Friedensnobelpreis an südafrikanische Menschenrechtlerin Navi Pillay

Genau dieser Mut fehlt heute vielen Regierungen
Amnesty International würdigt Pillays Bereitschaft, Verbrechen unabhängig von politischen Interessen beim Namen zu nennen.
Mark

Warum ist diese Auszeichnung gerade jetzt so bedeutsam?

Mimi

Das Komitee betont, dass es um die Verteidigung der regelgestützten internationalen Ordnung geht – in einer Zeit, in der Kriege zunehmen und Regierungen das Völkerrecht selektiv anwenden.

Luke

Das ist wichtig zu verstehen: Das Komitee sagt nicht, dass Pillay für einen bestimmten Konflikt ausgezeichnet wird, sondern für ihre Lebensarbeit zur Stärkung internationaler Rechtsinstitutionen.

Mark

Aber Pillays Bericht zu Gaza wird doch erwähnt – ist das nicht der Grund für die Auszeichnung?

Mimi

Der Bericht ist Teil ihres Werkes, aber nicht der alleinige Grund. Ihre Karriere umfasst Jahrzehnte: Anti-Apartheid-Arbeit, der Internationale Strafgerichtshof, ihre Zeit als UN-Hochkommissarin.

Luke

Genau. Und das ist auch der Grund, warum Israel so heftig reagiert. Die Auszeichnung verleiht Pillays Gaza-Bericht zusätzliches Gewicht, auch wenn das Komitee ihn nicht explizit als Grund nennt.

Mark

Wie hat Pillay selbst auf die Nachricht reagiert?

Mimi

Mit einer Art skeptischer Vorsicht – sie wollte es erst überprüfen, bevor sie es glaubte. Aber sie betonte auch, dass es passend war, von Freunden und Kollegen umgeben zu sein, die sich ebenfalls für Menschenrechte einsetzen.

Luke

Das ist eine bemerkenswerte Reaktion für jemanden, der sein ganzes Leben dem Recht gewidmet hat. Sie vertraut dem System, das sie selbst mitgestaltet hat.

Mark

Was bedeutet diese Auszeichnung für die Zukunft des internationalen Rechts?

Mimi

Das Komitee sendet ein Signal: In einer Zeit von Kriegen und politischem Druck braucht es Menschen, die die Normen verteidigen, auf die sich die Welt geeinigt hat.

Luke

Aber wir sollten ehrlich sein: Eine Auszeichnung ändert nicht, dass Länder wie die USA oder Russland den Internationalen Strafgerichtshof nicht anerkennen. Das Problem ist strukturell, nicht individuell.

  • Navanethem Pillay, 85 Jahre alt, erhält den Friedensnobelpreis 2026
  • Erste nicht-weiße Richterin Südafrikas (1995), Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (2003–2008), UN-Hochkommissarin für Menschenrechte (2008–2014)
  • Leitete UN-Kommission, die Israel im September 2025 Völkermord im Gazastreifen vorwarf
  • Preis dotiert mit 12 Millionen schwedischen Kronen (über 1 Million Euro), Verleihung am 10. Dezember in Oslo

Die 85-jährige Pillay wird für ihre Bemühungen um Friedensförderung und Völkerrecht geehrt, insbesondere für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Pillay war erste nicht-weiße Richterin Südafrikas, arbeitete am Internationalen Strafgerichtshof und war UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Sie leitete eine UN-Kommission, die Israel Völkermord im Gazastreifen vorwarf.

Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026 für ihr Engagement für Völkerrecht und die Verfolgung von Kriegsverbrechen. Das Nobelkomitee würdigt ihre Arbeit zur Stärkung der internationalen Rechtsstaatlichkeit.

Die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Das Nobelkomitee in Oslo gab die Entscheidung am Freitag bekannt und würdigte die 85-Jährige für ihren jahrzehntelangen Einsatz zur Förderung des Völkerrechts und zur strafrechtlichen Verfolgung von Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.

Pillay wurde in Durban geboren und stammt aus einer Familie indisch-tamilischer Herkunft. Seit den 1960er-Jahren arbeitet sie als Anwältin. In dieser Zeit verteidigte sie Anti-Apartheid-Aktivisten und setzte sich gegen Folter ein. 1995 wurde sie als erste nicht-weiße Richterin an das Obere Gericht Südafrikas berufen. Später arbeitete sie am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und war von 2003 bis 2008 Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Von 2008 bis 2014 amtete sie als UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. In ihrer jüngsten Funktion leitete sie eine UN-Untersuchungskommission zu den palästinensischen Gebieten, die im September 2025 einen Bericht vorlegte, in dem sie Israel einen Völkermord im Gazastreifen vorwarf.

Die Nachricht der Auszeichnung erreichte Pillay auf einer Tagung zum 80. Jubiläum der UN-Charta in Nürnberg. Sie reagierte zunächst mit Skepsis. "Als Juristin und Richterin möchte ich das noch überprüfen", sagte sie. Sie betonte, dass es sehr passend sei, in diesem Moment mit Freunden und Kollegen zusammen zu sein, die sich ebenfalls für Menschenrechte einsetzen.

Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, erklärte, dass Pillay "maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden." Er bezeichnete sie als eine der wichtigsten Rechtsexpertinnen unserer Zeit. Das Komitee verwies in seiner Begründung auf die zunehmende Zahl von Kriegen und Konflikten sowie auf den wachsenden politischen Druck auf Richter und Institutionen des internationalen Rechts. Frydnes betonte, dass Rechtsstaatlichkeit das Fundament des Systems bilde, das man geschaffen habe, um Frieden zu sichern und Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Die Auszeichnung stieß auf breite internationale Anerkennung. Das UN-Menschenrechtsbüro würdigte Pillays langjähriges Engagement und erklärte, dass die Auszeichnung "die Notwendigkeit und den Wert der Menschenrechte unterstreicht – heute mehr denn je". Amnesty International begrüßte die Ehrung als das "richtige Signal zur richtigen Zeit" und hob hervor, dass Pillay sich nie gescheut habe, Verbrechen beim Namen zu nennen, unabhängig davon, wer sie begangen habe. Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, betonte: "Genau dieser Mut fehlt heute vielen Regierungen, die das Völkerrecht nur dann verteidigen, wenn es ihnen politisch passt." Die Bundesregierung gratulierte Pillay und würdigte ihr "großes persönliches Engagement und beeindruckende Beharrlichkeit für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Durchsetzung des Völkerrechts". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, dass nur wenige ihr Leben so sehr der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Menschenwürde gewidmet hätten.

Vehemente Kritik kam aus Israel. Das israelische Außenministerium sprach in einer Stellungnahme in sozialen Medien von einer "grotesken Instrumentalisierung einer Auszeichnung, um anti-israelischen Hass und Vorurteile zu legitimieren." Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte den Vorwurf des Völkermords erst kürzlich als "größte Lüge des Jahrhunderts" bezeichnet.

Der Friedensnobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert – umgerechnet etwas mehr als eine Million Euro. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Anders als die anderen Nobelpreise wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm, sondern in Oslo überreicht. Das Nobelkomitee hatte die Wahl aus 287 Nominierten.

Als Juristin und Richterin möchte ich das noch überprüfen
— Navanethem Pillay, auf die Nachricht ihrer Auszeichnung reagierend
Genau dieser Mut fehlt heute vielen Regierungen, die das Völkerrecht nur dann verteidigen, wenn es ihnen politisch passt
— Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland
Vuoi la storia completa? Leggi l'originale su tagesschau ↗
Contattaci Domande frequenti