Messi weint, Ronaldo flüchtet: Das Ende zweier Fußball-Ären

Es war mir eine Ehre, dieses Trikot zu tragen
Messis letzte Worte nach seinem 208. und letztem Länderspiel für Argentinien.
Mark

Was unterscheidet diese beiden Abgänge so fundamental?

Mimi

Es geht um Kontrolle und Würde. Messi konnte selbst entscheiden, wann und wie er geht – mit 85.000 Menschen, die ihn feiern. Ronaldo wurde von seinem Trainer öffentlich degradiert.

Luke

Aber wir sollten vorsichtig sein: Ronaldo sagt, es gab Absprachen, die gebrochen wurden. Das ist seine Version. Jesus hat das nie bestätigt.

Mark

Warum ist das für Ronaldo so verletzend?

Mimi

Mit 41 Jahren ist man nicht mehr der Spieler, den man war. Man braucht das Vertrauen des Trainers. Wenn der dir öffentlich sagt, dass du nicht spielst, ist das eine Demütigung.

Luke

Richtig. Aber wir wissen nicht, was Jesus intern mit Ronaldo besprochen hat. Vielleicht gab es diese Absprachen nicht. Vielleicht hat Ronaldo sie sich anders gemerkt.

Mark

Und Messi – war sein Weg wirklich so glatt?

Mimi

Nein, überhaupt nicht. Sein erstes Spiel endete mit Rot. Jahre lang wurde er kritisiert, weil Argentinien nicht gewann. Aber er blieb, kämpfte, und am Ende gewann er alles.

Luke

Das ist wichtig: Messi brauchte 16 Jahre, bis er seinen ersten großen Titel mit Argentinien gewann. Das ist nicht die Geschichte eines natürlichen Helden. Das ist die Geschichte von Ausdauer.

Mark

Respektierten sie sich gegenseitig?

Mimi

Ja, sehr. Messi sagte, sie trieben sich gegenseitig an. Das ist nicht die Sprache von Rivalen, die sich hassen.

Luke

Aber sie waren auch nie Freunde. Sie spielten nie zusammen. Der Respekt war professionell, nicht persönlich. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Mark

Was kommt jetzt für beide?

Mimi

Für Messi ist es vorbei – ein perfektes Ende. Für Ronaldo ist es unklar. Er sagt, er steht immer zur Verfügung, aber nach diesem Konflikt?

Luke

Genau. Ronaldo hat die Tür nicht endgültig zugemacht, aber Jesus auch nicht. Das ist ein Schwebezustand. Wir wissen nicht, wie das endet.

  • Messi spielte sein letztes Länderspiel vor 85.000 Fans in Buenos Aires, erzielte sein 126. Tor im 208. Spiel
  • Ronaldo verließ das portugiesische Trainingscamp nach Kopenhagen, nachdem Trainer Jorge Jesus ihm öffentlich sagte, er stehe nicht in der Startelf
  • Messi gewann 2021 die Copa America, 2022 die Weltmeisterschaft, 2024 erneut die Copa America
  • Ronaldos größter Erfolg war die EM 2016 mit Portugal vor zehn Jahren
  • Von 2008 bis 2017 teilten Messi und Ronaldo die Ballon-d'Or-Auszeichnungen auf; Messi gewann später noch drei weitere

Messi spielte sein letztes Länderspiel vor 85.000 jubelnden Fans in Buenos Aires und erzielte sein 126. Tor im 208. Spiel für Argentinien. Ronaldo verließ das Trainingscamp nach Kopenhagen, nachdem Trainer Jorge Jesus ihm sagte, er stehe nicht in der Startelf gegen Dänemark.

Lionel Messi verabschiedet sich emotional und gefeiert von Argentiniens Nationalmannschaft, während Cristiano Ronaldo beleidigt das portugiesische Trainingscamp verlässt und dem Trainer Wortbruch vorwirft.

Zwei Karrieren, die die Fußballwelt über zwei Jahrzehnte geprägt haben, gehen zu Ende – doch kaum zwei Abgänge könnten unterschiedlicher ausfallen. Lionel Messi verabschiedete sich von Argentiniens Nationalmannschaft in einem Moment der Verklärung: 85.000 Fans im ausverkauften Monumental-Stadion in Buenos Aires erhoben sich, als der 39-Jährige zum letzten Mal im hellblau-weiß-gestreiften Trikot das Spielfeld betrat. Es war sein 208. Länderspiel, und zum Abschied erzielte er sein 126. Tor – beim 3:0-Sieg gegen Benin. Die Tränen flossen, die Lichter des Himmels über Buenos Aires zeigten sein Konterfei neben dem WM-Pokal. "Es war mir eine Ehre, dieses Trikot in den letzten 20 Jahren zu tragen", sagte Messi nach dem Spiel. "Für die argentinische Nationalmannschaft zu spielen, ist das Schönste, was einem passieren kann."

Cristiano Ronaldo hingegen verließ das portugiesische Trainingscamp in Kopenhagen unter ganz anderen Umständen. Der 41-Jährige war beleidigt abgereist, nachdem Nationaltrainer Jorge Jesus in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Dänemark öffentlich gemacht hatte, dass Ronaldo erneut nicht in der Startelf stehen würde. Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Bereits beim Spiel in Norwegen hatte Ronaldo 90 Minuten auf der Bank gesessen, ohne eingewechselt zu werden – obwohl er laut eigener Aussage mit Jesus abgesprochen hatte, dass dies nicht passieren würde.

