EU-Schulden könnten bis 2027 auf eine Billion Euro anwachsen, mit Zinsausgaben von bis zu 93 Milliarden Euro jährlich ab 2028. 3,8 Prozent der EU-Haushaltsausgaben waren fehlerhaft, entsprechend etwa 6,7 Milliarden Euro bei Verstößen gegen EU-Vorschriften.
EU-Rechnungshof warnt vor Billionen-Schulden bis 2027
Geld, das für Zinsen ausgegeben wird, fehlt für Investitionen
Was bedeutet es praktisch, wenn die EU-Schulden bis 2027 wirklich eine Billion Euro erreichen?
Es bedeutet, dass die Union weniger Handlungsfähigkeit hat. Geld, das für Zinsen ausgegeben wird, fehlt für Investitionen, für Forschung, für die Unterstützung ärmerer Regionen. Die 93 Milliarden Euro jährlich ab 2028 sind nicht klein.
Aber wir sollten hier präzise sein: Das ist eine Warnung des Rechnungshofs, keine Prognose, die garantiert eintritt. Es hängt davon ab, wie die Mitgliedstaaten ihre Haushalte führen, wie die Wirtschaft wächst, wie die Zinssätze sich entwickeln.
Und diese 6,7 Milliarden Euro in Unregelmäßigkeiten — ist das Betrug?
Der Rechnungshof sagt explizit nein. Es sind Verstöße gegen Regeln, aber nicht unbedingt kriminell. Manche sind Verwaltungsfehler, manche sind Projekte, die nicht hätten finanziert werden dürfen.
Genau. Und die Quote ist eine Schätzung, nicht eine genaue Messung. Der Rechnungshof kann nicht jede einzelne Transaktion überprüfen. Das ist wichtig zu verstehen.
Warum steigt die Fehlerquote? Ist das System außer Kontrolle?
Es gibt mehrere Faktoren. Die EU hat mehr Geld ausgegeben, besonders nach der Pandemie. Mehr Geld bedeutet mehr Chancen für Fehler. Und die Regeln für die Vergabe öffentlicher Aufträge sind komplex.
Aber wir wissen nicht, ob die Quote wirklich steigt, weil das System schlechter wird, oder weil der Rechnungshof besser hinschaut. Das ist ein wichtiger Unterschied, und der Bericht sagt uns das nicht.
Was passiert jetzt? Muss Deutschland mehr zahlen?
Das ist die große Frage. Caspary rechnet damit, dass die Mitgliedstaaten ihre Beiträge erhöhen müssen. Deutschland als größter Nettozahler wird das besonders treffen.
Aber das ist noch keine Entscheidung. Das ist eine Warnung. Die Mitgliedstaaten müssen sich einigen, und das ist politisch kompliziert. Es könnte auch zu Sparmaßnahmen oder zu einer Umstrukturierung der Ausgaben führen.
Der Puls
- EU-Schulden könnten bis 2027 auf eine Billion Euro anwachsen
- Zinsausgaben von bis zu 93 Milliarden Euro jährlich ab 2028
- 3,8 Prozent der Haushaltsausgaben waren fehlerhaft, etwa 6,7 Milliarden Euro
- Fehlerquote ist von 3,6 Prozent (Vorjahr) auf 3,8 Prozent gestiegen
EU-Schulden könnten bis 2027 auf eine Billion Euro anwachsen, mit Zinsausgaben von bis zu 93 Milliarden Euro jährlich ab 2028. 3,8 Prozent der EU-Haushaltsausgaben waren fehlerhaft, entsprechend etwa 6,7 Milliarden Euro bei Verstößen gegen EU-Vorschriften.
Der Europäische Rechnungshof warnt vor steigenden EU-Schulden bis zu einer Billion Euro bis 2027 und entdeckt Unregelmäßigkeiten in Milliardenhöhe bei der Haushaltsausführung.
