Das Bahnhofsviertel hat ein Imageproblem: Zwischen Drogenszene, Kriminalität und Elend entstehen Vorurteile, die weit über Frankfurt hinaus bekannt sind. Die Probleme sind real – Drogenabhängige, Einzelhandelniedergang, aggressives Betteln – aber das Viertel ist weder Sozialromantik noch Zombieland.
Frankfurter Bahnhofsviertel: Handeln statt Angst schüren
Angst verbessert nichts, nur Handeln tut das.
Warum wird das Bahnhofsviertel eigentlich so anders wahrgenommen als andere Problemviertel in Deutschland?
Das hat viel mit Geschichte zu tun. Das Viertel wurde lange als exotisches Touristenziel vermarktet – Bordelle, Prostitution, das Unkonventionelle. Das hat sich in den Köpfen festgesetzt. Dann kam Corona, die Probleme wurden sichtbarer, und plötzlich war das gleiche Viertel nur noch Horror.
Aber sind die Probleme wirklich größer als anderswo, oder ist es nur die Wahrnehmung?
Beides. Die Drogenszene ist real, die Kriminalität ist real. Aber ja, die Wahrnehmung ist überzeichnet. Das Viertel ist weder Sozialromantik noch Zombieland.
Was macht die Stadt denn konkret?
Die Polizei hat ihre Präsenz erhöht. Und jetzt arbeiten die Dezernenten zusammen – das ist neu. Sie sprechen mit Gastronomen, es gibt ein Förderprogramm für das Straßenbild.
Aber reicht das? Die Haushaltslage ist angespannt, die geplante Aufstockung der Stadtpolizei ist unklar.
Das ist der Knackpunkt. Die Stadt hat den Willen, aber nicht unbedingt die Mittel. Das wird noch ein Kampf.
Also: Hoffnung, aber mit Vorsicht?
Genau. Hoffnung, weil endlich koordiniert gehandelt wird. Vorsicht, weil die Finanzierung fragwürdig ist.
Der Puls
- Das Bahnhofsviertel hat ein internationales Imageproblem – bekannt von New York bis Bremen
- Polizeipräsenz wurde deutlich erhöht; Dezernenten arbeiten koordiniert zusammen
- Geplante Aufstockung der Stadtpolizei-Stellen ist wegen Sparauflagen des Landes unklar
Das Bahnhofsviertel hat ein Imageproblem: Zwischen Drogenszene, Kriminalität und Elend entstehen Vorurteile, die weit über Frankfurt hinaus bekannt sind. Die Probleme sind real – Drogenabhängige, Einzelhandelniedergang, aggressives Betteln – aber das Viertel ist weder Sozialromantik noch Zombieland.
Zur Frankfurter Buchmesse wird wieder über das Bahnhofsviertel diskutiert. Die Stadt sollte durch koordinierte Maßnahmen und Polizeipräsenz Besuchern Angst nehmen, statt in Stereotypen zu verfallen.
Jedes Jahr zur Frankfurter Buchmesse wird das gleiche Gespräch geführt: Hoteliers berichten ihren Gästen von der Angst vor dem Bahnhofsviertel, und Besucher aus aller Welt – ob aus New York oder Bremen – haben längst vom schlechten Ruf des Frankfurter Stadtteils gehört. Die Wahrnehmung ist verfestigt, die Vorbehalte sind groß. Doch wie entsteht dieses Bild, und entspricht es der Realität?
Die Antwort ist kompliziert. Das Bahnhofsviertel ist tatsächlich ein Sorgenviertel Frankfurts. Drogenszene und Kriminalität prägen das Straßenbild, das Elend der Drogenabhängigen ist unübersehbar, und das Leid ist real. Aber die öffentliche Wahrnehmung speist sich aus einer merkwürdigen Mischung: Alte Imagekampagnen aus der Zeit vor Corona, die das Viertel als exotisches Faszinosum mit Bordellen und Prostitution beworbenen, treffen auf die düsteren Bilder der Jahre danach, als die sozialen Probleme sichtbarer wurden. Britische Boulevardmedien haben das Viertel vor Jahren als "Zombieland" dargestellt – eine Charakterisierung, die sich hartnäckig in den Köpfen festgesetzt hat.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt ein differenzierteres Bild. Das Bahnhofsviertel ist weder das romantisierte Abenteuer früherer Werbekampagnen noch die apokalyptische Horrorzone, die manche Medien zeichnen. Es ist ein Stadtteil, der unter denselben Problemen leidet wie viele andere Innenstädte: Der Einzelhandel schrumpft, der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt, Müll sammelt sich im öffentlichen Raum, und aggressives Betteln nimmt zu. Dazwischen existiert ein mehr oder weniger normales Leben – zum Glück.
Die Frage lautet also nicht, ob das Bahnhofsviertel Probleme hat. Die Frage lautet: Was tut die Stadt dagegen? Hier zeigen sich erste Hoffnungszeichen. Die Polizei hat ihre Präsenz deutlich erhöht und ist sichtbar im Viertel präsent – ein Unterschied zu früheren Jahren. Noch wichtiger aber ist, dass die Stadtregierung beginnt, koordiniert zu handeln. Oberbürgermeister Mike Josef und die Dezernenten Marcus Gwechenberger (Planung), Yannick Schwander (Mobilität) und Martin-Benedikt Schäfer (Ordnung) waren gemeinsam vor Ort, um mit Gastronomen über die Situation zu sprechen und Konflikte um Außengastronomie-Flächen zu klären. Das Planungsdezernat hat ein Förderprogramm zur Gestaltung des Straßenbilds angekündigt.
Doch es gibt auch Hürden. Die Haushaltslage der Stadt ist angespannt, und die Sparvorgaben des hessischen Innenministeriums machen es schwer, beschlossene Maßnahmen umzusetzen – etwa die geplante Aufstockung der Stellen für die Stadtpolizei. Die Kommunalpolitiker werden sich damit noch intensiv auseinandersetzen müssen. Dennoch ist klar: Angst schürt keine Verbesserungen. Nur Handeln tut das. Die neue Frankfurter Stadtregierung hat die Chance, das Bahnhofsviertel nicht als Projektionsfläche für Angst oder Romantik zu behandeln, sondern als das, was es ist – ein Stadtteil mit echten Problemen, die echte Lösungen brauchen.
Bemerkenswerte Zitate
Das Bahnhofsviertel ist weder Sozialromantik noch Zombieland, sondern ein Stadtteil mit echten Problemen, die echte Lösungen brauchen.— Redaktionelle Analyse