Biotech, Raumfahrt und Co.: „In Europa tut sich etwas“

Wenn mehr Geld bereitsteht, gibt es auch mehr Gründer
Franzén erklärt, warum deutsche Sparer ihre Ersparnisse in europäische Unternehmen investieren sollten.
Mark

Warum sollte jemand, der gerade die Nachrichten liest, sich für das kümmern, was EQT mit fünf Milliarden Euro macht?

Mimi

Weil es um die Frage geht, ob Europa seine besten Unternehmen behält oder verliert. Wenn Spotify in Amerika gegründet worden wäre, hätte niemand das bemerkt. Aber Spotify war europäisch und ist trotzdem weg.

Luke

Aber fünf Milliarden Euro – ist das wirklich viel? Zum Vergleich: Die USA geben für Risikokapital ein Vielfaches aus.

Mimi

Ja, aber Franzén sagt, dass er erwartet, dass der Fonds über die fünf Milliarden hinauswächst. Andere Investoren aus Asien, dem Nahen Osten und Amerika haben angefangen, aufzupassen.

Mark

Was bedeutet das konkret für jemanden in Deutschland?

Mimi

Es bedeutet, dass deutsche Start-ups in Zukunft leichter Geld für ihr Wachstum finden könnten, ohne nach Silicon Valley gehen zu müssen. Und dass deutsche Sparer ihre Ersparnisse in europäische Unternehmen investieren könnten statt sie auf der Bank liegen zu lassen.

Luke

Aber Franzén sagt auch, dass Europa bei der digitalen Infrastruktur deutlich hinterherhinkt. Kann ein Fonds das wirklich ändern?

Mimi

Nein, nicht allein. Aber es ist ein Signal. Und Signale sind für Investoren wichtig. Wenn die EU sagt, dass sie das ernst meint, dann trauen sich auch andere, Geld zu investieren.

Mark

Und was ist mit den hohen Schuldenständen, die er erwähnt?

Mimi

Er sagt, dass das ein Problem ist, das Staaten im Auge behalten müssen. Aber er sieht derzeit keine Anzeichen dafür, dass die Finanzmärkte deswegen nicht funktionieren.

Luke

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Er sagt nicht, dass die Schulden kein Problem sind. Er sagt nur, dass sie kurzfristig nicht die Märkte lahmlegen.

Mark

Und Schweden – warum ist das sein Vorbild?

Mimi

Weil Schweden klein ist, aber trotzdem Dutzende von Milliarden-Euro-Unternehmen hervorgebracht hat. Das zeigt, dass es möglich ist, wenn man die richtigen Bedingungen schafft.

  • Europa verliert seit Jahren seine vielversprechendsten Start-ups an amerikanische Kapitalmärkte – Spotify ist nur das bekannteste Beispiel eines Ausblutens, das den Kontinent Milliarden kostet.
  • Der neu aufgelegte Scaleup Europe Fund mit fünf Milliarden Euro soll genau diese Wachstumslücke schließen, in der europäische Unternehmen bisher mangels Kapital den Kontinent verließen.
  • Seit dem Start im August hat der Fonds bereits in sieben Unternehmen investiert, darunter das KI-Unternehmen Mistral und das Raumfahrtunternehmen The Exploration Company.
  • Franzén warnt deutsche Sparer: Milliarden schlummern auf Bankkonten, statt in europäische Unternehmen zu fließen – eine verpasste Chance für Innovation und Kapitalmarktstärke.
  • Schweden gilt Franzén als Beweis, dass kleine Länder mit mutigen Reformen globale Champions hervorbringen können – ein Modell, das Europa als Ganzes noch lernen muss.

An der Spitze von Europas größtem Private-Equity-Unternehmen steht ein Mann, der den alten Kontinent nicht als Problemfall, sondern als ungehobenen Schatz betrachtet. Per Franzén, Chef von EQT, sieht in Biotechnologie, künstlicher Intelligenz und Raumfahrt jene Felder, auf denen Europa endlich aufholen kann – wenn es aufhört, seine besten Unternehmen in die Arme amerikanischer Börsen zu treiben. Mit dem von der EU beauftragten Scaleup Europe Fund, ausgestattet mit fünf Milliarden Euro, soll das Kapital nun dort bleiben, wo die Ideen entstehen.

Per Franzén leitet Europas größtes Private-Equity-Unternehmen und sieht den Kontinent an einem Wendepunkt. Nicht weil die Probleme verschwunden wären – hohe Schulden, teureres Kapital, Rückstand bei digitaler Infrastruktur –, sondern weil sich erstmals ernsthaft etwas bewegt.

Das Kernproblem, das Franzén immer wieder benennt, ist struktureller Natur: Europäische Start-ups entstehen, wachsen heran – und verschwinden dann nach Amerika, weil das Kapital für die entscheidende Wachstumsphase fehlt. Spotify ist sein Paradebeispiel. Um dieses Loch zu stopfen, beauftragte die Europäische Kommission EQT mit der Verwaltung des Scaleup Europe Fund – fünf Milliarden Euro als Startkapital, mit klaren Sektoren wie Biotechnologie, KI, Robotik und Raumfahrt. Die Auswahl der einzelnen Unternehmen aber bleibt EQT überlassen. Das war Franzéns Bedingung: wirtschaftliche Unabhängigkeit oder kein Mandat.

Deutschland spielt für EQT eine besondere Rolle. Mehr als 30 Investitionen mit über 40 Milliarden Euro Gesamtvolumen belegen das Vertrauen in den Standort – zuletzt ergänzt durch das Raumfahrtunternehmen Exolaunch. Franzén lobt die Ingenieursausbildung, die Industriestärke und die staatliche Investitionsoffensive. Zugleich mahnt er: Deutsche Sparer legen ihr Geld zu oft auf die Bank, statt es in europäische Unternehmen zu investieren. Würde nur ein Teil dieser Ersparnisse umgelenkt, könnte das den europäischen Kapitalmarkt grundlegend verändern.

Als Vorbild nennt Franzén sein Heimatland Schweden. Die Kleinheit des Landes zwang Gründer stets, global zu denken. Radikale Renten- und Steuerreformen nach der Bankenkrise der frühen Neunzigerjahre öffneten den Weg für private Vorsorge und schufen ein Ökosystem, aus dem Unternehmen wie Spotify, Klarna und Klarna hervorgingen. Franzén glaubt, dass Europa dieses Modell adaptieren kann – und dass die Bewertungen europäischer Unternehmen heute, nach Jahren der Niedrigzinsen, wieder auf attraktivem Niveau liegen. Wer jetzt einsteigt, findet gute Ausgangsbedingungen vor.

Per Franzén sitzt an der Spitze von Europas größtem Private-Equity-Unternehmen und blickt auf einen Kontinent, der endlich anfängt, seine eigenen Talente ernst zu nehmen. Das ist nicht die Sicht eines Optimisten, der die Probleme ignoriert – Franzén kennt sie genau. Europa hinkt bei der digitalen Infrastruktur hinterher, die Schuldenstände sind hoch, und Kapital ist teurer geworden. Aber gerade in dieser Lage sieht er eine Gelegenheit, die viele übersehen.

Das zentrale Problem, das Franzén immer wieder benennt, ist ein Phänomen, das Europa Milliarden gekostet hat: Europäische Start-ups entstehen, wachsen an, und dann verschwinden sie. Sie gehen nach Amerika, um dort an die Börse zu gehen. Spotify aus Schweden ist sein Lieblings-Beispiel – ein Unternehmen, das in Europa hätte bleiben können, aber nicht blieb, weil das notwendige Kapital für die nächste Wachstumsstufe fehlte. Dieses Loch wollte die Europäische Kommission stopfen. Sie beauftragte EQT, den Scaleup Europe Fund zu verwalten – mit einem Startbudget von fünf Milliarden Euro.

Franzén ist überzeugt, dass diese Summe nur der Anfang ist. Seit der Start im August hat der Fonds bereits in sieben Unternehmen investiert, darunter das französische KI-Unternehmen Mistral und das deutsch-französische Raumfahrtunternehmen The Exploration Company. Die Kommission hat klare Sektoren vorgegeben – Biotechnologie, künstliche Intelligenz, Robotik, Medizin, Raumfahrttechnik – aber bei der Auswahl der einzelnen Firmen lässt sie EQT völlig freie Hand. Das war Franzéns Bedingung, bevor er das Mandat übernahm. Ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit, kein Deal. Das Signal, das von dieser EU-Beteiligung ausgeht, ist für ihn das Entscheidende: Es zeigt der Welt, dass Europa es dieses Mal ernst meint.

Deutschland ist für EQT ein besonders wichtiger Markt. Über die Jahre hat das Unternehmen dort mehr als 30 Investitionen mit einem Gesamtvolumen von über 40 Milliarden Euro getätigt. Zuletzt kam das Raumfahrtunternehmen Exolaunch hinzu. Franzén nennt die Gründe für diese Kontinuität: gute Ausbildung, besonders im Ingenieurwesen; eine starke Industrie; und die Investitionsoffensive der Bundesregierung im Umfang von 500 Milliarden Euro. Aber er hat auch einen Rat für deutsche Sparer: Das Land spart viel, aber das Geld liegt auf der Bank. Wenn nur ein Teil dieser Ersparnisse in europäische Unternehmen flösse, würde das den europäischen Kapitalmarkt massiv stärken. Mehr Geld bedeutet mehr Gründer, mehr Gründer bedeutet mehr Innovation.

Wenn Franzén von Schweden spricht, wird er fast lyrisch. Sein Heimatland ist klein, aber gemessen an der Bevölkerung hat es eine beeindruckende Anzahl von Börsengängen hervorgebracht. Spotify, Klarna, Lovable – alles schwedische Unternehmen mit Milliardenbewertungen. EQT selbst ging 2019 in Stockholm an die Börse. Franzén führt das auf zwei Faktoren zurück: Erstens zwang die Kleinheit des Landes Gründer schon immer, global zu denken und Risiken einzugehen. Zweitens reformierte Schweden nach einer schweren Banken- und Immobilienkrise in den frühen Neunzigerjahren sein Renten- und Steuersystem radikal und öffnete sich für private Vorsorge. Diese Reformen wirken bis heute nach.

Bei aller Kritik an Europas Ehrgeiz und Risikobereitschaft betont Franzén auch, was der Kontinent hat: eine starke Industrie mit enormem Datenschatz. Gerade bei der sogenannten physischen künstlichen Intelligenz – etwa in Industrierobotern – könnte Europa führend sein. Die Bewertungen europäischer Unternehmen sind heute nach Jahren der Niedrigzinsen wieder auf attraktivem Niveau. Wer jetzt einsteigt, findet ein gutes Ausgangsniveau vor. Und trotz aller geopolitischen Unsicherheiten bleibt Europa für Franzén politisch stabil – ein Vorteil, der nicht zu unterschätzen ist. Das ist nicht die Sprache eines Mannes, der an Europa zweifelt. Es ist die eines Investors, der sieht, dass sich endlich etwas bewegt.

Es gibt hier zwar sehr viele Start-up-Unternehmer mit guten neuen Ideen. Aber sobald diese Firmen Geld für die nächste Wachstumsstufe brauchen, wird es schwierig.
— Per Franzén, EQT-Chef
Es zeigt Investoren, dass Europa es dieses Mal wirklich ernst meint. Das ist genau der Ehrgeiz, den wir zuvor so lange vermisst haben.
— Per Franzén über das Signal der EU-Beteiligung am Scaleup Europe Fund
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