In einem langen Instagram-Post warf Ronaldo dem Trainer Wortbruch vor. "Der Trainer hat sein Wort mir gegenüber gebrochen", schrieb er und erklärte, er habe das Trainingscamp verlassen, "anstatt auf weitere gebrochene Versprechen zu warten". Gleichzeitig entschuldigte er sich bei den portugiesischen Fans und seinen Mitspielern für seinen Abgang und betonte: "Trotz des vollständigen Vertrauensverlusts in den Coach hätte ich das nicht tun sollen." Ronaldo versicherte, er stehe der Nationalmannschaft "immer" zur Verfügung – eine Formulierung, die offen ließ, ob dies ein endgültiger Abschied war oder nur eine Pause. Jesus seinerseits erklärte, die Tür für Ronaldos Rückkehr stehe offen, rang sich aber keine Entschuldigung ab. Der Trainer war vor seinem Engagement bei der portugiesischen Nationalmannschaft ein Jahr lang Ronaldos Vereinstrainer bei Al-Nassr FC in Saudi-Arabien gewesen.

Messis Weg zur Legende war nicht immer geradlinig. Sein erstes Länderspiel am 17. August 2005 gegen Ungarn endete mit einer Roten Karte wegen einer Tätlichkeit. Während er im Vereinsfußball einen Titel nach dem anderen gewann, brauchte es Jahre, bis der argentinische Fußball Messi auch auf internationaler Bühne feiern konnte. Viele vergebliche Versuche bei Weltmeisterschaften und Copa-America-Turnieren brachten ihm sogar Kritik von Fans ein. Die Erlösung kam 2021 mit dem Sieg in der Copa America – Argentiniens erster Titel seit 1993. Ein Jahr später folgte die Weltmeisterschaft in Katar, 2024 führte Messi die Albiceleste erneut zum Copa-Titel. Ende August kündigte Messi seinen Rücktritt an; das verlorene WM-Finale gegen Spanien und der Tod seines Vaters Jorge im Alter von nur 68 Jahren hatten ihn zu diesem Schritt bewogen.

Die beiden Superstars waren nie enge Freunde – sie waren zu unterschiedlich und zu ehrgeizig, und sie spielten nie in derselben Mannschaft. Doch von 2009 bis 2018 dominierten sie gemeinsam die spanische La Liga: Messi bei Barcelona, Ronaldo bei Real Madrid. Die Rivalität der Clubs schürte den weltweiten Zweikampf um die Frage, wer der bessere Spieler sei. Auf der einen Seite der kleine Argentinier, der mit dem Ball scheinbar mühelos Dinge anstellte, die andere nicht hinbekamen. Auf der anderen Seite der Modellathlet aus Portugal, der alles – Ernährung, Schlafzeiten, Trainingsroutinen – seinem Beruf unterordnete und als eitel und egoistisch galt, von seinen Mitspielern aber stets als vorbildlicher Kapitän beschrieben wurde.

Von 2008 bis 2017 teilten sich die beiden die Ballon-d'Or-Auszeichnungen für den besten Fußballer des Jahres auf: Jeder gewann fünfmal. Später wurde Messi noch drei weitere Male ausgezeichnet, während Ronaldo bei fünf blieb. Insgesamt strahlte Messis Karriere am Ende heller. Beide verließen die europäische Bühne fast zeitgleich – Ronaldo 2023 nach Saudi-Arabien, Messi ebenfalls 2023 zu Inter Miami in die USA. Doch Messi krönte seinen Abgang mit der Weltmeisterschaft. Ronaldos größte Erfolge liegen länger zurück: 2016 gewann er mit Portugal die Europameisterschaft und wurde zum tragischen Helden, als er im Finale gegen Frankreich verletzt ausgewechselt wurde, sein Team dann aber von der Seitenlinie aus zum Sieg coachte.

Trotz aller Rivalität war zwischen den beiden immer großer Respekt vorhanden. "Wir trieben uns gegenseitig an, immer besser zu werden", sagte Messi im vergangenen Jahr. "Er wollte immer alles gewinnen – und ich genauso. Es war eine schöne Zeit für uns und für alle Menschen, die den Fußball lieben." Nun müssen beide ihre großartigen Karrieren zu Ende bringen. Momentan scheint Lionel Messi das ein wenig besser zu gelingen als Cristiano Ronaldo.

Es war mir eine Ehre, dieses Trikot in den letzten 20 Jahren zu tragen. Ich habe nie aufgehört zu kämpfen. Nicht mehr dabei zu sein, wird mir sehr wehtun.
— Lionel Messi nach seinem letzten Länderspiel
Der Trainer hat sein Wort mir gegenüber gebrochen. Ich habe beschlossen, das Trainingscamp zu verlassen anstatt auf weitere gebrochene Versprechen zu warten.
— Cristiano Ronaldo in einem Instagram-Post
Möchten Sie die ganze Geschichte? Das Original lesen bei Deutsche Welle ↗
Kontakt FAQ