Berlin gedenkt des 7. Oktober: Kerzen, Stille und heftiger politischer Streit

Etwa 1200 Menschen wurden beim Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023 getötet, rund 250 weitere wurden als Geiseln genommen; zehntausende Palästinenser starben durch israelische Angriffe im Gazakrieg.
Man muss die jüdische Identität an der Garderobe abgeben, damit man akzeptiert wird
Israelischer Botschafter warnt vor wachsendem Antisemitismus und Ausgrenzung jüdischer Menschen in Deutschland.
Mark

Was hat dich am meisten überrascht an diesem Tag des Gedenkens?

Mimi

Die Spannung zwischen den ruhigen, würdevollen Momenten und dem plötzlichen politischen Streit. Die Synagoge war erfüllt von Trauer und Solidarität, aber im Bundestag wurde es innerhalb von Minuten hässlich laut.

Luke

Aber wie viele Menschen waren eigentlich bei den verschiedenen Veranstaltungen? Die Quelle sagt "einige hundert" auf dem Bebelplatz und "mehrere tausend" insgesamt, aber das ist ziemlich vage.

Mimi

Das stimmt. Die Polizei war mit tausend Beamten im Einsatz, was zeigt, dass es bedeutsam war, aber die genauen Zahlen sind schwer zu fassen.

Mark

Der Botschafter sprach von Boykottaufrufen und jüdischen Musikern, die aus Ensembles verdrängt werden. Sind das dokumentierte Fälle oder eher allgemeine Beobachtungen?

Luke

Das ist eine wichtige Frage. Prosor spricht davon, aber die Quelle nennt keine konkreten Beispiele oder Daten. Es sind Beobachtungen eines hochrangigen Diplomaten, aber nicht systematisch belegt.

Mimi

Trotzdem sind es Aussagen, die zeigen, wie sich jüdische Menschen in Deutschland derzeit fühlen und was sie erleben.

Mark

Und dieser Streit im Bundestag zwischen Hardt und Köktürk – war das ein Einzelfall oder Teil eines größeren Musters?

Luke

Die Quelle deutet an, dass es Teil eines größeren Streits über Antisemitismus und die Linkspartei ist, der "derzeit hochkocht", aber sie gibt keine anderen konkreten Beispiele aus diesem Tag.

Mimi

Es war definitiv der Höhepunkt der Spannung an diesem Tag. Alles andere war würdevoll, aber dann brach es aus.

Mark

Die israelische Flagge wurde auf das Brandenburger Tor projiziert. Wie wurde das von der Öffentlichkeit aufgenommen?

Luke

Das wird nicht berichtet. Wir wissen, dass es passiert ist, aber nicht, wie Menschen darauf reagiert haben.

Mimi

Es war eine Geste der Stadt Berlin, eine Art Solidarität mit Israel. Aber ja, die Reaktionen sind nicht dokumentiert.

  • Knapp 1200 Menschen wurden am 7. Oktober 2023 getötet, rund 250 weitere als Geiseln genommen
  • Berliner Polizei war mit etwa 1000 Beamten im Einsatz, etwa 700 mehr als an einem gewöhnlichen Wochentag
  • Zehntausende Palästinenser starben durch israelische Angriffe im Gazakrieg
  • Streit im Bundestag zwischen CDU-Politiker Hardt und Linken-Abgeordneter Köktürk über Antisemitismus

Synagogen, der Bebelplatz und das Brandenburger Tor waren Schauplätze stiller Trauer um die knapp 1200 Toten des 7. Oktober 2023 und die rund 250 Geiseln. Israelischer Botschafter und Bundesinnenminister warnen vor wachsendem Antisemitismus in Deutschland, darunter Boykottaufrufe und Ausgrenzung jüdischer Künstler.

Berlin erinnert am dritten Jahrestag des Hamas-Terroranschlags mit Gedenkfeiern, Gebeten und Mahnungen gegen Antisemitismus. Während religiöse Zeremonien ruhig ablaufen, eskaliert der politische Diskurs im Bundestag.

Berlin gedachte am Mittwoch des dritten Jahrestags des Terroranschlags vom 7. Oktober 2023 mit einer Mischung aus stiller Trauer, religiöser Andacht und scharfem politischem Streit. Die Stadt verwandelte sich über den Tag verteilt in einen Ort der Erinnerung an knapp 1200 Tote und rund 250 Geiseln, doch die Zeremonien offenbarten auch tiefe Risse in der Gesellschaft über Antisemitismus, Israels Kurs und die Rolle der Linkspartei.

