Eritrea schickt Truppen nach Äthiopien – regionale Allianz gegen Abiy wächst

Der Tigray-Krieg (2020-2022) und anhaltende Konflikte in Äthiopien haben Millionen Menschen betroffen; aktuelle Eskalationen gefährden weitere Zivilbevölkerung.
Der souveräne Staat Eritrea ist durch Blut und Gesetz gebunden
Eritreas Ministerium antwortet auf Abiys Regierung mit offener Kriegsrhetorik in der Landessprache Tigrinya.
Mark

Warum ist Eritrea jetzt plötzlich mit Truppen in Äthiopien präsent? Das wirkt wie ein großer Schritt.

Mimi

Es ist nicht plötzlich. Die Spannungen haben sich über Wochen aufgebaut. Äthiopien wies eritreische Diplomaten aus, Eritrea kappt die Beziehungen. Aber ja, der militärische Schritt ist eine Eskalation.

Luke

Wir sollten hier vorsichtig sein: Die Zahlen kommen von einer anonymen Sicherheitsquelle über AFP. 5.000 bis 8.000 ist eine breite Spanne. Wir wissen nicht, ob das bestätigt ist oder nur eine Schätzung.

Mark

Und warum interessiert sich Abiy plötzlich so für Häfen? Das scheint der Kern der Sache zu sein.

Mimi

Es geht um regionale Macht. Äthiopien ist Binnenstaat, hat keinen Zugang zum Meer. Assab in Eritrea und Berbera in Somaliland sind strategisch wertvoll. Abiy hat das zur Priorität erklärt.

Luke

Aber "Priorität" ist nicht dasselbe wie "Abiy plant einen Angriff". Das ist Spekulation der Experten. Wir sollten das als Spekulation kennzeichnen, nicht als Fakt.

Mark

Diese "Alliance for Survival" – wie real ist die eigentlich? Können sieben so unterschiedliche Gruppen wirklich zusammenarbeiten?

Mimi

Das ist die große Frage. Nur drei der sieben sind bisher aktiv in Kämpfen. Die Allianz lebt von externer Unterstützung. Ohne Sudan, Ägypten, Eritrea und Somalia im Rücken hätte sie weniger Gewicht.

Luke

Genau. ACLED sagt selbst, dass der Erfolg "zu einem großen Teil" von externer Unterstützung abhängt. Das ist ein großes "wenn". Wir wissen nicht, wie stabil diese Unterstützung ist.

Mark

Was bedeutet das für normale Menschen in der Region?

Mimi

Der Tigray-Krieg von 2020 bis 2022 hat Millionen betroffen. Jetzt droht eine neue Eskalation, die regional werden könnte – Sudan, Ägypten, Eritrea, Somalia alle beteiligt.

Luke

Aber das ist Projektion. Wir sehen militärische Bewegungen und diplomatische Erklärungen. Ob das zu großflächigen Kämpfen führt, ist offen. Die Erklärung vom Sonntag spricht auch von "friedlichen Lösungen".

  • 5.000 bis 8.000 eritreische Soldaten auf äthiopischem Gebiet
  • Äthiopien fordert UN-Sicherheitsrat zum Abzug auf
  • "Alliance for Survival" vereint sieben Gruppen gegen Abiy
  • Sudan, Ägypten, Eritrea, Somalia koordinieren gegen Äthiopien
  • Abiy nennt Meerezugang Priorität bei Vereidigung

Eritrea hat 5.000 bis 8.000 Soldaten auf äthiopischem Gebiet stationiert, bestätigt durch mehrere Quellen und AFP-Berichte. Die "Alliance for Survival" vereint mehrere ethnische Gruppen und Rebellenorganisationen gegen Abiys Regierung, unterstützt durch externe Akteure.

Eritreische Truppen überquerten die Grenze zu Äthiopien; die Regierung in Addis Abeba fordert deren sofortigen Abzug. Eine regionale Allianz aus Sudan, Ägypten, Eritrea und Somalia koordiniert gegen Premierminister Abiy Ahmed.

Eritreische Soldaten haben die Grenze zu Äthiopien überschritten. Nach Angaben von Sicherheitsquellen, die der Nachrichtenagentur AFP vorliegen, handelt es sich um 5.000 bis 8.000 Truppen auf äthiopischem Hoheitsgebiet. Die Nachricht bestätigt sich durch mehrere unabhängige Quellen und markiert einen neuen Wendepunkt in einem Konflikt, der sich in wenigen Wochen dramatisch verschärft hat.

Am Donnerstag wandte sich die äthiopische Regierung an den UN-Sicherheitsrat und forderte den sofortigen Abzug der eritreischen Streitkräfte. In dem Schreiben, das Reuters und AFP vorliegt, heißt es, dass Äthiopien sich "gegen Eritrea verteidigen" müsse, solange fremde Truppen sein Territorium besetzten. Die Rhetorik ist offen kriegerisch geworden. Eritreas Informationsminister Yemane Meskel warf der Regierung von Premierminister Abiy Ahmed vor, "unaufhörlich die Kriegstrommeln zu rühren". Am Freitag veröffentlichte das eritreische Ministerium eine Erklärung in Tigrinya, der Landessprache: "Der souveräne Staat Eritrea ist durch Blut und Gesetz gebunden. Wehe denen, die ihn antasten."

Die Eskalation kam nicht aus dem Nichts. Erst in der Vorwoche hatte Äthiopien eritreische und ägyptische Diplomaten ausgewiesen. Eritrea antwortete mit der Kappung diplomatischer Beziehungen. Experten vermuten, dass Äthiopien die Eskalation bewusst herbeigeführt hat. Ein Hinweis liegt in Abiys Vereidigung für eine weitere fünf-Jahres-Amtszeit am Montag: Er nannte den Zugang zum Meer eine Priorität. Das schürt Spekulationen, dass er bereit sein könnte, Eritreas strategisch wichtigen Hafen Assab mit Gewalt einzunehmen.

Auf dem Schlachtfeld läuft es für Abiy derzeit gut. Die äthiopische Armee erobert mit Unterstützung der Miliz "Tigray Peace Force" besetzte Gebiete zurück, darunter die Landeshauptstadt Mekelle. Doch der politische Widerstand gegen seine Regierung formiert sich neu. Die Tsimdo-Bewegung, deren Name im Tigrinya "Engagement" bedeutet, entstand zunächst aus grenzüberschreitenden Friedensinitiativen zwischen Tigray und Eritrea. Heute vereint sie verschiedene ethnische Gruppen, die teils seit Jahrzehnten mit der Bundesregierung in Konflikt stehen. Im September rief Tsimdo die "Allianz der äthiopischen Volkskräfte für das Überleben" ins Leben, ein Bündnis, das Abiys Regierung absetzen und einen Verfassungsdialog anstoßen will.

Die Allianz bringt zusammen, was in Äthiopien lange getrennt war. Die Tigrayan Defence Forces, die Amhara Fano National Movement und die Afar-Gruppe Ugugumo sind bereits in jüngsten Kämpfen aktiv. Doch sieben Gruppen insgesamt gehören dem Bündnis an. Ihre Stärke hängt stark davon ab, welche externe Unterstützung sie erhalten. Und hier wird es regional brisant.

Sudan, Ägypten, Eritrea und Somalia haben sich zu einer losen Allianz zusammengefunden, alle mit eigenen Gründen, Abiy zu misstrauen. Ägypten streitet mit Äthiopien um die Nutzung des Nilwassers, insbesondere um einen Mega-Staudamm auf äthiopischer Seite. Der Sudan wirft Äthiopien vor, die Rapid Support Forces zu unterstützen, die gegen Regierungstruppen im sudanesischen Bürgerkrieg kämpfen. Somalia und Eritrea haben ein gemeinsames Interesse: Häfen. 2024 hatte Äthiopien mit dem selbstverwalteten Gebiet Somaliland Vorabsprachen über die Nutzung des Hafens Berbera getroffen. Somalia sah darin einen Verstoß gegen seine Souveränität, obwohl Somaliland seit Jahrzehnten autonom regiert wird und international (außer von Israel) nicht anerkannt ist.

Bei einem Gipfeltreffen dieser vier Länder am vergangenen Sonntag verabschiedeten sie eine gemeinsame Erklärung. Äthiopien wird darin nicht namentlich genannt, doch die Botschaft ist unmissverständlich. Die Staatschefs betonen die Bedeutung des Völkerrechts, "insbesondere die Achtung der Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität der Staaten der Region". Sie erklären, dass "die Verwaltung des Roten Meeres in der alleinigen Verantwortung der Anrainerstaaten liegt". Die Erklärung enthält auch ein Bekenntnis zu "friedlichen Lösungen für Konflikte". Doch die Realität vor Ort könnte dieses Bekenntnis schon bald überholt haben.

Die Kämpfe in Äthiopien haben nie aufgehört. Was die Oromo Liberation Army betrifft, dauern sie schon seit Jahrzehnten an, bei den Amhara sind es mindestens drei Jahre.
— Abdurahman Sayed, Horn of Africa Centre for Regional Integration
All diese Nachbarländer sind der Ansicht, dass sie der von Äthiopien ausgehende Bedrohung gemeinsam begegnen müssen.
— Abdurahman Sayed
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