Nach zweiundzwanzig Jahren übergibt der Kieler »Tatort« die Ermittlungen an eine neue Generation: Almila Bagriacik tritt als Mila Sahin in die Fußstapfen von Kommissar Borowski und führt ein rein weibliches Team in eine Welt aus Korruption und gebrochenem Vertrauen. Der Wechsel ist mehr als eine Besetzungsfrage – er spiegelt eine bewusste Neuverhandlung darüber, wessen Stimmen Gerechtigkeit suchen und wessen Verluste dabei sichtbar werden.
Kieler »Tatort« mit neuem Ermittlerinnen-Team: Wie hat Ihnen »Unter Freunden« gefallen?
Der Tatort komplett in weiblicher Hand – hochtourig inszeniert
Warum war es wichtig, dass Axel Milberg nach so langer Zeit geht? Das ist doch eine etablierte Figur.
Nach zweiundzwanzig Jahren und vierundvierzig Fällen hatte die Figur ihren Zyklus erfüllt. Ein Neuanfang braucht einen echten Schnitt, nicht nur eine Nebenrolle.
Aber die Frage ist: Funktioniert das neue Team wirklich, oder ist es nur eine Umbesetzung? Die erste Episode endet mit einem Tod – das ist dramatisch, aber trägt es die Geschichte?
Almila Bagriacik war lange Zeit Sahin, Borowskis Partnerin. Ist das nicht ein großer Sprung, von der Sidekick zur Hauptermittlerin?
Genau das ist der Punkt. Sie kennt das Revier, die Strukturen, die Leute. Sie bringt eine Geschichte mit sich, die nicht bei null anfängt.
Stimmt, aber die Episode endet mit einem ungelösten Fall und einer toten Kollegin. Das ist viel Ballast für einen Neuanfang. Wie soll das Team das verarbeiten?
Und diese Kriminalpsychologin Elli Krieger – ist sie wirklich eine Neuerung, oder nur eine Wiederholung des alten Musters?
Sie ist eine bewusste Wiederholung, aber mit neuer Besetzung. Lars Kraume hat das alte Erfolgsmodell genommen und es neu interpretiert. In der zweiten Episode wird sie stärker präsent sein.
Das ist das Risiko: Wenn man zu sehr an bewährten Mustern festhält, wirkt es wie eine Kopie. Aber wenn man zu viel ändert, verliert man die Zuschauer.
Le Pouls
- Nach 44 Fällen mit Axel Milberg bricht eine 22-jährige Ära ab – und das Kieler Revier steht vor einem Neuanfang ohne sein bekanntestes Gesicht.
- Korruption innerhalb der Polizei und kriminelle Verflechtungen mit einem Tech-Startup stellen das neue Team sofort vor eine Bewährungsprobe, bei der niemand unbedingt vertrauenswürdig ist.
- Die junge Polizistin Anna Novak stirbt, weil ein korrupter Kollege ihr Heroin statt Kokain unterjubelte – ein Tod, der Mila Sahin persönlich trifft und die Ermittlungen überschattet.
- Das neue Ermittlerinnen-Trio wird bewusst über zwei Episoden aufgebaut, wobei Kriminalpsychologin Elli Krieger erst in der zweiten Folge vollständig ins Spiel kommt.
- Die erste Episode wurde mit sieben von zehn Punkten bewertet – ein solider, aber noch nicht überzeugender Auftakt für eine Neuausrichtung, die das Publikum erst noch gewinnen muss.
Nach zweiundzwanzig Jahren übergibt der Kieler »Tatort« die Ermittlungen an eine neue Generation: Almila Bagriacik tritt als Mila Sahin in die Fußstapfen von Kommissar Borowski und führt ein rein weibliches Team in eine Welt aus Korruption und gebrochenem Vertrauen. Der Wechsel ist mehr als eine Besetzungsfrage – er spiegelt eine bewusste Neuverhandlung darüber, wessen Stimmen Gerechtigkeit suchen und wessen Verluste dabei sichtbar werden.
Nach zweiundzwanzig Jahren und vierundvierzig Fällen endet die Ära von Axel Milbergs Kommissar Borowski im Kieler »Tatort«. An seine Stelle tritt Almila Bagriacik als Mila Sahin – einst Sidekick, nun Hauptfigur –, begleitet von einem neuen, rein weiblichen Ermittlerinnen-Team. Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume baut diesen Neuanfang bewusst über zwei Episoden auf.