Der Europäische Rechnungshof hat Alarm geschlagen. In einem neuen Bericht warnt die unabhängige Kontrollbehörde, dass die Schulden der Europäischen Union bis zum Jahr 2027 auf bis zu eine Billion Euro anwachsen könnten — eine Summe, die die finanzielle Stabilität des Blocks gefährdet. Noch besorgniserregender sind die Zinslasten, die folgen werden: Zwischen 2028 und 2034 rechnet der Rechnungshof damit, dass die EU allein für Zinszahlungen bis zu 93 Milliarden Euro pro Jahr aufbringen muss. Das ist Geld, das nicht mehr für andere Aufgaben zur Verfügung steht.
Daniel Caspary, das deutsche Mitglied des Rechnungshofs, sieht die Konsequenzen klar vor Augen. Er geht davon aus, dass die Mitgliedstaaten mittelfristig ihre Beitragszahlungen erheblich erhöhen müssen — und Deutschland, als größter Nettozahler der Union, wird diesen Anstieg besonders spüren. Das bedeutet konkret: Mehr Geld aus Berlin nach Brüssel, weniger Spielraum für nationale Haushalte.
Doch die Schuldenwarnung ist nur die eine Seite der Bilanz. Bei der jährlichen Überprüfung der EU-Ausgaben haben die Prüfer des Rechnungshofs auch systematische Probleme in der Haushaltsausführung selbst gefunden. Im vergangenen Haushaltsjahr waren geschätzt 3,8 Prozent aller Ausgaben fehlerhaft — das klingt nach einer kleinen Quote, bedeutet aber bei Gesamtausgaben von rund 176,3 Milliarden Euro eine Summe von etwa 6,7 Milliarden Euro, die gegen EU-Vorschriften verstoßen haben. Das ist mehr als das Jahresbudget mancher kleinerer Mitgliedstaaten.
Die häufigsten Verstöße betreffen die Regeln für die Vergabe öffentlicher Aufträge und die Finanzierung von Projekten, die gar nicht förderungswürdig waren. Manche Gelder flossen in Ausgaben, die von vornherein nicht hätten bezahlt werden dürfen. Die Fehlerquote ist zudem gestiegen: Im Vorjahr lag sie noch bei 3,6 Prozent, 2023 sogar bei 5,6 Prozent — dem höchsten Wert seit Jahren. Sobald die Quote die Zwei-Prozent-Marke überschreitet, gelten die Verstöße als "wesentlich" — ein Euphemismus für ein strukturelles Problem.
Der Rechnungshof betont allerdings, dass diese Quote nicht automatisch Betrug, Ineffizienz oder Verschwendung bedeutet. Die Fehlerquote ist eine Schätzung der Beträge, die nicht im Einklang mit den EU-Bestimmungen und nationalen Regeln verwendet wurden. Manche Verstöße sind technischer Natur, andere sind ernster. Aber zusammengenommen zeichnen sie ein Bild von Kontrolldefiziten, die sich durch das gesamte europäische Finanzsystem ziehen.
Die Warnung des Rechnungshofs trifft die EU in einem Moment, in dem die Schuldenquoten ohnehin steigen und die politischen Spielräume schrumpfen. Wenn die Schulden wirklich bis 2027 die Billion-Euro-Marke erreichen, wird die Union weniger Flexibilität haben, um auf Krisen zu reagieren oder in Zukunftsprojekte zu investieren. Gleichzeitig zeigen die Unregelmäßigkeiten, dass selbst die Gelder, die die EU ausgibt, nicht immer dorthin fließen, wo sie hingehören. Das ist nicht nur ein Zahlenproblem — es ist ein Vertrauensproblem.
Bemerkenswerte Zitate
Deutschland als größter Nettozahler wird mittelfristig deutlich höhere nationale Beiträge leisten müssen— Daniel Caspary, deutsches Mitglied des Europäischen Rechnungshofs