Den Anfang machte am frühen Morgen die Chabad-Synagoge in Berlin-Wilmersdorf. Kantor Arie Zaloshinsky sang "Ani MaAmin", ein hebräisches Lied, das "Ich glaube" bedeutet und für den Kampf ums Überleben steht. Dasselbe Lied wurde Berichten zufolge in Waggons gesungen, in denen Juden während des Nationalsozialismus zur Ermordung nach Auschwitz transportiert wurden. Bei Rabbiner Yehuda Teichtal folgte ein "Gedenk- und Toleranzgebet", zu dem führende Vertreter der SPD, CDU und Linken aus der Berliner Landespolitik kamen, darunter der israelische Botschafter Ron Prosor. Die Synagoge war von Polizeifahrzeugen umgeben. Teichtal verlas Namen von Ermordeten und beschwor die Solidarität, warnte aber auch: "Wir brauchen jetzt Taten." Es gehe nicht um gute Worte, sondern um echte Unterstützung.

Prosor begann seine Rede mit der genauen Uhrzeit des Anschlags nach israelischer Zeit: 6:28 Uhr. Er sprach von einem Schmerz, den Israelis niemals vergessen würden. Dann wandte er sich einem Thema zu, das den ganzen Tag über wiederkehren sollte: dem wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Es gebe wieder Boykottaufrufe, die an das "Kauft nicht bei Juden" der Nazi-Zeit erinnerten, sagte der Botschafter. Jüdische Musiker würden aus Ensembles verdrängt. Jüdische Familien schickten ihre Kinder aus Angst auf jüdische Schulen. "Man muss die jüdische Identität an der Garderobe abgeben, damit man akzeptiert wird", sagte Prosor. Er mahnte: "Die Brandmauer gegen Antisemitismus muss auf allen Seiten stehen."

Auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor bauten Mitglieder der Jüdischen Studierenden Union leere Stühle auf, gedeckte Tische mit Fotos von Ermordeten und roten Papierblumen. "Kein Vergeben. Kein Vergessen", stand auf einem großen Transparent. Passanten blieben stehen, viele bedankten sich. Ein junger Mann mit seiner Familie legte weiße Rosen auf die Teller. Er sagte der Deutschen Welle, dass der Antisemitismus "von allen Seiten so krass" zunehme, besonders bei der gesellschaftlichen Linken. Progressive Kräfte würden "leugnen, was am 7. Oktober passiert ist, und keine Empathie zeigen". Er habe viele Freundschaften verloren.

Am Nachmittag eröffnete Bundestagspräsidentin Julia Klöckner die Plenarsitzungen mit einer Mahnung gegen Antisemitismus. Sie forderte jeden auf, im eigenen Alltag Widerspruch zu leisten. "Juden müssen in Deutschland frei und sicher leben können", sagte sie. "Die Realität ist erschreckend anders." Auf dem Bebelplatz, jenem Ort der Bücherverbrennung von 1933, fand die offizielle Berliner Gedenkfeier statt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach von den "grausamen Bildern des Terrors" und seinem Besuch im Kibbuz Be'eri, wo er Videobilder aus den Bodycams der Mörder gesehen hatte. Seine Stimme brach weg. "Jüdisches Leben gehöre zu Deutschland. Wer das nicht akzeptiere, kann kein Teil Deutschlands sein", sagte er und erhielt ungewöhnlich langen Applaus.

Doch knapp zwei Stunden später eskalierte die Stimmung im Bundestag. Der CDU-Politiker Jürgen Hardt warf der Linken-Abgeordneten Cansin Köktürk Antisemitismus vor, weil sie Israel in einem Video als "genozidalen Apartheitsstaat" beschimpft hatte. Köktürk kündigte an, anwaltlich gegen Hardt vorgehen zu wollen. Der Streit war Teil einer größeren Debatte über Antisemitismus und den Kurs der Linkspartei, die in Deutschland derzeit hochkocht. Immer wieder kamen Redner auch auf den Krieg Israels gegen Gaza zu sprechen, in dem zehntausende Palästinenser durch israelische Angriffe starben.

Am Abend fand ein interreligiöser Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche statt, an dem evangelische und katholische Bischöfe, ein Rabbiner und ein Imam teilnahmen. Auch Elif Eralp, die Wahlsiegerin der Linken bei der Landtagswahl im September, nahm teil. Die Berliner Polizei war mit etwa tausend Beamten im Einsatz, etwa 700 mehr als an einem gewöhnlichen Wochentag. Alle Veranstaltungen liefen "störungsfrei" ab, sagte Polizeisprecher Florian Nath. In die abendliche Dunkelheit hinein wurde das Bild der israelischen Flagge auf das Brandenburger Tor projiziert, wie auch am Abend des 7. Oktober 2023 und an den Jahrestagen danach. Es war eine seltene Geste, als würde die Stadt Berlin ihre gute Stube Freunden überlassen.

Wir werden uns nie unterkriegen lassen. Never ever. Aber wir schaffen das nicht alleine.
— Rabbiner Yehuda Teichtal
Jüdisches Leben gehöre zu Deutschland. Wer das nicht akzeptiere, kann kein Teil Deutschlands sein.
— Bundesinnenminister Alexander Dobrindt
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