BND-Affäre Hanning: Geheimdienst erschüttert durch mutmaßlichen Langzeit-Verrat

Keine direkten Opfer oder Vertriebene genannt; Schaden liegt in Sicherheitsverletzung und Vertrauensverlust.
Jahrelang waren sie offenbar nicht sicher
Über das Vertrauen internationaler Partner in die Sicherheit von BND-Informationen nach der Enthüllung des mutmaßlichen Langzeit-Verrats.
Mark

Was macht diesen Fall so besonders? Es gab doch auch schon andere Spionagefälle bei deutschen Geheimdiensten.

Mimi

Der Unterschied liegt in der Dauer und der Position. Zwölf Jahre, unentdeckt. Und nicht irgendein Mitarbeiter, sondern jemand mit Zugang zu den höchsten Lageberichten.

Luke

Aber wir sollten hier vorsichtig sein: Die Ermittler gehen davon aus, dass etwa 2.000 Dokumente abgeflossen sind. Das ist eine Schätzung. Wir wissen noch nicht genau, was tatsächlich weitergegeben wurde.

Mimi

Richtig. Und bei Hanning ist noch völlig offen, wie viel er mit den Informationen tatsächlich gemacht hat. Eine Analyse für Aserbaidschan – das ist bestätigt. Aber darüber hinaus?

Mark

Warum ist das Vertrauen der Partnerdienste jetzt so beschädigt?

Mimi

Weil sie jahrelang sensible Informationen mit dem BND geteilt haben, ohne zu wissen, dass dieser Dienst selbst durchlöchert war. Das ist ein fundamentales Sicherheitsproblem.

Luke

Wobei wir auch sagen müssen: Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verrat vor Jägers Amtsantritt endete. Das ist wichtig. Jäger erbt ein Problem, das er nicht verursacht hat.

Mark

Kann er das Vertrauen wiederherstellen?

Mimi

Das wird Jahre dauern. Und es wird schwierig, weil der BND gerade erst einen anderen Verratsfall durchlebt hat – den mit dem russischen Geheimdienst.

Luke

Das ist der Kontext, den man nicht vergessen darf. Zwei große Fälle in kurzer Zeit. Das schüttelt das System.

  • Ein 80-jähriger Ex-Geheimdienstchef sitzt in Untersuchungshaft – ein Bild, das den deutschen Sicherheitsapparat in seinen Grundfesten erschüttert.
  • Zwölf Jahre lang soll ein als absolut zuverlässig geltender Büroleiter Tausende Verschlusssachen an Hanning weitergegeben haben, ohne je aufzufallen.
  • Die abgeflossenen Dokumente könnten für ausländische Dienste – darunter möglicherweise den aserbaidschanischen Geheimdienst – genutzt worden sein, was internationale Partnerbeziehungen gefährdet.
  • BND-Chef Jäger versucht, Handlungsfähigkeit zu signalisieren, doch der Dienst steckt mitten in einem zweiten großen Verratsskandal, während ein erster Fall gegen Russland noch vor Gericht läuft.
  • Das eigentliche Problem ist nicht die Kompetenz der neuen Führung, sondern das beschädigte Vertrauen der Partnerdienste – ein Schaden, der sich nicht durch Worte allein beheben lässt.

In einer Demokratie, die auf das Vertrauen ihrer Verbündeten angewiesen ist, erschüttert der mutmaßliche Verrat von innen besonders tief: August Hanning, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendiensts, wurde festgenommen – gemeinsam mit einem langjährigen Mitarbeiter, der über zwölf Jahre hinweg rund 2.000 geheime Dokumente aus dem Dienst geschleust haben soll. Was hier sichtbar wird, ist nicht nur eine Sicherheitslücke, sondern die stille Erosion von Loyalität und institutionellem Vertrauen – ein Schaden, der sich nicht in Akten messen lässt.

Am Montag noch präsentierte sich Martin Jäger, der neue BND-Chef, vor dem parlamentarischen Kontrollgremium als gefasster Krisenmanager. Er sprach von Russland als existenzieller Bedrohung und von Nachrichtendiensten als erster Verteidigungslinie. Dann kam der Dienstag – und mit ihm eine Nachricht, die alles überschattete.

August Hanning, 80 Jahre alt und BND-Präsident von 1998 bis 2005, wurde in seinem Haus in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts. Gleichzeitig wurde Manfred D. verhaftet, ein langjähriger enger Mitarbeiter Hannings, der zuletzt als Büroleiter für mehrere BND-Präsidenten tätig war und damit Zugang zu hochrangigen Geheimvorgängen hatte. Er soll zwischen 2010 und 2022 rund 2.000 Dokumente – darunter viele Verschlusssachen – an Hanning weitergegeben haben. Wie ihm das über zwölf Jahre hinweg unentdeckt gelang, ist noch ungeklärt.

Die Erschütterung im Sicherheitsapparat gilt weniger Hanning, der zuletzt wegen geschäftlicher Aktivitäten in Zwielicht geraten war, als vielmehr Manfred D. – einem Mann mit makellosem Ruf. Hanning soll die gestohlenen Informationen geschäftlich genutzt haben, unter anderem soll er im Auftrag des aserbaidschanischen Geheimdienstes tätig geworden sein.

Für Jäger bedeutet das eine Hypothek, die er nicht selbst angehäuft hat. Der mutmaßliche Verrat endete offenbar vor seinem Amtsantritt – doch die Konsequenzen trägt er. Internationale Partnerdienste werden sich fragen, wie sicher ihre mit Berlin geteilten Informationen wirklich waren. Erschwerend kommt hinzu, dass der BND bereits 2022 einen ähnlichen Fall erlebt hat: Ein Mitarbeiter soll Informationen an einen russischen Dienst verkauft haben – der Prozess läuft noch. Jäger gab sich öffentlich unerschütterlich. Doch dass diese Ereignisse spurlos an einem Dienst vorübergehen, der auf Vertrauen gebaut ist, glaubt wohl niemand.

Am Montag noch wirkte alles unter Kontrolle. Martin Jäger, der neue Chef des Bundesnachrichtendiensts, saß vor dem parlamentarischen Kontrollgremium und sprach von Russland als existenzielle Bedrohung, von einem bereits laufenden Schattenkrieg, von den Nachrichtendiensten als erste Verteidigungslinie. Er wirkte gefasst, kompetent, gewachsen an der Aufgabe. Die Schlagzeilen des Tages gehörten ihm. Dann kam Dienstag.

August Hanning, 80 Jahre alt, ehemaliger Präsident des BND von 1998 bis 2005, wurde in seinem Haus in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Die Generalbundesanwaltschaft ermittelt wegen Spionageverdachts. Hanning sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Doch noch schmerzhafter für den Dienst war die gleichzeitige Verhaftung eines zweiten Mannes: Manfred D., der bis März dieses Jahres beim BND beschäftigt war und danach in den Ruhestand ging. D. war lange Zeit enger Mitarbeiter Hannings gewesen, arbeitete später als Büroleiter für mehrere BND-Präsidenten und hatte damit Zugang zu zahlreichen geheimen Vorgängen auf höchster Ebene.

Die Ermittler gehen davon aus, dass D. zwischen 2010 und 2022 – über einen Zeitraum von zwölf Jahren – etwa 2.000 Dokumente an Hanning weitergegeben hat. Viele davon waren Verschlusssachen. Es handelte sich offenbar um Unterlagen, die der BND-Leitung zur Vorbereitung der wöchentlichen geheimen Lageberichte dienten, in denen die wichtigsten Erkenntnisse zur Sicherheitslage zusammengefasst werden. Wie D. diese Dokumente jahrelang an allen internen Sicherheitsvorkehrungen vorbei aus dem Dienst schleusen konnte, ist noch unklar. Ebenso unklar ist, in welchem Umfang Hanning ihn dafür bezahlt hat.

Die Bestürzung im gesamten Sicherheitsapparat ist immens. Nicht so sehr wegen Hanning selbst – er war zwar während seiner aktiven Zeit im Dienst der Inbegriff eines zuverlässigen Spitzenbeamten, geriet aber in den letzten Jahren mehrfach wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten in Zwielicht. Die eigentliche Erschütterung kommt von Manfred D. Er hatte sich einen makellosen Ruf erworben, galt als absolut zuverlässig und loyal. Was Entsetzen auslöst, ist nicht nur die Qualität der Informationen, die abgeflossen sind, sondern vor allem die Systematik und die Dauer des mutmaßlichen Verrats – zwölf Jahre, unentdeckt.

Hanning wird vorgeworfen, die gestohlenen Informationen in seiner geschäftlichen Tätigkeit verwendet zu haben. Nach Informationen des Spiegel soll er im Auftrag des aserbaidschanischen Geheimdienstes eine Analyse erstellt haben. Doch niemand weiß derzeit genau, in welchem Umfang er BND-Erkenntnisse sonst noch in seinen geschäftlichen Kontakten genutzt haben könnte. Die Ermittler haben vermutlich noch keinen vollständigen Überblick.

Für Jäger entsteht ein Problem, das nichts mit seiner Kompetenz zu tun hat. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verrat vor seinem Amtsantritt im September endete. Trotzdem muss er die Konsequenzen tragen. Die internationalen Partnerdienste des BND werden sich jetzt fragen, wie sicher die geheimen Informationen sind, die sie mit Berlin teilen. Jahrelang, so der aktuelle Eindruck, waren sie es offenbar nicht. Das Vertrauen ist beschädigt, und Jäger muss es wiederherstellen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der BND gerade erst 2022 einen ähnlichen Fall durchlebt hat: Ein Mitarbeiter soll Informationen an einen russischen Geheimdienst verkauft haben. Der Prozess läuft noch vor dem Berliner Kammergericht. Der Dienst hatte sich gerade von diesem Skandal zu erholen begonnen. Jetzt das. Jäger ließ sich am Tag der Festnahmen mit dem Satz zitieren: "Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten werden durch diesen Vorgang infrage gestellt." Kurs halten, lautet die Devise. Aber es wäre naiv zu glauben, dass diese Ereignisse ohne tiefgreifende Auswirkungen bleiben werden.

Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten werden durch diesen Vorgang infrage gestellt
— BND-Chef Martin Jäger
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