ABN Amro: Niederlands Rettungsbank wird wieder privat

Ein hoher Aktienkurs ist der beste Schutz gegen Übernahmen
Während ABN Amro durch Kursgewinne unabhängiger wird, kämpft die deutsche Commerzbank unter Konsolidierungsdruck.
Mark

Warum ist es eigentlich so wichtig, dass ABN Amro wieder privat wird? Es ist doch nur eine Bank.

Mimi

Weil der Staat Geld hineingesteckt hat, das er zurückbekommen muss – oder eben nicht. Wenn ABN Amro jetzt mit Gewinn verkauft wird, hat die Rettung funktioniert. Wenn nicht, haben die Steuerzahler verloren.

Luke

Aber wir sollten ehrlich sein: Wir wissen noch nicht, ob es wirklich ohne Verlust ausgeht. Der Kurs ist gestiegen, ja, aber die endgültige Rechnung wird erst gemacht, wenn der Staat seine letzten Anteile verkauft hat.

Mark

Und was hat Marguerite Bérard anders gemacht als ihre Vorgänger?

Mimi

Sie hat die Bank gleichzeitig verschlankt und gestärkt. Weniger Personal, aber strategische Übernahmen wie die NIBC. Das hat Vertrauen aufgebaut.

Luke

Das ist richtig, aber wir sollten auch sehen: Stellenabbau bedeutet, dass Menschen ihre Jobs verloren haben. Das ist der Preis dieser Effizienzsteigerung.

Mark

Und warum ist das für Amsterdam wichtig, dass ABN Amro unabhängig bleibt?

Mimi

Weil große Finanzplätze brauchen große, unabhängige Banken. Wenn ABN Amro von einer anderen Bank übernommen wird, verliert Amsterdam Einfluss und Arbeitsplätze.

Luke

Das stimmt, aber wir sollten auch fragen: Ist eine Übernahme wirklich so schlecht? Manchmal führt Konsolidierung zu effizienteren Banken. Das ist nicht automatisch negativ.

Mark

Also ist die ganze Geschichte am Ende eine Erfolgsgeschichte?

Mimi

Für die Niederlande ja – bisher. Aber es ist noch nicht vorbei. Der Staat muss noch verkaufen, und der Kurs könnte fallen.

Luke

Genau. Wir haben einen guten Trend, aber keine Garantie. Das sollten wir nicht vergessen.

  • Der niederländische Staat steckte 2008 Milliarden in ABN Amro – und jahrelang war unklar, ob er dieses Geld je wiedersehen würde.
  • Noch vor zwei Jahren notierte die Aktie bei 15 Euro, weit unter dem Mindestpreis von 31,49 Euro, den Finanzminister Heinen für einen rentablen Ausstieg berechnete.
  • Vorständin Marguerite Bérard griff durch: Stellenabbau, Übernahme der NIBC-Bank, konsequente Effizienzsteigerung – und der Kurs schoss auf über 40 Euro.
  • Den Haag will seinen Anteil nun von 20 auf 10,5 Prozent halbieren und rückt damit einem sauberen, profitablen Ausstieg aus der Krise näher.
  • Ein hoher Aktienkurs schützt ABN Amro vor feindlichen Übernahmen und sichert Amsterdam als eigenständigen Finanzplatz – ein Vorteil, den die deutsche Commerzbank bislang nicht genießt.

Als die Finanzkrise 2008 die Welt erschütterte, rettete der niederländische Staat ABN Amro mit öffentlichem Geld – eine Last, die seitdem auf den Schultern der Steuerzahler ruhte. Nun, fast zwei Jahrzehnte später, zeichnet sich ein seltenes Ende ab: Unter neuer Führung ist die Bank so erstarkt, dass Den Haag seinen Anteil halbieren und die Rettung womöglich ohne Verlust abschließen kann. Es ist eine Geschichte darüber, wie Geduld, Strategie und Glück gemeinsam das vollbringen, was einst unmöglich schien.

Als die Finanzkrise 2008 über die Welt hereinbrach, musste Den Haag eingreifen und ABN Amro übernehmen – ein teures Erbe, das die Niederlande seitdem mit sich tragen. Seit dem Börsengang 2015 baut der Staat seinen Anteil schrittweise ab. Der nächste Schritt steht bevor: Das verbliebene Paket von rund 20 Prozent soll auf 10,5 Prozent halbiert werden.

Dass dieser Schritt rentabel sein könnte, war lange nicht absehbar. Finanzminister Eelco Heinen hatte errechnet, dass der Staat mindestens 31,49 Euro je Aktie erzielen müsste, um ohne Verlust aus der Rettung herauszukommen – bei einem damaligen Kurs von etwa 15 Euro ein fernes Ziel. Dann übernahm Marguerite Bérard das Steuer. Die neue Vorstandschefin kombinierte Stellenabbau mit der Übernahme der NIBC-Bank und trieb den Kurs auf über 40 Euro.

Dieser Anstieg hat Folgen, die über den Staatshaushalt hinausgehen. Im europäischen Bankensektor, der unter Konsolidierungsdruck steht, ist ein hoher Aktienkurs der wirksamste Schutz vor unerwünschten Übernahmen. Während die Commerzbank in Deutschland als verwundbar gilt, gewinnt ABN Amro mit jedem Euro Kurssteigerung an Unabhängigkeit. Für den Finanzplatz Amsterdam ist das ein Gewinn – und für die Niederlande der Beweis, dass der lange Weg aus einer Krise auch ohne bleibenden Schaden enden kann.

Die Rettung einer Bank ist eine teure Angelegenheit für den Staat – und die Niederlande haben das am eigenen Leib erfahren. Als die Finanzkrise 2008 über die Welt hereinbrach, musste Den Haag eingreifen und ABN Amro übernehmen, jenes Geldhaus, das aus den niederländischen Geschäften der Fortis hervorgegangen war. Ein ähnliches Schicksal ereilte in Deutschland die Commerzbank. Doch während die Commerzbank bis heute unter staatlicher Kontrolle leidet, zeichnet sich bei ABN Amro ein anderes Bild ab.

Seit 2015 versucht die niederländische Regierung, sich aus ihrer Rettungsaktion herauszuarbeiten. Der Börsengang vor elf Jahren war der erste Schritt, seitdem baut Den Haag seinen Anteil kontinuierlich ab. Nun folgt der nächste: Der Staat will sein verbliebenes Paket von etwa 20 Prozent auf 10,5 Prozent halbieren. Das klingt nach einer technischen Maßnahme, doch dahinter steckt eine zentrale Frage: Kann sich die Niederlande aus dieser Krise befreien, ohne dabei Geld zu verlieren?

Vor zwei Jahren schien das unmöglich. Finanzminister Eelco Heinen hatte damals ausgerechnet, dass der Staat für einen rentablen Ausstieg einen Verkaufspreis von 31,49 Euro je Aktie bräuchte. Die Aktie notierte damals bei etwa 15 Euro – ein Traum, der sich nicht erfüllen würde, so die düstere Prognose. Doch dann kam Marguerite Bérard. Die neue Vorstandschefin übernahm das Ruder und setzte auf eine Doppelstrategie: Sie baute Stellen ab, um die Effizienz zu steigern, und kaufte gleichzeitig die heimische Bank NIBC, um die Position zu stärken. Das Ergebnis überraschte: Der Aktienkurs kletterte auf über 40 Euro.

Dieser Kursanstieg ist mehr als eine gute Nachricht für den Steuerzahler. Er verändert auch die Machtverhältnisse im europäischen Bankensektor. Ein hoher Aktienkurs ist der beste Schutz gegen unerwünschte Übernahmen. Während die Commerzbank in Deutschland als verwundbar gilt und unter dem Konsolidierungsdruck in Europa leidet, wird ABN Amro mit jedem Euro Kurssteigerung unabhängiger. Die drittgrößte Bank der Niederlande hat damit eine Chance, die vielen anderen Krisenbanken verwehrt blieb: Sie könnte aus eigener Kraft überleben, ohne dass ein stärkerer Konkurrent sie schluckt.

Für den Finanzplatz Amsterdam ist das ein Segen. Für Frankfurt, wo die Commerzbank kämpft, ist es ein Lehrstück darüber, wie unterschiedlich die Wege aus einer Krise verlaufen können. Die Niederlande haben ihre Bank nicht nur gerettet – sie haben sie auch wieder lebensfähig gemacht.

Finanzminister Eelco Heinen sagte vor zwei Jahren, der Staat müsse das Paket für 31,49 Euro je Aktie verkaufen, um ohne großen Verlust herauszukommen
— Eelco Heinen, niederländischer Finanzminister
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