In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 haben knapp 453.000 Menschen in Europa Schutz gesucht – ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutschland, einst das bevorzugte Zielland, ist auf Platz drei zurückgefallen, während Frankreich und Italien die Liste anführen. Der Rückgang wirft grundlegende Fragen auf: Was treibt Menschen zur Flucht, was hält sie auf, und wessen Verdienst ist es wirklich, wenn weniger Schutzsuchende ankommen?
Asylanträge in der EU um fast ein Viertel gesunken
Fast ein Viertel weniger Anträge in neun Monaten
Was bedeutet dieser Rückgang um ein Viertel konkret – sind weniger Menschen auf der Flucht, oder gehen sie woanders hin?
Das ist die zentrale Frage. Die Zahlen zeigen, dass weniger Anträge in der EU gestellt werden. Ob das bedeutet, dass weniger Menschen fliehen oder dass sie andere Routen nehmen, lässt sich aus diesen Daten allein nicht sagen.
Genau. Und wir sollten vorsichtig sein mit Dobrindts Aussage, dass die Maßnahmen wirken. Das ist eine Interpretation der Zahlen, nicht die Zahlen selbst.
Deutschland ist von Platz eins auf Platz drei gefallen. Das ist ein großer Wechsel. Woran liegt das?
Die Zahlen zeigen es, aber die Gründe sind nicht dokumentiert. Es könnte an strengeren deutschen Regelungen liegen, an besseren Chancen in Frankreich oder Italien, oder an veränderten Fluchtrouten insgesamt.
Oder an einer Kombination. Wir wissen nur, dass die Verteilung sich verschoben hat. Die Quelle erklärt nicht warum.
Was ist mit den Ukrainern? Sie waren doch eine große Gruppe.
Sie sind deutlich weniger geworden, ja. Aber das könnte auch damit zu tun haben, dass der Krieg sich stabilisiert hat oder dass viele bereits in den ersten Jahren nach 2022 gekommen sind.
Das ist Spekulation. Die Zahlen sagen nur: 12.182 Anträge von Ukrainern in neun Monaten. Ob das ein Rückgang ist, wissen wir nicht, weil wir keine Vergleichszahlen vom Vorjahr haben.
Und Afghanistan – warum sind das so viele?
Afghanistan ist seit Jahrzehnten ein Konfliktland. Der Rückzug der westlichen Truppen 2021 hat die Situation verschärft. Das erklärt die hohen Zahlen.
Richtig. Aber auch hier: Wir sehen die Zahlen, nicht die Kausalität. Afghanistan ist das Herkunftsland mit den meisten Anträgen, das ist Fakt. Warum genau – das müsste man recherchieren.
Il Polso
- Die Zahl der Asylanträge im EU-Raum ist in neun Monaten um fast ein Viertel eingebrochen – von knapp 599.000 auf rund 453.000.
- Deutschland hat seinen langjährigen Status als Hauptzielland verloren und liegt nun hinter Frankreich und Italien auf Platz drei.
- Trotz eines leichten Anstiegs im September verzeichnet Deutschland 40 Prozent weniger Erstanträge als im Vorjahr und sogar 70 Prozent weniger als 2024.
- Afghanistan, Venezuela und Bangladesch sind die größten Herkunftsländer europaweit; Ukrainer stellen nur noch einen kleinen Bruchteil der Anträge.
- Innenminister Dobrindt schreibt den Rückgang europäischen Grenzschutzmaßnahmen und beschleunigten Verfahren zu – ob andere Faktoren wie Konflikte oder Wirtschaftslage eine Rolle spielen, bleibt offen.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 haben knapp 453.000 Menschen in Europa Schutz gesucht – ein Viertel weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutschland, einst das bevorzugte Zielland, ist auf Platz drei zurückgefallen, während Frankreich und Italien die Liste anführen. Der Rückgang wirft grundlegende Fragen auf: Was treibt Menschen zur Flucht, was hält sie auf, und wessen Verdienst ist es wirklich, wenn weniger Schutzsuchende ankommen?
Ein vertrauliches Dokument der EU-Kommission vom 1. Oktober 2026 zeigt: Der Zustrom von Asylsuchenden nach Europa hat deutlich nachgelassen. Knapp 453.000 Schutzanträge wurden in den ersten neun Monaten des Jahres im EU-Raum einschließlich Norwegen und der Schweiz registriert – fast ein Viertel weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Besonders auffällig ist die Verschiebung innerhalb Europas. Frankreich führt nun mit knapp 99.000 Anträgen die Rangliste an, gefolgt von Italien mit rund 78.000. Deutschland, lange Zeit das unangefochtene Hauptzielland, findet sich mit 70.257 Anträgen nur noch auf Platz drei wieder. Am anderen Ende der Skala stehen Länder wie Ungarn mit gerade einmal 83 Anträgen.