Die erste Folge, »Unter Freunden«, wirft die Zuschauer unmittelbar in ein Geflecht aus Korruption und kriminellen Verstrickungen rund um ein Technologie-Startup. Ein Ermittler aus der Wirtschaftskriminalität hat sich korrumpieren lassen und ist tief in die Machenschaften verstrickt – die Grenzen zwischen Polizeiapparat und Wirtschaft verschwimmen bedrohlich.
Das tragische Herzstück der Episode ist der Tod der jungen Polizistin Anna Novak, gespielt von Lilith Stangenberg. Die drogenabhängige Beamtin konsumiert, was sie für Kokain hält – doch der korrupte Kollege hat ihr Heroin untergeschoben. Novak stirbt, und hinterlässt ihre Freundin Mila Sahin mit offenen Wunden und ungelösten Fragen.
Karoline Schuch als Kriminalpsychologin Elli Krieger vervollständigt das neue Trio und erinnert strukturell an die frühere Konstellation mit Maren Eggerts Psychologin Frieda Jung. In der ersten Episode bleibt ihre Rolle noch zurückhaltend; die zweite Folge soll ihr mehr Raum geben. Die älteren männlichen Verwaltungsfiguren sind derweil auf Randrollen geschrumpft. Die erste Episode erhielt sieben von zehn Punkten – ein vielversprechender, wenn auch noch nicht makelloser Auftakt.
Nach zweiundzwanzig Jahren und vierundvierzig Fällen verabschiedet sich der Kieler »Tatort« von Axel Milberg und seinem Kommissar Borowski. An seine Stelle tritt Almila Bagriacik als Mila Sahin, eine Figur, die lange Zeit als Sidekick an Borowskis Seite stand. Mit ihr kommt ein ganzes neues Ermittlerinnen-Team in das Revier – eine Umgestaltung, die Lars Kraume, der Regisseur und Drehbuchautor, bewusst über zwei Episoden aufbaut.
Die erste Folge dieser Doppelepisode trägt den Titel »Unter Freunden« und wirft die Zuschauer sofort in ein Geflecht aus Korruption, Drogenabhängigkeit und kriminellen Verstrickungen. Im Zentrum steht ein Mord im Umfeld eines Technologie-Startups – ein Unternehmen, in das die einflussreichen Kreise der Stadt große Hoffnungen setzen. Doch schnell wird klar, dass die Grenzen zwischen Wirtschaft und Polizeiapparat verschwommen sind. Ein Ermittler aus der Abteilung für Wirtschaftskriminalität hat sich korrumpieren lassen und ist direkt in die kriminellen Machenschaften verstrickt.
Die tragische Wendung kommt am Ende der Episode: Die junge Polizistin Anna Novak, gespielt von Lilith Stangenberg, ist drogenabhängig. Sie konsumiert, was sie für Kokain hält – doch der korrupte Ermittler hat ihr Heroin untergejubelt. Novak bricht zusammen und stirbt. Sie hinterlässt ihre Freundin und Kollegin Mila Sahin mit offenen Ermittlungen und ungelösten Fragen zurück.
Die Neuaufstellung ist bewusst gewählt. Wo früher ältere männliche Kommissare das Revier dominierten, sind es nun Frauen, die die Ermittlungen führen. Karoline Schuch tritt als Kriminalpsychologin Elli Krieger auf – eine Rolle, die an die klassische Konstellation erinnert, in der Axel Milberg von Anfang an von Maren Eggerts Psychologin Frieda Jung unterstützt wurde. Diese analytische Komponente wird bewahrt, aber neu besetzt. In der ersten Episode bleibt Kriegers Rolle noch klein; in der zweiten Folge, die eine Woche später ausgestrahlt wird, soll sie stärker in die Ermittlungen eingebunden werden.
Die älteren Männer der Verwaltung sind nun Randfiguren, die vergeblich mit Bürokratie und Geschrei versuchen, die neue Ermittlerinnen-Energie zu bremsen. Der »Tatort« komplett in weiblicher Hand – trotz einiger fragwürdiger Dialoge eine hochtourig inszenierte Neuaufstellung. Die erste Episode erhielt in der Bewertung sieben von zehn Punkten. Ob diese Neuausrichtung beim Publikum verfängt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Citations marquantes
Neue Sheriffs in Borowski-City – das neue Ermittlerinnentableau wird über zwei Folgen aufgebaut— Der Spiegel, Schnellcheck zur Episode