Koalitionsspitzen beendeten Beratungen um 23 Uhr mit konstruktiver Atmosphäre, ohne weitreichende inhaltliche Entscheidungen zu treffen. Merz fordert Einhaltung des Koalitionsvertrags unverändert; SPD kritisiert einzelne Reformpunkte wie abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren.
Koalitionsausschuss einigt sich auf Reformzeitplan – ohne Durchbruch
fest entschlossen, unser Land nicht den Extremisten zu überlassen
Warum war dieses Treffen überhaupt nötig, wenn am Ende nur ein Zeitplan herauskam?
Weil die Koalition nach den Landtagswahlen im September unter Druck stand. Beide Parteien hatten verloren, und die SPD wollte das Reformpaket ändern. Merz musste zeigen, dass die Koalition hält.
Aber hat sie wirklich gehalten? Die SPD wollte Änderungen, Merz hat sie abgelehnt – und dann einigten sie sich auf einen Zeitplan. Das ist kein Kompromiss, das ist ein Aufschub.
Was genau stört die SPD denn am Reformpaket?
Vor allem die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Das ist teuer und widerspricht ihrer Linie.
Aber wir wissen nicht, ob die SPD das durchsetzen kann oder ob Merz einfach wartet, bis die Koalition zerbricht. Das Treffen hat das nicht geklärt.
Und diese AfD-Wahl zum Landtagspräsidenten – wie hängt das mit dem Reformpaket zusammen?
Das hängt nicht direkt zusammen, aber es zeigt, dass die Koalition auch andere Probleme hat. Die CDU wird verdächtigt, mit der AfD zusammengearbeitet zu haben, und das vergiftet das Klima.
Verdächtigt – das ist das Wort. Wir wissen nicht genau, was passiert ist. Aber die SMS am nächsten Morgen, in der von "Extremisten" die Rede ist, deutet darauf hin, dass beide Seiten versuchen, das zu reparieren.
Also ist das Treffen ein Erfolg oder ein Misserfolg?
Beides. Die Koalition hält, aber sie ist brüchig. Ein Zeitplan ist besser als Chaos, aber es ist auch nicht viel.
Und wir sollten beachten: Der ursprüngliche Plan war, alles bis Weihnachten durch den Bundestag zu bringen. Jetzt ist es Frühjahr 2027. Das ist ein großer Unterschied.
Der Puls
- Koalitionsausschuss tagte vier Stunden am Mittwochabend ohne Nachtschicht
- Reformpaket soll bis Frühjahr 2027 statt bis Weihnachten durch Bundestag
- SPD fordert Änderungen, besonders bei abschlagsfreier Rente nach 45 Jahren
- AfD-Wahl zum Landtagspräsidenten belastet schwarz-rote Koalition zusätzlich
Koalitionsspitzen beendeten Beratungen um 23 Uhr mit konstruktiver Atmosphäre, ohne weitreichende inhaltliche Entscheidungen zu treffen. Merz fordert Einhaltung des Koalitionsvertrags unverändert; SPD kritisiert einzelne Reformpunkte wie abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren.
Der Koalitionsausschuss von SPD und CDU traf sich vier Stunden ohne Nachtschicht. Kanzler Merz bestand auf unverändertem Reformkurs, während die SPD Änderungen fordert.
Der Koalitionsausschuss von SPD und CDU kam am Mittwochabend zusammen, um über den weiteren Reformkurs zu beraten – und verließ das Kanzleramt nach gut vier Stunden ohne die großen Durchbrüche, die manche erhofft hatten. Markus Söder, der CSU-Chef, war um 22.08 Uhr weg. Eine Minute später folgte Lars Klingbeil von der SPD. Gegen 23 Uhr machte auch Bundeskanzler Friedrich Merz Feierabend. Es war das erste Treffen dieser Art seit der Sommerpause, und die Atmosphäre wurde von beiden Seiten als konstruktiv beschrieben – aber auch als "nicht spektakulär".
Das Treffen fand vor dem Hintergrund einer angespannten Koalition statt. Bei den drei Landtagswahlen im September hatten sowohl Union als auch SPD deutliche Verluste erlitten. Merz hatte vor dem Treffen deutlich gemacht, dass er am Koalitionsvertrag und dem bereits im Juli beschlossenen Reformpaket festhalten will. Diese Pläne sollten, so seine Aussage, "unverändert die Geschäftsgrundlage für die Arbeit der Koalition" bleiben. Doch die SPD sah das anders. Nach den Wahlniederlagen forderte die Partei Änderungen an dem Paket – besonders störte sie die geplante abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren.
Das Reformpaket selbst ist umfangreich. Es enthält Regelungen für Rente, Pflege, Arbeitsmarkt und Steuern. Ursprünglich hatten die Fraktionsvorsitzenden sich Ende August in Münster darauf verständigt, das ganze Paket bis Ende des Jahres durch den Bundestag zu bringen. Doch Merz hatte diese Erwartung bereits gedämpft. Er rechne nicht damit, dass alles bis Weihnachten fertig sei, sagte er – hoffe aber, dass es "im Frühjahr nächsten Jahres in trockenen Tüchern" sei. Das Mittwochabend-Treffen brachte keine Einigung auf neue inhaltliche Punkte, sondern nur auf einen Zeitplan für das weitere Vorgehen.
Was am Abend selbst nach außen drang, war wenig aussagekräftig. Unionsfraktionschef Thorsten Frei sagte beim Verlassen des Kanzleramts nur: "Gut war's." Am nächsten Morgen verschickten die Vorsitzenden der Regierungsfraktionen eine gemeinsame SMS an ihre Abgeordneten – dem Spiegel liegt sie vor. Darin heißt es, man habe "in guter und konstruktiver Atmosphäre getagt". Angesichts der "historischen Bewährungsprobe", vor der "unsere Demokratie in diesen Tagen" stehe, sei man "fest entschlossen, unser Land nicht den Extremisten zu überlassen".
Dieser letzte Satz deutet auf das eigentliche Problem hin, das die Koalition belastet. Die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten – mutmaßlich mit Stimmen aus der CDU – hat für "dicke Luft" in der schwarz-roten Regierung gesorgt. Die Koalition muss sich nicht nur über Reformen einigen, sondern auch über ihre Haltung zu den Extremisten klären. Das Mittwochabend-Treffen hat diese Frage nicht gelöst. Es hat nur bestätigt, dass die Koalition vorerst weitermachen wird – aber unter Druck.
Bemerkenswerte Zitate
unverändert die Geschäftsgrundlage für die Arbeit der Koalition— Bundeskanzler Friedrich Merz zum Koalitionsvertrag
im Frühjahr nächsten Jahres in trockenen Tüchern— Bundeskanzler Friedrich Merz zur Umsetzung des Reformpakets