Elf Jahre nach der verheerenden Waldbrandkatastrophe von 2015 hüllt dichter Rauch erneut Teile Südostasiens ein – als ob die Zeit eine Lektion verweigert hätte. Indonesien, Malaysia und Singapur erleben, was geschieht, wenn wirtschaftliche Anreize stärker wirken als politische Versprechen: Torfmoore brennen, Kinder erkranken, Schulen schließen. Die Region steht vor der Frage, ob kollektives Handeln noch möglich ist, bevor das Klima die Abstände zwischen solchen Krisen weiter verkürzt.
Südostasien wiederholt Smog-Fehler: Elf Jahre nach 2015 ohne Besserung
Solange diese Nachfrage besteht, wird auch der Druck anhalten
Warum passiert das wieder? 2015 war doch ein Weckruf.
Es war einer, aber die Strukturen, die die Brände verursachen, sind nicht verschwunden. Torfmoore sind immer noch entwässert, Plantagen wachsen weiter, und Feuer bleibt die billigste Rodungsmethode.
Aber Indonesien hat doch eine Agentur gegründet, Gesetze verschärft, Unternehmen verklagt?
Ja, und das ist nicht nichts. Aber die Agentur wurde 2024 aufgelöst. Die Aufgaben wurden wieder verteilt. Das ist ein Zeichen, dass die Priorität gesunken ist.
Wer trägt die Verantwortung dafür, dass es wieder so schlimm wird?
Das ist kompliziert. Ja, die Regierungen hätten mehr tun können. Aber die Experten sagen auch: Solange wir billige Palmöl- und Zellstoffprodukte kaufen, bleibt der wirtschaftliche Druck bestehen.
Also ist es auch unsere Schuld als Verbraucher?
Nicht allein. Aber die Nachfrage nach günstigen Produkten treibt die Expansion an. Ohne diese Nachfrage würde der Druck, Wälder zu roden, sinken.
Was müsste passieren, um das zu stoppen?
ASEAN müsste echte Kapazitäten bündeln, nicht nur Abkommen schreiben. Länder müssten zusammenarbeiten, bevor die Krise kommt, nicht danach.
Aber ASEAN hat wenig Durchsetzungsmacht. Wie soll das funktionieren?
Das ist die zentrale Frage. Ohne echte Konsequenzen für Verstöße bleibt alles Papier.
Wird es wieder so schlimm wie 2015?
Die Experten warnen, dass es künftig häufiger passieren könnte, nicht weniger. Die Klimabedingungen werden schwächer, nicht stärker.
O Pulso
- Indonesien erlebt seine schlimmste Waldbrandsaison seit über einem Jahrzehnt – Sumatra, Borneo und Papua stehen in Flammen, der Rauch kennt keine Grenzen.
- Über 170.000 Atemwegsinfektionen wurden registriert, darunter mehr als 40.000 bei Kleinkindern; hunderte Schulen in Malaysia blieben geschlossen, 1,4 Millionen Schüler wechselten in den Fernunterricht.
- Trotz Aktionsplänen, Gerichtsurteilen gegen Palmölkonzerne und einer eigens gegründeten Torfmoor-Agentur wurden die Grundursachen – entwässerte Moore, Brandrodung, globale Nachfrage nach Billigprodukten – nie wirklich beseitigt.
- Die Torfmoor-Renaturierungsagentur wurde Ende 2024 aufgelöst, ihre Aufgaben auf verschiedene Ministerien verteilt – ein Symbol für die Zersplitterung politischer Verantwortung.
- Experten fordern echte regionale Zusammenarbeit innerhalb der ASEAN, nachhaltige Alternativen zur Brandrodung und ein stärkeres Bewusstsein der Verbraucher – doch die Zeit drängt, da der Klimawandel solche Krisen häufiger machen wird.
Elf Jahre nach der verheerenden Waldbrandkatastrophe von 2015 hüllt dichter Rauch erneut Teile Südostasiens ein – als ob die Zeit eine Lektion verweigert hätte. Indonesien, Malaysia und Singapur erleben, was geschieht, wenn wirtschaftliche Anreize stärker wirken als politische Versprechen: Torfmoore brennen, Kinder erkranken, Schulen schließen. Die Region steht vor der Frage, ob kollektives Handeln noch möglich ist, bevor das Klima die Abstände zwischen solchen Krisen weiter verkürzt.
Elf Jahre nach der Waldbrandkatastrophe von 2015 wiederholt sich das Szenario mit beängstigender Vertrautheit. Seit Wochen brennen Wälder auf Sumatra, Borneo und Papua; der Rauch driftet über Malaysia und Singapur. Indonesien erlebt seine schlimmste Brandsaison seit mehr als einem Jahrzehnt.
Die menschlichen Kosten sind schwer zu fassen: Über 170.000 Fälle akuter Atemwegsinfektionen wurden registriert, mehr als 40.000 davon bei Kleinkindern. Hunderte Schulen in Malaysia schlossen, 1,4 Millionen indonesische Schüler wechselten ins Fernlernen. Millionen Menschen atmen Luft, die sie krank macht – ohne Wahl.
Die Ursachen sind dieselben wie damals: Feuer als billige Rodungsmethode, entwässerte Torfmoore, die durch Palmöl- und Zellstoffplantagen beschädigt wurden, und ein El-Niño-Jahr, das die Dürre verlängert. Nach 2015 folgten Versprechen – eine Torfmoor-Agentur wurde gegründet, ASEAN verabschiedete neue Strategien, Gerichte verurteilten Unternehmen zu Schadensersatz. Doch Ende 2024 wurde die Agentur aufgelöst, ihre Aufgaben auf Ministerien verteilt. Die Fragmentierung der Verantwortung ist zurück.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Region sind sich einig: Solange die weltweite Nachfrage nach günstigem Palmöl, Zellstoff und Papier anhält, bleibt der Druck zur Waldrodung bestehen. ASEAN fehlen die Mittel, Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen. Meteorologische Frühwarnungen auf einen Super-El-Niño lagen bereits zu Jahresbeginn vor – gemeinsame Notfallmechanismen hätten längst aktiviert sein müssen. Der Smog, so die eindringliche Forderung der Experten, muss endlich als das behandelt werden, was er ist: eine regionale Katastrophe.
Elf Jahre sind vergangen seit der Waldbrandkatastrophe von 2015, die Südostasien in dichten Rauch hüllte und Millionen Menschen gefährdet hat. Damals versprachen die Regierungen der Region entschiedenes Handeln. Heute, im Oktober 2026, wiederholt sich das Szenario mit beängstigender Vertrautheit. Seit Wochen brennen Wälder und Flächen auf den indonesischen Inseln Sumatra, Borneo und Papua. Der entstehende Rauch driftet über Landesgrenzen hinweg nach Malaysia und Singapur. Indonesien erlebt seine schlimmste Waldbrandsaison seit mehr als zehn Jahren.
Die Zahlen sind bedrängend. Das indonesische Gesundheitsministerium registrierte zwischen August und Mitte September über 170.000 Fälle akuter Atemwegsinfektionen in den betroffenen Gebieten. Darunter befanden sich mehr als 40.000 erkrankte Kleinkinder. In Malaysia zwangen die Rauchkonzentrationen hunderte Schulen zur Schließung und zogen 1,4 Millionen indonesische Schüler ins Fernunterricht. Der Rauch enthält mikroskopisch kleine Partikel, die tief in die Lunge eindringen und Atemwegserkrankungen auslösen. Millionen Menschen sind dieser Belastung ausgesetzt, ohne dass sie eine Wahl haben.
Die Ursachen sind bekannt und hartnäckig. Eine ungewöhnlich lange Trockenzeit in Indonesien, verstärkt durch das El-Niño-Phänomen dieses Jahres, hat eine Krise verschärft, die inzwischen fast jährlich auftritt. Doch dahinter steckt ein tieferes Problem: Feuer wird seit langem als billige Methode zur Flächenrodung für die Landwirtschaft eingesetzt. Die Ausweitung von Palmöl- und Zellstoffholzplantagen hat große Torfmoorgebiete entwässert und beschädigt. Diese degradierten Moorflächen sind während Dürreperioden hochgradig brandanfällig. Die Parallelen zu 2015 sind unübersehbar. Damals zerstörten die Brände nach Angaben der Weltbank etwa 2,6 Millionen Hektar Land, verursachten monatelang dichten Smog in der ganzen Region und führten in Indonesien zu wirtschaftlichen Verlusten von geschätzten 16 Milliarden US-Dollar.
