Fünf neue Exzellenzuniversitäten in Deutschland ausgezeichnet

Wer bereits erfolgreich ist, hat die besten Chancen auf weitere Millionenförderungen.
Kritiker argumentieren, dass das Exzellenzprogramm bestehende Unterschiede zwischen Universitäten vergrößert.
Mark

Warum ist dieser Titel "Exzellenzuniversität" eigentlich so wichtig, wenn das Geld selbst für große Unis oft nur ein kleiner Teil des Budgets ist?

Mimi

Der Titel funktioniert wie ein Qualitätssiegel weltweit. Er hilft, Top-Forscherinnen anzuziehen, internationale Kooperationen zu sichern und weitere Förderung zu generieren. Das Prestige multipliziert den Wert des Geldes.

Luke

Aber das bedeutet auch: Wer schon stark ist, wird stärker. Konstanz ist rausgeflogen, weil es ein Cluster verlor – das zeigt, wie fragil der Status ist und wie sehr das System die Reichen bevorzugt.

Mark

Wie viele Universitäten sind denn jetzt insgesamt im Programm?

Mimi

Mit den fünf Neuen sind es jetzt 15 insgesamt – das ist das Maximum, das die Exzellenzstrategie vorsieht. 2006 waren es nur drei.

Luke

Genau – und das ist der Punkt der Kritiker. Das Programm wurde immer größer, weil die Bundesländer wollten, dass mehr Unis profitieren. Aber das verwässert auch die Exzellenz selbst.

Mark

Bekommen Studierende denn überhaupt etwas von diesem Geld ab?

Mimi

Eher indirekt. Das Geld geht in Forschung, Gebäude und Ausstattung – nicht in die Lehre. Studierende profitieren davon, dass sie an einer Institution mit besserer Infrastruktur sind.

Luke

Das ist wichtig zu sagen: Das ist ein Forschungsprogramm, keine Studienförderung. Wer denkt, das verbessert die Lehre, liegt falsch.

  • Freiburg, Jena und Köln sowie zwei Hochschulverbünde wurden neu als Exzellenzuniversitäten ausgezeichnet
  • Einzelne Unis erhalten 10–15 Millionen Euro jährlich, Verbünde 15–28 Millionen Euro
  • Insgesamt 687 Millionen Euro pro Jahr für die gesamte Exzellenzstrategie verfügbar
  • Universität Konstanz fiel aus dem Programm, weil sie ein Exzellenzcluster verlor
  • Maximal 15 Exzellenzuniversitäten sind im aktuellen Programm vorgesehen

Drei einzelne Universitäten und zwei Verbünde wurden neu in das Exzellenzprogramm aufgenommen und erhalten deutlich mehr Forschungsmittel. Der Titel "Exzellenzuniversität" wirkt weltweit als Qualitätssiegel und hilft, Spitzenforscherinnen und internationale Kooperationen anzuziehen.

Deutschland hat fünf neue Exzellenzuniversitäten gekürt: die Unis Freiburg, Jena und Köln sowie zwei Hochschulverbünde. Sie erhalten künftig 10-28 Millionen Euro jährlich für Spitzenforschung.

Der Deutsche Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft haben am Freitag entschieden: Fünf neue Institutionen dürfen sich künftig Exzellenzuniversitäten nennen. Die Universitäten Freiburg, Jena und Köln erhalten diesen Status einzeln. Hinzu kommen zwei Hochschulverbünde – die Rhein-Main-Universitäten in Darmstadt, Mainz und Frankfurt am Main sowie das "Ruhr Innovation Lab" aus Dortmund und Bochum. Mit dieser Auszeichnung kommt eine erhebliche finanzielle Stärkung: Einzelne Universitäten bekommen künftig zwischen zehn und 15 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr, die Verbünde zwischen 15 und 28 Millionen Euro. Insgesamt stehen für die gesamte Exzellenzstrategie rund 687 Millionen Euro jährlich zur Verfügung, finanziert von Bund und Ländern gemeinsam.

