Bauzinsen klettern auf 4,5 Prozent; Kaufanfragen für Häuser und Wohnungen sanken zwischen Mai und September um sieben Prozent. Preise halten sich, weil wohlhabende Haushalte mit hohen Einkommen und Vermögen weiterhin kaufen – die breite Masse kann sich Eigenheim nicht leisten.
Immobilienpreise steigen trotz sinkender Nachfrage – ein Phänomen der Wohlhabenden
Nur die Wohlhabenden kaufen noch – und das reicht aus, um die Preise oben zu halten.
Wie kann es sein, dass Preise steigen, wenn weniger Menschen kaufen wollen?
Weil nicht alle Menschen gleich sind. Die wohlhabenden Haushalte mit hohen Einkommen und Vermögen kaufen weiter, während die breite Masse ausgeschlossen ist. Diese kleine Gruppe reicht aus, um die Preise oben zu halten.
Aber wie viele sind das wirklich? Der Text sagt "relativ gesehen nicht so viele", aber gibt keine Zahl. Wir wissen nicht, ob das fünf Prozent oder 20 Prozent der Käufer sind.
Warum können Menschen, die vor zehn Jahren gekauft haben, ihre Kredite nicht mehr bedienen?
Sie haben bei Zinsen von einem Prozent gekauft. Jetzt sind es 4,5 Prozent. Wenn der Kredit ausläuft und sie neu finanzieren müssen, können sie sich die neuen Raten nicht leisten.
Das ist ein echtes Problem, aber der Text sagt nicht, wie viele Haushalte davon betroffen sind. Es ist eine Warnung, aber keine gemessene Krise – noch nicht.
Was würde den Markt wirklich entspannen?
Mehr Wohnungsangebot. Wenn es mehr Häuser und Wohnungen gibt, sinken die Preise durch Wettbewerb. Daneben braucht es staatliche Anreize – Steuererleichterungen, niedrigere Notarkosten, Förderung für Modernisierung.
Das sind Vorschläge von Experten, aber es gibt keine Anzeichen, dass die Politik das umsetzt. Der Text zeigt, was nötig wäre, nicht, was passiert.
Spielen ländliche Regionen eine Rolle?
Ja. Dort sind die Preise niedriger, weil das Angebot größer ist. Aber Menschen ziehen trotzdem in die Ballungsräume, weil dort die Jobs und die Infrastruktur sind. Um das zu ändern, müssten ländliche Regionen massiv in ÖPNV, Kultur und Sportangebote investieren.
Das ist langfristig gedacht, aber es ist auch sehr vage. "Könnte Wirkung zeigen" ist nicht dasselbe wie "wird funktionieren". Niemand weiß, ob solche Investitionen Menschen wirklich aufs Land bringen würden.
El Pulso
- Bauzinsen sind auf etwa 4,5 Prozent gestiegen, von unter einem Prozent in der Niedrigzinsphase
- Kaufanfragen für Häuser und Wohnungen sanken zwischen Mai und September um sieben Prozent
- Das Angebot an Eigentumswohnungen hat sich seit 2022 verdoppelt, Ein- und Zweifamilienhäuser um 140 Prozent
- Immobilienpreise stiegen im zweiten Quartal 2026 nur noch um 0,6 Prozent, aber weiter nach oben
Bauzinsen klettern auf 4,5 Prozent; Kaufanfragen für Häuser und Wohnungen sanken zwischen Mai und September um sieben Prozent. Preise halten sich, weil wohlhabende Haushalte mit hohen Einkommen und Vermögen weiterhin kaufen – die breite Masse kann sich Eigenheim nicht leisten.
Wohnimmobilienpreise legen weiter zu, obwohl Bauzinsen gestiegen sind und die Nachfrage sinkt. Nur wohlhabende Haushalte können noch kaufen, während breite Bevölkerungsschichten vom Eigentumsmarkt ausgeschlossen werden.
Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage. Beides passiert zur gleichen Zeit, und das wirkt auf den ersten Blick wie ein Widerspruch – doch es ist einer, der sich auflöst, sobald man genauer hinschaut.
Seit 2022, dem Jahr der sogenannten Zinswende, haben sich die Bedingungen für Hauskäufer fundamental verschärft. Die Bauzinsen sind von historischen Tiefständen – teilweise unter ein Prozent – auf aktuell etwa 4,5 Prozent geklettert. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs im Februar dieses Jahres zogen die Zinsen noch weiter an. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank, beobachtet die Folgen unmittelbar: Die Nachfrage nach neuen Baukrediten ist über den Sommer deutlich eingebrochen. Beim Online-Portal Immoscout24 zeigt sich das in harten Zahlen – zwischen Mai und September gingen die Kaufanfragen für Häuser und Eigentumswohnungen um sieben Prozent zurück. Gleichzeitig schnellte die Nachfrage nach Mietobjekten um zwölf Prozent in die Höhe. Menschen, die sich Eigenheim nicht mehr leisten können, weichen auf Miete aus.
