Im deutschen Fußball hat sich eine alte Frage in eine tiefere verwandelt: Nicht mehr, wo Joshua Kimmich der Nationalmannschaft am besten dient, sondern ob er ihr überhaupt noch dient. Unter Jürgen Klopp, der ein System des aggressiven Pressings und schnellen Umschaltspiels anstrebt, gerät ein Spieler unter Druck, dessen Stärken von der richtigen Umgebung abhängen – und dessen Schwächen in der falschen sichtbarer werden. Es ist ein Moment, der weniger über einen einzelnen Spieler spricht als über die Frage, was Weltklasse bedeutet, wenn der Kontext sich verändert.
Die K-Frage: Braucht Klopps Nationalelf Joshua Kimmich noch?
Er kann ein Spiel gestalten, aber nicht definieren.
Warum ist das eigentlich eine neue Frage? Kimmich ist doch immer noch einer der besten deutschen Spieler.
Das stimmt, aber unter Klopp geht es nicht um seine Qualität, sondern um die Passung. Bei Bayern funktioniert er, weil er nicht der Hauptgestalter sein muss. In der Nationalelf muss er mehr tun.
Aber zwei Spiele ohne ihn – das ist eine sehr kleine Stichprobe. Kann man daraus wirklich schließen, dass die Mannschaft besser ist?
Nein, das kann man nicht. Aber es reicht aus, um die Frage zu stellen. Und Klopp hat durch seine Spielweise diese Frage quasi selbst aufgeworfen.
Was genau ist denn der Unterschied zwischen Kimmich bei Bayern und Kimmich in der Nationalelf?
Bei Bayern ist er der vierte oder fünfte beste Spieler. Er hat klare Aufgaben. In der Nationalelf ist er der zweit- oder drittbeste Spieler und muss viel mehr gestalten.
Und das ist ein Problem, weil er nicht definieren kann, sondern nur gestalten?
Genau. Er braucht andere starke Spieler um sich herum, die das Spiel prägen. Ohne sie wird seine Schwäche im Zweikampf sichtbar.
Klopp will ja mit Gegenpressing spielen. Macht das Kimmichs Stärken weniger relevant?
Ja. Ballverteilung ist wichtig, aber nicht zentral. Zweikampfstärke wird wichtiger. Das ist nicht Kimmichs Bereich.
Aber wir wissen noch nicht, wie Klopp die Mannschaft langfristig aufstellen wird. Eine endgültige Antwort gibt es noch nicht.
Richtig. Aber Klopp hat durch seine bisherigen Entscheidungen signalisiert, dass er die Frage stellt. Die Antwort kommt noch.
Der Puls
- Zum ersten Mal seit Jahren wird Kimmichs Platz im Nationaltrikot nicht als selbstverständlich betrachtet – die Debatte hat sich von seiner Position zu seiner grundsätzlichen Notwendigkeit verschoben.
- Zwei der vier bisherigen Spiele unter Klopp sahen ohne Kimmich teilweise überzeugender aus, was zwar kein Beweis ist, aber einen Wendepunkt markiert.
- Klopps Gegenpressing-System wertet genau jene Qualitäten ab, die Kimmich auszeichnen – präzise Ballverteilung und Spielstruktur – und verlangt stattdessen Stärken im Defensivzweikampf, die er nicht besitzt.
- Bei Bayern München, umgeben von Kane, Olise und Díaz, funktioniert Kimmich als viert- oder fünftbester Spieler reibungslos; in der Nationalelf, wo mehr von ihm erwartet wird, treten seine Grenzen deutlicher hervor.
- Mit der Europameisterschaft am Horizont muss Klopp bald eine Antwort geben – nicht nur auf eine taktische Frage, sondern auf eine, die das Selbstverständnis der deutschen Nationalmannschaft berührt.
Im deutschen Fußball hat sich eine alte Frage in eine tiefere verwandelt: Nicht mehr, wo Joshua Kimmich der Nationalmannschaft am besten dient, sondern ob er ihr überhaupt noch dient. Unter Jürgen Klopp, der ein System des aggressiven Pressings und schnellen Umschaltspiels anstrebt, gerät ein Spieler unter Druck, dessen Stärken von der richtigen Umgebung abhängen – und dessen Schwächen in der falschen sichtbarer werden. Es ist ein Moment, der weniger über einen einzelnen Spieler spricht als über die Frage, was Weltklasse bedeutet, wenn der Kontext sich verändert.
Die Debatte um Joshua Kimmich hat sich unter Jürgen Klopp grundlegend verändert. Früher, unter Hansi Flick und Julian Nagelsmann, war er unverzichtbar – die Frage lautete nur, auf welcher Position er am meisten bringt. Heute lautet sie: Braucht die Nationalmannschaft ihn überhaupt noch?
