Berlin: Linke, Grüne und SPD starten Sondierungen – mit Antisemitismus-Vereinbarung

Antisemiten haben auch weiterhin nichts zu befürchten
CDU-Kritik an der Vereinbarung als unzureichend gegen Judenfeindlichkeit in der Linksfraktion.
Mark

Warum war diese Vereinbarung zu Antisemitismus überhaupt nötig, bevor die Sondierungen beginnen konnten?

Mimi

Weil es bei der Linken in Berlin wiederholt Vorfälle gab—Positionen zu Israel und Palästina, die Kritik auslösten, und dann diese Wahlparty mit einem Clan-Oberhaupt und einem Aktivisten, der einer als terroristisch eingestuften Organisation nahestehen soll. Grüne und SPD wollten klare Grenzen setzen, bevor sie überhaupt über eine Regierung sprechen.

Luke

Aber die Vereinbarung selbst—was genau ist darin neu? "Jüdisches Leben schützen" und "Existenzrecht Israels ist unverhandelbar"—das sind Positionen, die jede demokratische Partei haben sollte. Wo ist der Mechanismus, der tatsächlich etwas ändert?

Mimi

Das ist genau der Punkt der Kritik. Die Vereinbarung sagt, dass Verstöße zu Ausschlüssen führen können. Aber wie wird ein Verstoß definiert? Wer entscheidet das?

Mark

Und die Linke—akzeptiert sie das einfach so?

Mimi

Sie haben es unterzeichnet. Die Co-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp könnte die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden, wenn die Koalition klappt. Das ist ein großer Anreiz.

Luke

Aber die CDU und die Deutsch-Israelische Gesellschaft sagen, das reicht nicht. Sind das nur politische Gegner, oder haben sie einen Punkt?

Mimi

Beide haben Positionen in Berlin. Richter-Kotowski war selbst Abgeordnete und sitzt noch im Senat. Das ist nicht einfach Wahlkampf.

Mark

Also—die Sondierungen beginnen, aber mit dieser Kritik im Hintergrund?

Mimi

Ja. Und die Frage ist, ob die Vereinbarung hält, wenn es konkret wird. Wenn es wieder einen Vorfall gibt, was passiert dann?

Luke

Und ob SPD und Grüne wirklich bereit sind, ihre Partner zur Rechenschaft zu ziehen, wenn nötig. Das ist noch ungetestet.

  • Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft bei der Wahl am 20. September
  • Grüne und SPD machten Vereinbarungen zu Antisemitismus und Organisierter Kriminalität zur Bedingung für Sondierungen
  • Elif Eralp könnte erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden
  • Wahlparty der Neuköllner Linken mit Clan-Oberhaupt und propalästinensischem Aktivist sorgte für Kritik

Die Linke wurde mit 25,7 Prozent stärkste Kraft und könnte erstmals eine Bürgermeisterin stellen, falls die rot-grün-rote Koalition zustande kommt. Grüne und SPD machten eine Vereinbarung zu Antisemitismus, Rassismus und Organisierter Kriminalität zur Bedingung für Sondierungsgespräche.

Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl haben Linke, Grüne und SPD Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung angekündigt. Die Parteien einigten sich auf Erklärungen zu Antisemitismus und Organisierter Kriminalität als Voraussetzung.

Zweieinhalb Wochen nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl haben Linke, Grüne und SPD den Weg für Koalitionssondierungen freigegeben. Der Schritt folgte einer intensiven Verständigung über ein Thema, das die Verhandlungen hätte scheitern lassen können: der Umgang mit Antisemitismus, ein Problem, das Teile der Linkspartei wiederholt unter Druck gesetzt hat.

Die drei Parteien einigten sich auf eine gemeinsame Erklärung, in der sie festhalten, jüdisches Leben zu schützen und das Existenzrecht Israels als "unverhandelbar" zu behandeln. Sie verpflichteten sich, Polizei und Verfassungsschutz in ihrem Auftrag zum Schutz jüdischen Lebens in Berlin zu stärken. Partei- und Fraktionsmitglieder, die gegen diese Grundsätze verstoßen, müssen mit dem Ausschluss rechnen. Parallel einigten sich die Parteien auf eine zweite Vereinbarung: strikte Distanz zur Organisierten Kriminalität. Bereits die proaktive Kontaktaufnahme mit Personen aus kriminellen Strukturen soll als schwerwiegender Verstoß gelten. Bei Verstößen drohen Konsequenzen bis zum Fraktions- und Parteiausschluss.

Der SPD-Landesvorsitzende Steffen Krach betonte, dass die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität verstärkt werden müsse. "Auch da darf es keine Nähe geben, es darf keine Kontakte geben, sonst hat es Konsequenzen", sagte er und zog eine Parallele zum Antisemitismus. Die Linke-Landesvorsitzende Kerstin Wolter kündigte an, dass die Sondierungsteams "durchgehend" tagen würden, um "so zügig wie möglich" voranzukommen.

Der Hintergrund dieser Vereinbarungen liegt in mehreren Vorfällen bei der Linken. Besonders Wirbel hatte eine Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September ausgelöst, bei der ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und teilweise kriminellen Clans sowie ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend waren. Dieser Aktivist soll der Volksfront für die Befreiung Palästinas nahestehen, die von der EU als Terrororganisation eingestuft ist. Solche Vorfälle hatten Grüne und SPD dazu bewogen, die Vereinbarungen zur Bedingung für Sondierungen zu machen.

Bei der Wahl am 20. September war die Linke mit 25,7 Prozent mit deutlichem Abstand stärkste Kraft geworden. Sie strebt nun eine rot-grün-rote Koalition an. Sollte diese zustande kommen, könnte die Partei mit ihrer Co-Fraktionsvorsitzenden Elif Eralp erstmals eine Regierende Bürgermeisterin in Berlin stellen—ein historischer Moment für die Partei.

Doch die Vereinbarung stößt auf Kritik. Der Berliner CDU-Landesvorsitzende Stefan Evers nannte sie "ein Feigenblatt", das vor allem das Antisemitismusproblem der Linkspartei kaschieren soll. Nach vier Verhandlungsrunden hätten die drei Parteien keinen wirksamen Mechanismus gegen Judenfeindlichkeit präsentiert, sondern nur "eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten". Evers warnte: "Antisemiten, die in der Linksfraktion zu Hause sind, haben auch weiterhin nichts zu befürchten."

Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg kritisierte die Vereinbarung scharf. Die regionale Vorsitzende Cerstin Richter-Kotowski, selbst CDU-Mitglied und ehemalige Abgeordnete, sprach von einem "Formelkompromiss, für den sich SPD und Grüne schämen sollten". Sie erklärte: "Wenn Linke, SPD und Grüne eine Basis für das gemeinsame Regieren gesucht haben sollten, die die Juden in Berlin beruhigen kann, so haben sie sie nicht gefunden." Die Sondierungen beginnen nun unter dem Druck dieser Kritik, und es bleibt offen, ob die Vereinbarungen ausreichen werden, um das Vertrauen zu schaffen, das für eine stabile Koalition nötig ist.

Wir schützen jüdisches Leben, stärken das Miteinander und setzen uns für Frieden und Verständigung ein. Das Existenzrecht Israels sei unverhandelbar.
— Gemeinsame Erklärung von Linke, Grüne und SPD
Ein Feigenblatt, das vor allem einen Zweck erfüllt: das Antisemitismusproblem der Linkspartei zu kaschieren
— Stefan Evers, CDU-Landesvorsitzender
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