Inmitten eines historischen Umbruchs der deutschen Automobilindustrie – geprägt von Massenentlassungen, gekündigten Tarifverträgen und sinkenden Margen – hat BMW entschieden, den vollelektrischen i3 im Stammwerk München zu produzieren. Diese Entscheidung, gestützt auf zwei Milliarden Euro Investitionen und eine überwiegend europäische Lieferkette, steht gegen den Strom der Zeit und erinnert daran, dass industrielle Treue zum Standort noch möglich ist. Sie ist jedoch kein Selbstläufer: Ohne politische Verlässlichkeit und ein Klima, das Investoren anzieht statt abschreckt, bleibt sie eine Ausnah
Autokrise: BMW signalisiert Hoffnung mit i3-Produktion in München
Ermunterung statt Enteignung – das ist, was die Branche braucht
Warum ist die BMW-Entscheidung so wichtig, wenn die ganze Branche gleichzeitig Arbeitsplätze abbaut?
Weil sie zeigt, dass Investitionen in Deutschland noch stattfinden, trotz der Krise. Das ist ein Signal an andere Unternehmen.
Aber die Entscheidung wurde vor Jahren getroffen, richtig? Das ist nicht neu.
Richtig, aber sie wird jetzt umgesetzt, während andere Unternehmen ihre Zusagen zurückziehen. Das ist der Unterschied.
Und die Margen bei Elektroautos sind wirklich so viel niedriger?
Deutlich niedriger als bei Verbrennern. Das ist das zentrale Problem – mehr Volumen, weniger Gewinn.
Zwei Milliarden Euro klingt viel, aber wie viele Arbeitsplätze entstehen dadurch tatsächlich?
Das wird nicht gesagt. Wir wissen, dass 760 Zulieferer beteiligt sind, aber ob das Netto neue Arbeitsplätze schafft, ist unklar.
Was müsste die Politik tun, um mehr solcher Entscheidungen zu ermöglichen?
Stabilität schaffen, Verlässlichkeit zeigen, nicht mit Enteignungsdebatten arbeiten.
Aber ist das realistisch, wenn die Branche insgesamt schrumpft?
Das ist die eigentliche Frage. Hoffnung braucht nicht nur Unternehmertum, sondern auch politischen Willen.
The Pulse
- Mercedes, VW und BMW bauen gleichzeitig Personal ab – Tausende Beschäftigte, viele jung und hochqualifiziert, verlieren ihre Stellen in einer Branche, die einst als Rückgrat der deutschen Wirtschaft galt.
- Das Paradoxon der Elektromobilität verschärft den Druck: Mehr Fahrzeuge müssen verkauft werden, um dieselben Gewinne zu erzielen, weil die Margen bei Elektroautos weit unter denen von Verbrennern liegen.
- BMWs Entscheidung, den i3 in München zu bauen und dabei über 760 Zulieferer – mehr als 30 Prozent aus Deutschland – einzubinden, setzt ein seltenes Zeichen industrieller Standorttreue.
- Politische Debatten über Enteignung und Vergesellschaftung gefährden das fragile Vertrauen, das Investitionsentscheidungen wie die von BMW erst ermöglicht – und könnten weitere verhindern.
Inmitten eines historischen Umbruchs der deutschen Automobilindustrie – geprägt von Massenentlassungen, gekündigten Tarifverträgen und sinkenden Margen – hat BMW entschieden, den vollelektrischen i3 im Stammwerk München zu produzieren. Diese Entscheidung, gestützt auf zwei Milliarden Euro Investitionen und eine überwiegend europäische Lieferkette, steht gegen den Strom der Zeit und erinnert daran, dass industrielle Treue zum Standort noch möglich ist. Sie ist jedoch kein Selbstläufer: Ohne politische Verlässlichkeit und ein Klima, das Investoren anzieht statt abschreckt, bleibt sie eine Ausnahme in einer Branche, die dringend Orientierung sucht.
Die deutsche Autoindustrie erlebt einen Umbruch, der existenzielle Ausmaße annimmt. Mercedes legt Abfindungsprogramme auf, Volkswagen kündigt Tarifverträge, BMW schickt alle Zeitarbeiter nach Hause. Tausende Menschen verlieren ihre Stellen, und ganze Regionen, die von der Branche abhängen, spüren die Erschütterung unmittelbar.
Mitten in dieser Krise fällt eine Entscheidung auf, die gegen den Trend steht: BMW nimmt den vollelektrischen i3 im modernisierten Stammwerk München in Produktion. Zwei Milliarden Euro wurden in das Werk investiert, die Hochvoltbatterien kommen aus Bayern, und mehr als 70 Prozent der Zulieferungen stammen aus Europa. Es ist ein Bekenntnis zur deutschen und europäischen Lieferkette – in einer Zeit, in der Verlagerung die naheliegendere Option wäre.
Das Paradoxon bleibt bestehen: Elektroautos boomen, doch ihre Margen sind deutlich geringer als die von Verbrennern. Die Industrie muss mehr verkaufen, um gleich viel zu verdienen – ein strukturelles Problem, das der Gesetzgeber mitverursacht hat, ohne ausreichend Lösungen anzubieten.
Die Hoffnung, die BMWs Entscheidung verkörpert, ist real, aber fragil. Sie braucht ein politisches Umfeld, das Stabilität und Verlässlichkeit bietet – kein Klima, in dem Debatten über Enteignung Investoren abschrecken. Nur wenn solche Entscheidungen zur Regel werden statt zur Ausnahme, kann die Branche den Wandel bestehen.
Die deutsche Autoindustrie befindet sich in einem Zustand permanenter Erschütterung. Jeden Tag bringt neue Nachrichten von Stellenabbau, Tarifverhandlungen am Rande des Scheiterns, von Unternehmen, die ihre Zusagen zurückziehen. Und doch gibt es einen Moment, der Hoffnung signalisiert: BMW hat entschieden, den vollelektrischen i3 im modernisierten Stammwerk München in Produktion zu nehmen. Es ist ein Signal, das mehr wiegt als die üblichen Pressemitteilungen, weil es gegen den Strom schwimmt.
Die Branche durchlebt einen Umbruch, der existenziell ist. Mercedes-Benz hat ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in Deutschland aufgelegt, das ab Dezember neu aufgelegt wird. Volkswagen kündigte eine Reihe von Tarifverträgen auf. BMW schickte bemerkenswert kühl alle Zeitarbeiter nach Hause. Tausende von Menschen, viele davon jung und hochqualifiziert, verlieren ihre Arbeitsplätze. Die Frage, wie eine Gesellschaft mit diesem Verlust umgeht, ist nicht abstrakt – sie ist existenziell für Regionen, die von der Autoindustrie leben.
Das Paradoxon der Elektromobilität liegt auf der Hand: Das Elektroauto erlebt einen Aufschwung, und das ist gute Nachricht. Gleichzeitig ist es schlechte Nachricht, denn die Gewinnmargen bei Elektrofahrzeugen sind deutlich niedriger als bei Modellen mit Verbrennungsmotor. Die Gesetzgebung, die diesen Übergang erzwungen hat, hat ihre Bruchstellen hinterlassen. Die Industrie muss mehr Fahrzeuge verkaufen, um denselben Gewinn zu erzielen – und das ist unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht einfach.
BMW hat sich dennoch entschieden zu investieren. Zwei Milliarden Euro flossen in die Modernisierung des Werks München. Der i3 wird dort gebaut, die Hochvoltbatterien der sechsten Generation kommen aus dem Werk Irlbach-Straßkirchen. Zum Produktionsstart beliefern rund 760 Standorte die Werke München und Dingolfing mit Komponenten. Mehr als 70 Prozent dieser Zulieferungen stammen aus Europa, über 30 Prozent aus Deutschland. Das ist nicht nur eine Produktionsentscheidung – es ist ein Bekenntnis zur europäischen und deutschen Lieferkette.
Die Entscheidung ist nicht neu. Sie wurde vor einiger Zeit getroffen, als die Zukunft noch weniger klar war als heute. Dass BMW sie trotz allem umsetzt, trotz der Krise, trotz des Drucks, Kosten zu senken und Produktion zu verlagern, ist bemerkenswert. Es zeigt, dass Investitionen in Deutschland noch möglich sind, dass Unternehmen noch bereit sind, sich hier festzulegen.
Doch diese Hoffnung ist fragil. Sie braucht politische Unterstützung, nicht in Form von Subventionen, sondern in Form von Stabilität und Verlässlichkeit. Manche der gegenwärtigen Debatten – über Enteignung, über Vergesellschaftung – sind, wie es heißt, irrsinnig. Sie schrecken Investoren ab, sie machen Unternehmen vorsichtig, sie führen dazu, dass Entscheidungen wie die von BMW zur Ausnahme werden statt zur Regel. Was die Branche braucht, ist Ermunterung, nicht Enteignung. Investitionen, nicht Konfrontation. Nur dann werden weitere Entscheidungen dieser Art getroffen.
Notable Quotes
Nach der Einigung ist vor der Auseinandersetzung, und es ist kein Ende in Sicht— Analyse der Tarifverhandlungen in der Autoindustrie
Damit sie hier und an anderer Stelle wieder getroffen würde, gehört unter anderem manch irrsinniges Gerede von Enteignung oder Vergesellschaftung auf den Schrottplatz— Autor zur politischen Voraussetzung für weitere Investitionen