Rausch erhielt 48 Stimmen, AfD und BSW zusammen nur 44 – vier zusätzliche Stimmen bleiben ungeklärt wegen geheimer Abstimmung. CDU-Fraktionsspitze empfahl Enthaltung, doch nur fünf von 14 CDU-Abgeordneten hielten sich daran, was auf mögliche Abweichler hindeutet.
CDU-Chef fordert Parteiausschluss nach möglichen AfD-Stimmen
Wer Rechtsextremisten in politische Verantwortung verhilft, muss mit Konsequenzen rechnen
Wie ist es möglich, dass ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt wird, wenn die AfD gar nicht die Mehrheit hat?
Die Wahl war geheim. Rausch bekam 48 Stimmen, aber AfD und BSW zusammen nur 44. Das bedeutet, vier Abgeordnete von anderen Parteien haben für ihn gestimmt – oder gegen die anderen Kandidaten.
Aber wir wissen nicht, wer diese vier sind. Das ist das Kernproblem. Es könnte die CDU sein, es könnte aber auch eine False-Flag-Operation sein, wie Merz sagte.
Warum hat die CDU nicht einfach alle ihre Leute angewiesen, gegen Rausch zu stimmen?
Sie haben eine Enthaltungsempfehlung gegeben. Das war vermutlich ein Kompromiss – nicht aktiv gegen die AfD kämpfen, aber auch nicht unterstützen.
Nur neun von 14 CDU-Abgeordneten haben sich nicht daran gehalten. Das ist ein großes Problem für die Parteiführung.
Was passiert jetzt mit den Abgeordneten, die möglicherweise für Rausch gestimmt haben?
Radtke fordert Parteiausschlussverfahren. Aber erst muss man wissen, wer es war – und das ist bei einer geheimen Wahl unmöglich.
Genau. Das ist die Falle: Man kann niemanden bestrafen, ohne zu wissen, wer es war. Und man kann nicht einfach alle neun verdächtigen Abgeordneten ausschließen.
Könnte die CDU die Wahl anfechten?
Das wurde nicht erwähnt. Es scheint, als würde man jetzt versuchen, intern Klarheit zu schaffen.
Aber intern wird das schwierig. Wer würde freiwillig zugeben, für einen AfD-Kandidaten gestimmt zu haben?
El Pulso
- Tobias Rausch (AfD) erhielt 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten, AfD und BSW zusammen nur 44
- Von 14 CDU-Abgeordneten hielten nur 5 die Enthaltungsempfehlung ein
- Die Wahl war geheim – vier zusätzliche Stimmen bleiben ungeklärt
- Dennis Radtke fordert Parteiausschlussverfahren gegen mögliche CDU-Abweichler
Rausch erhielt 48 Stimmen, AfD und BSW zusammen nur 44 – vier zusätzliche Stimmen bleiben ungeklärt wegen geheimer Abstimmung. CDU-Fraktionsspitze empfahl Enthaltung, doch nur fünf von 14 CDU-Abgeordneten hielten sich daran, was auf mögliche Abweichler hindeutet.
Nach der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt fordert CDU-Chef Radtke Parteiausschlussverfahren gegen mögliche CDU-Abgeordnete, die für den AfD-Kandidaten stimmten.
Am Dienstag wurde Tobias Rausch von der AfD zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt – mit 48 Stimmen in einer geheimen Abstimmung. Das Problem: Die AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht, die seine Kandidatur unterstützt hatten, brachten zusammen nur 44 Stimmen auf. Vier weitere Stimmen kamen von irgendwo anders. Weil die Wahl geheim war, lässt sich nicht nachvollziehen, wer sie abgegeben hat. Für die CDU, die in Sachsen-Anhalt an der Regierung beteiligt ist, wurde dies schnell zur Krise.
Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, reagierte mit einer klaren Forderung: Falls sich herausstelle, dass CDU-Abgeordnete für Rausch gestimmt hätten, müsse die Partei Ausschlussverfahren gegen sie einleiten. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte Radtke, dass dies auch für künftige Abstimmungen gelten müsse – wer Rechtsextremisten in politische Verantwortung helfe, müsse mit Konsequenzen rechnen. Es war eine deutliche Warnung an die eigenen Reihen.
Die Vermutung, dass tatsächlich CDU-Abgeordnete für den AfD-Kandidaten gestimmt haben könnten, stützt sich auf eine einfache Rechnung. Die CDU-Fraktionsspitze hatte ihren 14 Abgeordneten empfohlen, sich zu enthalten. Doch nur fünf folgten dieser Empfehlung. Das bedeutet, dass neun CDU-Abgeordnete anders abstimmten – entweder gegen Rausch oder für ihn. Die Bundestagsabgeordnete Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, sprach offen aus, was viele vermuteten: "Der eine oder andere CDUler wird diese Entscheidung mitgetragen haben." Sie betonte, dass eine aktive Stimme für einen AfD-Kandidaten nicht mit christdemokratischen Werten vereinbar sei.
Bundeskanzler Friedrich Merz warnte allerdings vor voreiligen Schlussfolgerungen. Er erwähnte auch die Möglichkeit einer "False-Flag-Operation" – dass also Abgeordnete anderer Fraktionen bewusst für Rausch gestimmt haben könnten, um die CDU zu diskreditieren. Es war eine Deutung, die die Unsicherheit der Situation widerspiegelte: Niemand wusste wirklich, was passiert war.
Innerhalb der CDU-Führung kam es auch zu Vorwürfen. Sepp Müller, Vizefraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag, kritisierte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, der auch Fraktionschef ist. Schulze habe einen Fehler gemacht, als er die Enthaltungsempfehlung öffentlich aussprach – obwohl bereits in der Fraktionssitzung klar geworden sein soll, dass einige Abgeordnete dagegen stimmen würden. Müller kündigte an, sich im Dezember um den Landesvorsitz der Partei in Sachsen-Anhalt zu bewerben. Schulze hatte seinen Rückzug angekündigt.
Die Wahl des AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten war auch Thema in einem Koalitionsausschuss aus Union und SPD, der bis Mittwochabend tagte. Was genau besprochen wurde, drang nicht nach außen. In einer SMS an Abgeordnete hielten die Fraktionschefs jedoch fest, dass die Demokratie "in diesen Tagen vor einer historischen Bewährungsprobe" stehe. Union und SPD seien "fest entschlossen, unser Land nicht den Extremisten zu überlassen." Es war eine Formulierung, die die Schwere des Moments unterstrichen sollte – und zugleich die Ratlosigkeit, wie man damit umgehen sollte.
Citas Notables
Sollte sich herausstellen, dass CDU-Abgeordnete den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten gewählt haben, erwarte ich, dass die Partei gegen sie ein Parteiausschlussverfahren einleitet— Dennis Radtke, Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels
Der eine oder andere CDUler wird diese Entscheidung mitgetragen haben— Serap Güler, CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt