Eritreische Soldaten haben laut Konfliktanalytikern am Mittwoch die Grenze überquert und sind in Tigray vorgerückt; Augenzeugen berichten von Dutzenden Lastwagen mit Truppen. Äthiopien wirft Eritrea vor, Rebellen zu unterstützen, die sich gegen die Zentralregierung verbündet haben. Der Konflikt könnte mit Äthiopiens Streben nach Meereszugang zusammenhängen.
Eritreische Truppen offenbar in Äthiopien einmarschiert
Ein Frieden auf wackeligen Beinen, der nun zu bröckeln beginnt
Warum ist das Einmarschieren eritreischer Truppen so besorgniserregend? Äthiopien und Eritrea haben doch 2018 Frieden geschlossen.
Weil dieser Frieden auf wackeligen Beinen stand. Sie kämpften zwar gemeinsam gegen die Rebellen in Tigray, aber danach begannen die Spannungen wieder zu wachsen – vor allem wegen Äthiopiens Wunsch nach Meereszugang.
Moment – wie sicher sind wir, dass eritreische Truppen wirklich einmarschiert sind? Die Berichte kommen von Augenzeugen und Analysten, aber haben wir offizielle Bestätigung?
Das ist der Punkt: Eritrea bestreitet es. Der Informationsminister sagt, Äthiopien erfinde die Anschuldigungen. Aber das Critical Threats Project hat Bilder und Videos überprüft und hält sie für authentisch.
Und was will Eritrea mit dieser Unterstützung der Rebellen erreichen?
Nach Einschätzung der Analystin Birru versucht Eritrea, einen äthiopischen Angriff auf sein eigenes Territorium zu verhindern – und gleichzeitig eine Pufferzone an der Grenze zu schaffen.
Das ist aber eine Interpretation. Wir wissen, dass Eritrea die Rebellen unterstützt, aber die genauen Motive – das ist Spekulation, oder?
Ja, das stimmt. Wir wissen, dass die Rebellen sich mit Aufständischen anderer Regionen verbündet haben, und dass Äthiopien Tigray zurückerobert hat. Aber die tieferen Gründe für Eritreas Handeln – das müssen wir vorsichtig formulieren.
Was ist mit den Menschen dort? Wie viele sind betroffen?
In Tigray leben etwa sechs Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Vertriebene. Viele haben keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung. Ein neuer Krieg würde das noch verschärfen.
Das ist wichtig zu sagen, aber wir sollten auch klar machen: Das sind die Zahlen von jetzt. Wenn es zu einer Eskalation kommt, könnten diese Zahlen schnell wachsen.
O Pulso
- Eritreische Truppen überquerten am Mittwoch die Grenze und drangen in Tigray vor
- Äthiopien wirft Eritrea vor, Rebellen zu unterstützen, die sich gegen die Zentralregierung verbündet haben
- In Tigray leben etwa 6 Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Vertriebene ohne ausreichenden Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung
- Äthiopien und Eritrea schlossen 2018 Frieden nach einem blutigen Grenzkrieg; von 2020–2022 kämpften sie gemeinsam gegen Rebellen
Eritreische Soldaten haben laut Konfliktanalytikern am Mittwoch die Grenze überquert und sind in Tigray vorgerückt; Augenzeugen berichten von Dutzenden Lastwagen mit Truppen. Äthiopien wirft Eritrea vor, Rebellen zu unterstützen, die sich gegen die Zentralregierung verbündet haben. Der Konflikt könnte mit Äthiopiens Streben nach Meereszugang zusammenhängen.
Eritreische Streitkräfte sind Berichten zufolge in die äthiopische Region Tigray einmarschiert. Experten und Augenzeugen bestätigen den Vormarsch, der Befürchtungen vor einer neuen Eskalation am Horn von Afrika schürt.
Die Europäische Union hatte gerade erst zu Wochenbeginn vor einer Eskalation am Horn von Afrika gewarnt. Nun berichten Konfliktanalytiker und Augenzeugen von eritreischen Soldaten, die in Äthiopiens nördliche Region Tigray vorgestoßen sind. Am Mittwoch, so schreibt Jalale Getachew Birru von der Konfliktdatenorganisation Acled, hätten eritreische Streitkräfte die Grenze überquert. Äthiopische Drohnen hätten die Truppen angegriffen. Augenzeugen beschreiben Dutzende Lastwagen, die mit Soldaten beladen südwärts fuhren – Berichte, die der BBC vorliegen. Forscher des US-amerikanischen Critical Threats Project haben mehrere im Internet verbreitete Bilder und Videos überprüft und halten sie für authentisch.
Die Zentralregierung in Addis Abeba wirft Eritrea vor, Rebellen in Tigray zu unterstützen – Aufständische, die sich mit Gruppen aus anderen Regionen verbündet haben. Am Wochenende hatte Äthiopien selbst Truppen nach Tigray verlegt, um diese Rebellen zurückzudrängen, und übernahm die Kontrolle über Mekelle, die Hauptstadt der Region. Dieser Schachzug verstärkte die Befürchtung, dass Äthiopien einen Angriff auf Eritrea plant – möglicherweise, um sich einen eigenen Zugang zum Roten Meer zu sichern, ein Ziel, das die äthiopische Politik seit langem antreibt.
ErItreas Informationsminister reagierte mit Gegenvorwürfen. Äthiopien, so seine Darstellung, erfinde Anschuldigungen, um einen Angriffskrieg gegen sein Land zu rechtfertigen. Nach Einschätzung der Analystin Birru versucht Eritrea, einen möglichen äthiopischen Vorstoß auf sein eigenes Territorium zu verhindern. Durch die Unterstützung der Rebellen wolle das Land zugleich eine Pufferzone an seiner Grenze schaffen.
Die Geschichte dieser beiden Länder ist von Blut und Versöhnung geprägt. Eritrea erlangte 1993 seine Unabhängigkeit von Äthiopien. Ein brutaler Grenzkrieg folgte. Erst 2018 einigten sich die Nachbarn auf Frieden – ein Durchbruch, für den Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed 2019 den Friedensnobelpreis erhielt. Von 2020 bis 2022 kämpften beide Länder sogar gemeinsam gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray, eine Rebellengruppe, die zuvor Jahrzehnte lang die äthiopische Politik dominiert hatte. Dieser Bürgerkrieg forderte Schätzungen zufolge mehrere Hunderttausend Tote. Alle beteiligten Seiten wurden beschuldigt, schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen begangen zu haben.
Seitdem hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Ländern deutlich verschlechtert. Der zentrale Streitpunkt ist Äthiopiens Wunsch nach eigenem Zugang zum Roten Meer. Seit Eritreas Unabhängigkeit ist Äthiopien ein Binnenstaat – sein Seehandel läuft fast vollständig über das benachbarte Dschibuti. Äthiopien hat etwa 139 Millionen Einwohner. In der Region Tigray leben rund sechs Millionen Menschen, darunter Hunderttausende Vertriebene, die oft keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung haben. Eritrea, mit etwa 3,7 Millionen Einwohnern, ist ein verarmter, weitgehend abgeschotteter Staat, der seit seiner Unabhängigkeit von Präsident Isaias Afwerki autoritär regiert wird.
Was sich jetzt abzeichnet, könnte die fragile Stabilität der Region erschüttern. Die Frage ist nicht mehr, ob ein neuer Konflikt möglich ist – sie ist, wie schnell er eskaliert.
Citações Notáveis
Eritrea will einen möglichen äthiopischen Vorstoß auf das eigene Staatsgebiet verhindern und durch die Unterstützung der Rebellen eine Pufferzone zur eigenen Grenze schaffen— Jalale Getachew Birru, Konfliktanalytikerin bei Acled
Äthiopien erfinde Anschuldigungen, um einen Angriffskrieg gegen Eritrea zu rechtfertigen— Eritreas Informationsminister