Die Bewertung war streng. Ein unabhängiges internationales Expertengremium prüfte die Bewerber nach Forschungsleistungen, Zukunftsstrategien, internationaler Vernetzung und der Fähigkeit, ihre Stärken weiterzuentwickeln. Eine zentrale Voraussetzung: Jede Institution musste mindestens zwei sogenannte Exzellenzcluster vorweisen – besondere Forschungsbereiche, die bereits in früheren Phasen der Exzellenzstrategie als herausragend anerkannt und entsprechend gefördert worden waren.

Auch die bereits etablierten Exzellenzuniversitäten mussten sich diesem Wettbewerb erneut stellen. Zehn der elf bisherigen Elite-Universitäten bestanden diesen Härtetest und sicherten sich ihre Förderung für die neue Periode 2027 bis 2033. Nur die Universität Konstanz fiel aus dem Programm heraus – sie hatte eines ihrer Exzellenzcluster verloren und erfüllte damit die Mindestanforderung nicht mehr.

Das Geld allein erklärt nicht, warum dieser Titel so begehrt ist. Zwar mögen zehn bis 15 Millionen Euro für eine große Universität im Gesamtforschungsbudget oft nur eine kleine Summe sein, doch das Prestigesiegel "Exzellenzuniversität" wirkt weltweit wie ein Qualitätssiegel. Die gekürten Institutionen bezeichnen sich gerne als "Leuchttürme der Forschung". Dieser Ruf hilft ihnen, international führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anzuziehen, Nachwuchskräfte zu gewinnen und Kooperationen mit anderen Spitzeninstitutionen aufzubauen. Die Förderung zieht oft weitere Forschungsmittel nach sich – ein Multiplikatoreffekt, der den reinen Geldwert übersteigt.

Die Mittel sind für neue Forschungsprogramme, notwendige Gebäude und Ausstattung vorgesehen, dazu kommt eine Servicepauschale für Nebenkosten. Doch der Löwenanteil fließt in die Forschung, nicht in die Lehre. Studierende profitieren höchstens indirekt davon, dass sie an einer Institution mit herausragender Forschungsinfrastruktur studieren.

Die Idee hinter der Exzellenzstrategie ist klar: Deutschland sorgt sich, dass seine Universitäten im globalen Wettbewerb gegen Spitzeninstitutionen in den USA oder Großbritannien an Boden verlieren könnten. Deshalb sollen besonders leistungsfähige Forschungsstandorte gezielt gestärkt werden, um ihnen international mehr Strahlkraft zu geben.

Doch der Kreis der Exzellenzuniversitäten ist im Laufe der Jahre deutlich gewachsen. 2006, in der allerersten Runde der Exzellenzinitiative, wurden nur drei Institutionen ausgezeichnet: die beiden Münchner Universitäten und das neu gegründete Karlsruher Institut für Technologie. Die Bundesländer drängten aber darauf, langfristig mehr Universitäten auszuzeichnen. Das Programm wurde erweitert – erst auf neun Standorte, dann auf elf. Als 2019 die Exzellenzstrategie als Nachfolgeprogramm startete, wurde die maximale Zahl auf 15 erhöht.

Diese Expansion wird von Kritikern scharf beobachtet. Der Soziologe Richard Münch von der Universität Bamberg und andere Beobachter argumentieren, dass das Programm vor allem bereits starke Universitäten begünstige und die Unterschiede innerhalb der deutschen Hochschullandschaft vergrößere. Wer erfolgreich ist, habe die besten Chancen auf weitere Millionenförderungen – ein Mechanismus, der Ungleichheit verstärkt. Hinzu kommt: Das Bewerbungsverfahren ist extrem aufwändig und hat zu erheblichem Wettbewerbsdruck geführt. Universitäten und ihre Beschäftigten orientieren sich nun stärker an Prestige und Förderlogiken als an wissenschaftlichen Fragestellungen selbst.

Das Programm begünstige vor allem ohnehin starke Universitäten und vergrößere die Unterschiede innerhalb der Hochschullandschaft.
— Richard Münch, Soziologe an der Universität Bamberg
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