Um das zu verstehen, muss man zwei Versionen von Kimmich unterscheiden. Bei Bayern München, wo er neben Weltklassespielern wie Harry Kane und Michael Olise agiert, ist er der viert- oder fünftbeste Mann im Team. Seine Rolle ist klar begrenzt: Struktur geben, präzise verteilen, Stabilität sichern. Das funktioniert hervorragend. In der Nationalmannschaft hingegen ist er der zweit- oder drittbeste Spieler – und damit wird mehr von ihm erwartet, als er zuverlässig liefern kann. Er kann ein Spiel gestalten, aber nicht definieren. Seine Schwäche im Defensivzweikampf wird in dieser exponierten Rolle sichtbarer.
Klopps Spielidee verschärft diesen Widerspruch. Ein System, das auf Gegenpressing und aggressivem Ballgewinn basiert, braucht weniger klassische Ballverteiler und mehr Spieler, die sich im direkten Duell behaupten. Genau dort hat Kimmich seine Grenzen. Der Vergleich mit Toni Kroos liegt nahe: Kroos konnte Spiele nicht nur gestalten, sondern kontrollieren und seinem Willen unterwerfen – eine Fähigkeit, die Kimmich fehlt.
Klopp hat die Frage nicht laut gestellt, aber durch seine Aufstellungen und Worte hat er sich in eine Lage manövriert, in der er sie bald beantworten muss. Die Europameisterschaft steht bevor, und die Entscheidung wird nicht lange auf sich warten lassen.
Die Frage, die sich durch den deutschen Fußball zieht, hat sich verschoben. Unter Jürgen Klopp geht es nicht mehr darum, wo Joshua Kimmich die Nationalmannschaft am meisten hilft – im zentralen Mittelfeld oder in der Außenverteidigung. Es geht jetzt darum, ob sie ihn überhaupt noch braucht.
Das ist eine andere Debatte als die, die unter Hansi Flick und Julian Nagelsmann geführt wurde. Damals war Kimmich unverzichtbar, die Diskussion drehte sich um seine beste Position. Heute, nach den ersten vier Spielen unter Klopp, haben die beiden Partien ohne den Bayern-Kapitän teilweise besser ausgesehen als jene mit ihm. Das allein beweist nichts – Klopp hat das selbst mit einem Witz abgetan, wonach die Wahrscheinlichkeit sinkt, das zu bekommen, was man ständig einfordert. Aber die Tatsache, dass die Frage überhaupt gestellt wird, markiert einen Wendepunkt.
Um das zu verstehen, muss man zwischen zwei verschiedenen Versionen von Joshua Kimmich unterscheiden. Bei Bayern München ist er Weltklasse. Dort spielt er neben Harry Kane, Michael Olise und Luis Díaz – Spielern von höchstem Rang. In dieser Konstellation ist Kimmich der vierte oder vielleicht fünfte beste Spieler im Team. Seine Aufgabe ist klar begrenzt: präzise Ballverteilung, Struktur im Spiel, Stabilität. Bayern kann damit weit kommen, wie der Weg zum Champions-League-Finale 2028 in München zeigen könnte.
In der Nationalmannschaft ist die Situation eine andere. Dort ist Kimmich der zweit- oder drittbeste Spieler. Das bedeutet, dass er mehr gestalten muss, dass mehr von ihm erwartet wird, dass er selbst mehr von sich erwartet. Und genau hier zeigt sich das Problem: Kimmich kann ein Spiel gestalten, aber er kann es nicht definieren. Seine Stärke – die präzise Ballverteilung – wird von anderen Spielern begrenzt oder ermöglicht. Seine Schwäche – der Defensivzweikampf – wird in dieser Position deutlicher sichtbar.
Klopps Spielweise verschärft diesen Widerspruch. Der Bundestrainer will mit Gegenpressing arbeiten, mit aggressivem Ballgewinn und schnellem Umschaltspiel. In diesem System wird die klassische Ballverteilung eines Mittelfeldspielers weniger zentral. Gleichzeitig wird die Fähigkeit, sich im direkten Zweikampf zu behaupten, wichtiger. Das sind genau die Bereiche, in denen Kimmich seine Grenzen hat.
Toni Kroos war anders. Kroos konnte ein Spiel nicht nur gestalten, sondern definieren – er konnte es kontrollieren, lenken, seinem Willen unterwerfen. Kimmich hat diese Fähigkeit nicht. Er braucht die richtige Umgebung, die richtigen Mitspieler, die richtige taktische Konstellation. Bei Bayern funktioniert das. In der Nationalmannschaft wird es schwieriger.
Klopp hat die K-Frage nicht selbst gestellt. Aber durch seine Worte und vor allem durch seine Taten – durch die Auswahl seiner Spieler, durch die Art, wie er die Mannschaft aufstellt – hat er sich in eine Situation manövriert, in der er diese Frage bald beantworten muss. Die Europameisterschaft steht bevor. Die Entscheidung wird nicht lange auf sich warten lassen.
Bemerkenswerte Zitate
Je öfter man fragt, desto weniger wahrscheinlich bekommt man das, was man will.— Jürgen Klopp zu der K-Frage