Oktober vom Tankrabatt profitieren, gehen Hausbesitzer mit Ölheizung leer aus. Experten sehen darin ein Gerechtigkeitsproblem, warnen aber vor teuren neuen Steuernachlässen.

Seit dem 1. Oktober fahren Autofahrer günstiger – der Tankrabatt senkt die Spritpreise. Hausbesitzer mit Ölheizung hingegen sitzen in der Kälte. Sie zahlen für ihre Wärme deutlich mehr, bekommen aber keine staatliche Hilfe. Das wirft Fragen auf, die über Gerechtigkeit hinausgehen.

Otto Krupinski ist 76 Jahre alt und lebt in Worms. Vor acht Wochen bestellte er Heizöl für 1,78 Euro pro Liter – und hoffte seitdem, dass die Preise fallen würden. Sie fielen nicht. Ein Jahr zuvor zahlte er etwa 90 Cent pro Liter. Im September lagen die Preise durchschnittlich 60 Prozent über dem Vorjahreswert. "Der Staat muss nicht so viel Geld verdienen am Öl", sagt Krupinski. "Er muss auch mal an die kleinen Leute denken." Seine Tanks sind fast leer, die Heizperiode steht bevor. Normalerweise bestellt er gemeinsam mit Nachbarn – das ist günstiger. Diesmal sprangen die Hälfte ab. Das Öl war ihnen zu teuer. Krupinski selbst bestellte deshalb 500 Liter weniger als sonst.

Dominik Spies aus Mainz hat ähnliche Probleme. Früher ließ er seinen 10.000-Liter-Tank komplett füllen. Heute bestellt er höchstens 3.000 Liter. Vor dem Ukraine-Krieg kostete eine volle Tankfüllung etwa 5.000 Euro. Heute würde dieselbe Menge bis zu 14.000 Euro kosten – das Dreifache. Etwa drei Viertel aller deutschen Haushalte heizen mit Öl oder Gas. Für viele wird das zur finanziellen Belastung. Sascha Diehl, der Heizöl ausliefert, berichtet: Gerade Rentner müssen teilweise ihr letztes Geld zusammenkratzen, um die Rechnungen zu bezahlen.

Die hohen Preise verändern auch das Geschäft der Lieferanten. Kunden warten so lange wie möglich mit Bestellungen. Wenn die Temperaturen sinken, wollen dann plötzlich viele gleichzeitig ihre Tanks füllen – aus Angst, dass das Öl noch teurer wird. Jan Flohn, Mineralölhändler bei einem regionalen Energieversorger in Rheinland-Pfalz, sagt: Auf die Preisentwicklung hätten Kunden wenig Einfluss. Je nachdem, wie sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran entwickelt, kann der Ölpreis innerhalb eines Tages stark fallen oder extrem steigen. Flohn hält eine steuerliche Entlastung für sinnvoll. Viele seiner Kunden wüssten nicht, wie sie ihre Rechnung bezahlen sollen. Ratenzahlungen würden inzwischen deutlich häufiger genutzt.

Die Bundesregierung hatte 2022 schon einmal reagiert. Damals konnten Kunden ab einem Literpreis über 1,42 Euro online eine Härtefallhilfe beantragen. Der Staat erstattete 80 Prozent der Mehrkosten. Eine Neuauflage lehnt die Regierung ab – und Experten unterstützen diese Entscheidung, allerdings aus anderen Gründen. Malte Küper vom Institut der Deutschen Wirtschaft warnt: Der damalige Heizkostenzuschuss war zusammen mit der Strom- und Gaspreisbremse ein sehr teures Instrument. Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher geht weiter: Ein staatlicher Rabatt würde Verbraucher kurzfristig entlasten, aber das eigentliche Problem nicht lösen. Auf den Weltmärkten stehe weniger Öl und Gas zur Verfügung, als verbraucht werde. "Der Staat kann es nicht abfedern", sagt Peters. Er könne Geld geben, müsse es sich aber an anderer Stelle zurückholen. Sinnvoller sei es, den Verbrauch zu senken – durch sparsameres Heizen oder den Umstieg auf Wärmepumpen.

Für Menschen mit Ölheizung stellt sich eine schwierige Entscheidung: jetzt bestellen oder auf sinkende Preise hoffen? Wer wartet, könnte sparen, riskiert aber, dass Lieferanten ihre aufgestauten Bestellungen im Winter nicht rechtzeitig abarbeiten können. Zugleich könnten die Preise angesichts der unsicheren Weltlage weiter steigen. Peters warnt deshalb davor, nur auf günstigere Preise zu setzen: Niemand könne die Entwicklung an den Energiemärkten vorhersagen. Ein anderes Risiko lauert im Internet: Immer mehr Verbraucher stoßen auf vermeintlich günstige Heizölangebote, die sich als Fake-Shops entpuppen. Die Webseiten wirken seriös, haben Impressum, Bewertungen und Gütesiegel. Bezahlt werden soll per Vorkasse. Wer das Geld überweist, wartet anschließend vergeblich auf sein Heizöl.

Oliver Hahn, Bauunternehmer aus Idar-Oberstein, kämpft ebenfalls mit hohen Energie- und Materialkosten. Sein Wunsch: weniger kurzfristige Maßnahmen und stattdessen klare langfristige Ziele. "Es müsste ein ganz klares Programm sein, was ein Fünf-Jahres-Ziel oder Zehn-Jahres-Ziel hat", sagt Hahn. Er weiß von vielen Hausbesitzern, die mit Sorge auf den Winter blicken. Für viele Rentner könne die Situation existenziell werden. Hahn plädiert dafür, den Heizölpreis zumindest für eine gewisse Zeit zu deckeln. Deutschland sei bei den Energiekosten "an der Obergrenze der Belastung". Für Otto Krupinski bleibt vorerst nur die Hoffnung auf einen milden Winter – und die Suche nach einer Alternative zur teuren Ölheizung. Eine neue Heizanlage kann er sich jedoch nicht leisten. Das Geld für eine Wärmepumpe fehlt ihm.

Der Staat muss nicht so viel Geld verdienen am Öl. Er muss auch mal an die kleinen Leute denken, nicht nur an die Großen, die Geld haben.
— Otto Krupinski, 76 Jahre alt aus Worms
Der Staat kann es nicht abfedern. Er könne Geld geben, müsse es sich aber an anderer Stelle zurückholen.
— Aribert Peters, Bund der Energieverbraucher
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