Nach dieser Katastrophe setzte eine Welle von Versprechungen ein. Indonesien verstärkte die Wiederherstellung von Torfmoorgebieten, baute die Brandüberwachung aus, verschärfte die Durchsetzung von Umweltvorschriften. Im Jahr 2016 gründete das Land eine eigene Agentur zur Renaturierung von Torfmooren mit dem ehrgeizigen Ziel, Millionen Hektar geschädigter Gebiete zu sanieren. Später wurde ihr Auftrag auf Mangroven ausgeweitet. Die Justiz begann, gegen Unternehmen vorzugehen: Ein Berufungsgericht verurteilte das Palmölunternehmen PT Banyu Kahuripan Indonesia 2025 zur Zahlung von etwa 14 Millionen Euro Schadensersatz für Umweltschäden auf über 3300 Hektar seiner Konzessionsflächen. Auf regionaler Ebene verabschiedete ASEAN, der Verband Südostasiatischer Nationen, neue Strategien für Torfmoor-Management und einen zweiten Fahrplan für eine rauchsmogfreie Region bis 2030.
Doch die Realität hat diese Versprechen eingeholt. Das grundlegende Problem besteht weiter fort, ebenso wie seine Ursachen. Große Flächen von Torfgebieten sind weiterhin geschädigt, darunter auch gerodete Flächen, die bislang nicht produktiv genutzt werden. Diese schlecht bewirtschafteten oder brachliegenden Moorflächen geraten während längerer Dürren leicht in Brand. Besonders bemerkenswert: Die Agentur für die Wiederherstellung von Torfmooren und Mangroven stellte Ende 2024 ihre Arbeit ein. Ihre Aufgaben wurden wieder auf verschiedene Ministerien und andere staatliche Institutionen verteilt—ein Rückschritt, der die Fragmentierung der Verantwortung widerspiegelt. Auch ASEAN stößt an seine Grenzen. Der Staatenbund verfügt über wenige Möglichkeiten, Regierungen zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen oder Versäumnisse zu sanktionieren.
Experten warnen vor einer sich verschärfenden Zukunft. Paruedee Nguitragool, außerordentliche Professorin an der Chiang Mai University in Thailand, erklärt, dass Rauchsmog, der früher vor allem ein Problem des maritimen Südostasien war, mittlerweile für die meisten Länder der Region zur Herausforderung geworden ist. Die Gefahr wächst, dass schwerer Rauchsmog aufgrund sich verschlechternder klimatischer Bedingungen künftig häufiger auftreten wird. Sie fordert alternative Methoden zur Flächenrodung, Anreize für deren Anwendung und Maßnahmen zur Wiederherstellung von Land- und Waldflächen. Verbraucher müssten sich bewusster machen, ob gekaufte Produkte aus nachhaltiger Produktion stammen. Die ASEAN-Regierungen müssten offener miteinander umgehen und enger zusammenarbeiten.
David Mark Taylor, Professor für tropischen Umweltwandel an der National University of Singapore, benennt die zentrale Blockade: Die Hauptursache des Problems ist die weltweite Nachfrage nach günstigen Plantagenprodukten wie Palmöl, Zellstoff und Papier. Solange diese Nachfrage besteht, wird auch der Druck anhalten, Torfgebiete und Wälder in Plantagen umzuwandeln. Helena Varkkey, Dozentin an der Universiti Malaya, warnt, dass eine echte Bündelung der Kapazitäten innerhalb der ASEAN erforderlich ist. Trotz aller Bemühungen verfügt Indonesien nicht über die Kapazitäten, diese Lage allein zu bewältigen. Die bestehenden ASEAN-Mechanismen für gemeinsame Notfallreaktionen hätten bereits vor Beginn der Smog-Saison einsatzbereit gemacht werden müssen—meteorologische Berichte hatten schon früh im Jahr auf einen bevorstehenden Super-El-Niño hingewiesen. Mohd Talib Latif, Professor an der Universiti Kebangsaan Malaysia, fordert strenge Gesetze zur Bekämpfung von Torf- und Waldbränden und die gemeinsame Nutzung aller verfügbaren Technologien zur Vorbereitung auf Trockenperioden. Der Smog, sagt er, muss als Katastrophe für diese Region betrachtet werden.
Citações Notáveis
Rauchsmog, der früher vor allem ein Problem im maritimen Südostasien war, ist mittlerweile für die meisten Länder der Region zu einer Herausforderung geworden— Paruedee Nguitragool, Chiang Mai University
Solange diese Nachfrage nach günstigen Plantagenprodukten besteht, wird auch der Druck anhalten, Torfgebiete und Wälder in Plantagen umzuwandeln— David Mark Taylor, National University of Singapore