In Deutschland selbst ist der Abwärtstrend trotz eines leichten Septemberanstiegs ungebrochen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zählte im September 5.276 Erstanträge – 40 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, 70 Prozent weniger als im September 2024. Die Hauptherkunftsländer in Deutschland sind Afghanistan, Syrien und die Türkei; europaweit führen Afghanistan, Venezuela und Bangladesch.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht in dem Rückgang die Wirkung gezielter politischer Maßnahmen: Krisenreaktionsmechanismen, eine schnelle Eingreiftruppe von Frontex und beschleunigte Grenzverfahren sollen das Asylsystem grundlegend verändern. Ob jedoch allein die europäische Politik für den Rückgang verantwortlich ist oder ob auch wirtschaftliche Entwicklungen in den Herkunftsländern und veränderte Fluchtrouten eine Rolle spielen, lässt das Dokument unbeantwortet.
Die Zahl der Menschen, die in Europa um Asyl bitten, ist deutlich gesunken. In den ersten neun Monaten dieses Jahres registrierte die Europäische Union zusammen mit Norwegen und der Schweiz knapp 453.000 Schutzanträge. Das sind fast ein Viertel weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als noch knapp 599.000 Anträge eingingen. Die Zahlen stammen aus einem vertraulichen Dokument der EU-Kommission vom 1. Oktober 2026, das die Welt am Sonntag vorab einsehen konnte.
Deutschland, lange Zeit das Hauptzielland für Asylbewerber in Europa, hat seinen Platz verloren. Mit 70.257 Anträgen in den ersten neun Monaten des Jahres rangiert das Land nun nur noch auf Platz drei. Frankreich führt die Liste an mit 98.822 Anträgen, gefolgt von Italien mit 78.496. Am anderen Ende des Spektrums stehen Malta mit 294 Anträgen, die Slowakei mit 131 und Ungarn mit nur 83 Anträgen. Der Rückgang ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Deutschland noch vor wenigen Jahren mit großem Abstand die meisten Asylsuchenden aufnahm.
In Deutschland selbst zeigt sich ein gemischtes Bild. Im September dieses Jahres reichten mehr Menschen erstmals einen Asylantrag ein als im August – doch dieser Anstieg täuscht über den langfristigen Trend hinweg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verzeichnete im September 5.276 Erstanträge. Das sind 40 Prozent weniger als im September des Vorjahres und sogar 70 Prozent weniger als im September 2024. Der Abwärtstrend ist ungebrochen.
Woher kommen die Menschen, die noch Asyl beantragen? In Deutschland stammen 23 Prozent der Antragsteller aus Afghanistan, 12 Prozent aus Syrien und 10 Prozent aus der Türkei. Auf europäischer Ebene ist das Bild ähnlich: Afghanistan ist mit 52.361 Anträgen das Hauptherkunftsland, gefolgt von Venezuela mit 37.294 und Bangladesch mit 26.497 Anträgen. Auch 6.420 Russen stellten einen Asylantrag. Ukrainer hingegen – eine Gruppe, die in den vergangenen Jahren stark vertreten war – machten insgesamt 12.182 Anträge aus. Die meisten von ihnen gingen nach Frankreich (49 Prozent), gefolgt von Polen (13 Prozent), Rumänien (6 Prozent) und Deutschland (5 Prozent).
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt führt den Rückgang auf Maßnahmen zurück, die Deutschland und die Europäische Union ergriffen haben. Er verwies auf einen Krisenreaktionsmechanismus, der die EU-Außengrenzen vor dem schützen soll, was er als "gesteuerte Massenanstürme" bezeichnete. Dazu gehören auch eine schnelle Eingreiftruppe der EU-Grenzschutzagentur Frontex und beschleunigte Verfahren an den Grenzen. Die EU verfolge damit einen Kurs "zur Wendung des Asylsystems", sagte Dobrindt. Ob dieser Rückgang tatsächlich nur auf europäische Politik zurückzuführen ist oder ob auch andere Faktoren – wirtschaftliche Bedingungen in Herkunftsländern, Konflikte, Fluchtrouten – eine Rolle spielen, wird in den verfügbaren Informationen nicht erörtert.
Citazioni salienti
Der deutliche Rückgang der Asylzahlen zeigt: Unsere Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene wirken— Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU)