Schröder war auf Putins Einladung zu dessen Geburtstagsfeier nach Moskau gereist und traf sich mit dem Kremlchef am selben Tag, an dem Russland die Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen hatte. Grüne, FDP und CDU kritisierten Schröder scharf: Er sei zu krank für Untersuchungsausschüsse, aber fit genug für lukrative Mandate in Russland und Putins Geburtstagsparty.
Schröders Putinbesuch löst Sturm der Kritik aus
Zu krank für Untersuchungsausschüsse, aber fit genug für Putin
Warum ist dieser Besuch so kontrovers? Schröder ist doch Privatperson, er kann reisen, wohin er will.
Das stimmt formal, aber der Kontext ist entscheidend. Schröder war Bundeskanzler, er hat enorme Macht über die deutsch-russischen Beziehungen gehabt. Jetzt sitzt er in Aufsichtsräten russischer Unternehmen und trifft sich regelmäßig mit Putin, während Russland die Ukraine angreift.
Aber wir sollten präzise sein: Wir wissen, dass Schröder dort war, dass er eine Rede hielt und dass der Kreml ihn eingeladen hat. Die genaue Natur ihrer Gespräche kennen wir nicht.
Die Kritiker sagen, er sei zu krank für deutsche Untersuchungsausschüsse, aber fit genug für Moskau. Ist das fair?
Es ist ein starkes rhetorisches Argument. 2025 hat Schröder sich mehrfach von Zeugenaussagen befreit, wegen Burnout. Jetzt reist er nach Russland. Das wirkt widersprüchlich.
Allerdings: Burnout kann unvorhersehbar sein. Ein Flug nach Moskau ist nicht dasselbe wie mehrtägige Befragungen. Das ist ein gutes Argument der Kritiker, aber es ist nicht wasserdicht.
Und der Angriff auf die Ukraine am selben Tag?
Das ist der Punkt, der alles zusammenbindet. Während Schröder mit Putin feiert, sterben Menschen in der Ukraine. Selenskyj nannte es ein Geburtstagsgeschenk.
Das ist eine Charakterisierung, nicht eine Tatsache. Wir wissen, dass der Angriff stattfand, dass es Tote gab. Aber ob Schröders Besuch irgendeine Rolle spielte oder ob er symbolisch gemeint war — das können wir nicht beweisen.
Was bedeutet das für Schröders Zukunft in Deutschland?
Das ist offen. Die Kritik ist massiv, aber Schröder hat sich bisher nicht eingelassen. Es wird interessant sein zu sehen, ob es politische Konsequenzen gibt.
Und ob Schröder selbst antwortet. Bisher haben wir nur die Kritiker gehört.
O Pulso
- Schröder besuchte Putins 74. Geburtstagsfest am Mittwoch in Moskau
- Am selben Tag führte Russland einen kombinierten Angriff auf die Ukraine durch: mindestens 25 Tote, über 100 Verletzte
- Schröder hatte sich 2025 mehrfach von Untersuchungsausschuss-Zeugenaussagen wegen Burnout befreit
- Kritik kam von Grünen, FDP und CDU
Schröder war auf Putins Einladung zu dessen Geburtstagsfeier nach Moskau gereist und traf sich mit dem Kremlchef am selben Tag, an dem Russland die Ukraine mit Drohnen und Raketen angegriffen hatte. Grüne, FDP und CDU kritisierten Schröder scharf: Er sei zu krank für Untersuchungsausschüsse, aber fit genug für lukrative Mandate in Russland und Putins Geburtstagsparty.
Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder besuchte Putins 74. Geburtstagsfest in Moskau und löste damit massive Kritik von Politikern mehrerer Parteien aus, die seinen Besuch als Schande für Deutschland bezeichneten.
Gerhard Schröder, der frühere Bundeskanzler, reiste nach Moskau, um Wladimir Putin zu dessen 74. Geburtstag zu beglückwünschen. Der 82-Jährige kam auf Einladung des Kremls in die russische Hauptstadt, wo die beiden Männer sich laut Kreml-Mitteilung am Mittwochmorgen trafen. Fotos zeigten sie lächelnd, die Hände fest ineinander verschlossen. Vor der Feier hatte Schröder eine Filiale der deutschen Supermarktkette Globus besucht und eine Ansprache vor den Mitarbeitern gehalten. Kurz zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
Doch der Besuch löste sofort einen Sturm der Kritik aus. Vertreter von Grünen, FDP und CDU reagierten mit scharfen Worten. Katrin Göring-Eckardt von den Grünen nannte den Besuch eine Schande für Deutschland und einen Verrat an Europa. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, bezeichnete Schröder auf der Plattform X als Deutschlands frechsten Rentner. Sie wies auf einen Widerspruch hin, der in der deutschen Öffentlichkeit längst bekannt war: Schröder hatte sich 2025 mehrfach von Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern befreit, indem er eine Burnout-Erkrankung geltend machte. Nun aber war er fit genug für eine Reise nach Moskau und für lukrative Mandate in Russland.
Dennis Radtke vom CDU-Sozialflügel griff diesen Punkt ebenfalls auf. Schröder sei zu krank für Untersuchungsausschüsse, schrieb er, aber offenbar gesund genug für Putin und eine frische Ladung Rubel. Er sprach von einer Wunderheilung à la Rasputin.
Die Kontroverse wurde durch den zeitlichen Zusammenhang noch verschärft. Am selben Mittwoch, an dem Schröder mit Putin feierte, führte Russland einen massiven Angriff auf die Ukraine durch. Es war der erste kombinierte Angriff des Herbstes mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete mindestens 25 Tote und über 100 Verletzte. Er bezeichnete den Angriff als ein Geburtstagsgeschenk für Putin.
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Seine enge Freundschaft mit Putin ist seit Jahren ein Thema in der deutschen Öffentlichkeit. Besonders sein Engagement für russische Energieunternehmen hat ihm wiederholt Kritik eingebracht. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat Schröder sich mehrfach mit Putin getroffen. Diese Besuche haben die Debatte über seine Loyalität und seine Rolle in den deutsch-russischen Beziehungen immer wieder neu entfacht. Der Besuch zur Geburtstagsfeier ist nur die jüngste Episode in einer langen Geschichte von Kontroversen, die zeigt, wie umstritten Schröders Verhältnis zu Moskau in Deutschland bleibt.
Citações Notáveis
Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.— Katrin Göring-Eckardt, Grüne
Deutschlands frechster Rentner. Zu krank für Untersuchungsausschüsse, aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch.— Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP