Galeria beantragte die vierte Insolvenz seit 2020. Der Geschäftsbetrieb soll vorerst weiterlaufen, während das Unternehmen stabilisiert werden soll. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert haarsträubende Managementfehler und fehlende nachhaltige Investitionen durch die Gesellschafter als Ursachen der Krise.
Galeria meldet vierte Insolvenz in sechs Jahren an
Die Beschäftigten brauchen einen Plan, keine Nebelkerzen
Warum ist das vierte Insolvenzverfahren in sechs Jahren so bemerkenswert? Das klingt, als hätte das Unternehmen ja mehrere Chancen bekommen.
Genau das ist der Punkt – die Gläubiger haben Milliarden verzichtet, um Galeria zu retten. Aber jedes Mal kam es zu neuen Krisen. Das deutet darauf hin, dass die strukturellen Probleme nicht gelöst wurden.
Aber wir sollten hier unterscheiden: Sind die Probleme hausgemacht – also Managementfehler, wie ver.di sagt – oder ist es einfach ein Markt, in dem große Warenhäuser nicht mehr funktionieren?
Beides vermutlich. Der Einzelhandel hat sich grundlegend verändert. Aber ver.di kritisiert konkret, dass die Gesellschafter nicht in das Unternehmen investiert haben.
Und was passiert jetzt mit den 12.000 Mitarbeitern?
Das ist unklar. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter, aber ob alle ihre Arbeitsplätze behalten, ob sie Insolvenzgeld bekommen – das wissen wir nicht. Das ist das Beängstigende für diese Menschen.
Und die Gewerkschaft fordert Klarheit. Sie sagt, die Beschäftigten brauchen einen konkreten Plan, nicht vage Hoffnungen.
Ist Galeria wirklich die letzte große Warenhauskette in Deutschland?
Nach den Daten des EHI ja – zumindest in dieser Größenordnung. Es gibt noch kleinere Anbieter, aber Galeria ist die letzte im klassischen Sinne. Wenn die zusammenbricht, ist eine ganze Einzelhandelsform vorbei.
Das ist auch symbolisch wichtig. Warenhäuser waren lange Zeit das Herz der Innenstädte. Ihr Verschwinden verändert die Städte selbst.
O Pulso
- Vierte Insolvenzanmeldung seit 2020
- Etwa 12.000 Mitarbeiter in 83 Filialen betroffen
- Marktanteil von Warenhäusern sank von 4,2 auf 1,2 Prozent seit 2020
- Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen in bisherigen Verfahren
Galeria beantragte die vierte Insolvenz seit 2020. Der Geschäftsbetrieb soll vorerst weiterlaufen, während das Unternehmen stabilisiert werden soll. Die Gewerkschaft ver.di kritisiert haarsträubende Managementfehler und fehlende nachhaltige Investitionen durch die Gesellschafter als Ursachen der Krise.
Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria hat erneut Insolvenz beim Amtsgericht Düsseldorf angemeldet – bereits die vierte innerhalb von sechs Jahren. Etwa 12.000 Mitarbeiter in 83 Filialen bangen um ihre Arbeitsplätze.
Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut einen Insolvenzantrag eingereicht – es ist bereits die vierte Anmeldung innerhalb von sechs Jahren. Mit dieser Entwicklung steht nicht nur das Schicksal von etwa 12.000 Beschäftigten in den 83 Filialen in Frage, sondern möglicherweise auch das Ende einer ganzen Einzelhandelsepoche in Deutschland.
Das Unternehmen teilte mit, dass der Geschäftsbetrieb in den Warenhäusern zunächst weiterlaufen soll. Die Insolvenzanmeldung schaffe den rechtlichen Rahmen, um die gegenwärtige Lage zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Grundlagen für eine dauerhafte Zukunft zu schaffen, hieß es in einer Mitteilung. Doch für die Arbeitnehmer bleibt vieles ungewiss: Ob sie Insolvenzgeld erhalten werden, welche Standorte geschlossen werden könnten – all das ist derzeit offen.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sieht die Situation kritisch. Silke Zimmer, Bundesfachbereichsleiterin Handel bei ver.di, spricht von "haarsträubenden Managementfehlern" als Ursache für die erneute Insolvenz. Sie wirft den Gesellschaftern vor, dass nachhaltige Investitionen in den vergangenen Jahren ausblieben. "Die Beschäftigten brauchen jetzt einen Plan für die Zukunft und keine Nebelkerzen", forderte Zimmer und beschrieb die Lage der Arbeitnehmer als von "völliger Ungewissheit" geprägt.
Diese vierte Insolvenzanmeldung folgt auf Anträge aus den Jahren 2020, 2022 und 2024. Nach jedem Verfahren mussten Filialen geschlossen werden. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Warenhauskette überhaupt eine Chance auf Rettung zu geben. Vor zweieinhalb Jahren, damals noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, hatte das Unternehmen seinen letzten Antrag gestellt – ausgelöst durch die Schieflage des Mutterkonzerns Signa. Damals mussten neun der damals 92 Warenhäuser ihre Türen schließen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die traditionsreichen Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen. Im Juli kündigte das Unternehmen an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über neue Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sollten diese Filialen geschlossen werden. Alle verbleibenden Häuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften, lautete die Vorgabe.
Die Krise der Galeria ist Teil einer größeren Verschiebung im deutschen Einzelhandel. Nach Daten des Handelsforschungsinstituts EHI sanken die Marktanteile von Kauf- und Warenhäusern seit 2020 dramatisch – von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. Diese Quote umfasst neben Galeria auch Handelsketten wie Müller und Woolworth. Kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz existieren noch, doch ein Zusammenbruch von Galeria würde das Ende der klassischen Warenhaus-Ära in Deutschland bedeuten. Was einmal das Rückgrat des urbanen Einzelhandels war, ist zur Randerscheinung geworden – und könnte bald ganz verschwinden.
Citações Notáveis
Haarsträubende Managementfehler haben zu der erneuten Insolvenz geführt; nachhaltige Investitionen durch die Gesellschafter sind ausgeblieben.— Silke Zimmer, Bundesfachbereichsleiterin Handel bei ver.di