Das Angebot aber wächst. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft waren im zweiten Quartal 2026 bundesweit nahezu doppelt so viele Eigentumswohnungen zum Verkauf inseriert wie im ersten Quartal 2022. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern lag der Anstieg bei etwa 140 Prozent. Das klingt nach einem klassischen Markt, in dem steigende Angebote die Preise drücken sollten. Doch genau das passiert nicht. Die Preise sind im zweiten Quartal 2026 zwar langsamer gestiegen als in früheren Jahren – nur noch um 0,6 Prozent – aber sie sind weiter gestiegen. Das Phänomen verwirrt, und es braucht einen Blick hinter die Durchschnittszahlen, um es zu verstehen.
Pekka Sagner vom Institut der deutschen Wirtschaft bringt es auf den Punkt: Auf dem Immobilienmarkt kommt es nicht darauf an, was der durchschnittliche Haushalt kann oder will. Entscheidend ist der sogenannte marginale Haushalt – derjenige, der gerade noch kauft. Das sind Menschen mit hohen Einkommen, mit geerbten Immobilien oder Finanzvermögen im Hintergrund. Für sie sind höhere Zinsen und Preise ein Ärgernis, aber kein Hindernis. Sie sind relativ wenige, aber es reicht aus, um die Preise oben zu halten. Während die breite Masse unter gestiegenen Bauzinsen, strengeren Kreditanforderungen der Banken, Inflation und Jobunsicherheit ächzt, kaufen die Wohlhabenden weiter. Der Kreis derjenigen, die sich selbstgenutztes Wohneigentum leisten können, ist nach Sagners Einschätzung deutlich kleiner als noch Ende der 2010er Jahre, als Bauzinsen von einem Prozent normal waren.
Es gibt noch ein zweites Problem: Viele private Immobilienbesitzer, die vor zehn oder fünfzehn Jahren während der Niedrigzinsphase gekauft haben, können ihre Anschlussfinanzierungen nicht mehr stemmen. Sie sitzen in Häusern oder Wohnungen fest, die sie sich bei heutigen Zinsen nie hätten leisten können. Manche werden gezwungen sein zu verkaufen – was das Angebot weiter vergrößert, ohne dass es die Preise senkt, weil die Käuferschaft so dünn geworden ist.
Was könnte Abhilfe schaffen? Die Experten sind sich einig, dass es mehr Wohnungsangebot braucht. Christian Langosch von HQ Trust sagt es direkt: Man müsse einfach mehr bauen. Nur wenn das Angebot wächst, kann der Wettbewerb die Preise regulieren. Daneben schlagen Experten staatliche Anreize vor – Entlastungen bei Grund- und Notarkosten, die Möglichkeit, Kreditzinsen auch bei Selbstnutzung einer Immobilie steuerlich geltend zu machen, oder Förderung für die klimagerechte Modernisierung von Bestandsimmobilien aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Carsten Brzeski warnt: Ohne solche Anreize wird niemand freiwillig modernisieren, wenn die Bau- und Zinskosten so hoch sind.
Ein weiterer Punkt liegt in der regionalen Verteilung. Während die Ballungsräume weiter wachsen und extreme Preishöhen erreichen, schrumpfen ländliche Regionen. Dort gibt es mehr Angebot und niedrigere Preise – aber auch weniger Arbeitsplätze, schlechtere öffentliche Verkehrsanbindung und weniger kulturelle Angebote. Um diese Regionen attraktiver zu machen und damit Druck aus den Ballungsräumen zu nehmen, müssten Investitionen in öffentliche Infrastruktur, ÖPNV, Sportangebote und kulturelle Einrichtungen fließen. Das ist kein schneller Prozess, aber Sagner hält es für möglich, dass es wirken könnte. Solange das nicht geschieht, bleibt der Immobilienmarkt ein Ort, an dem Preise und Nachfrage entkoppelt sind – und an dem der Traum vom eigenen Haus für immer mehr Menschen unerreichbar wird.
Citas Notables
Auf dem Immobilienmarkt kommt es nicht auf den durchschnittlichen Haushalt an, sondern auf den marginalen Haushalt – denjenigen, der die nötige Einkommens- und Vermögensgrenze nehmen kann.— Pekka Sagner, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft
Der Kreis derjenigen, die sich potenziell selbstgenutztes Wohneigentum leisten können, ist zurzeit deutlich kleiner als beispielsweise Ende der 2010er Jahre.— Pekka Sagner, Institut der deutschen Wirtschaft