Seit zwanzig Jahren warten die Palästinenser auf eine Wahl, die immer wieder verschoben wird – nun erneut, diesmal auf September 2027. Mahmoud Abbas, dessen Mandat bereits seit 2009 abgelaufen ist, regiert weiterhin per Dekret und begründet die Entscheidung mit israelischen Militäraktionen, Siedlungsausbau und humanitärer Not im Gazastreifen. Die Verschiebung ist mehr als ein Datum auf einem Kalender: Sie stellt Frankreichs Anerkennung eines palästinensischen Staates in Frage und verlängert eine demokratische Leerstelle, die das Fundament palästinensischer Selbstbestimmung unterhöhlt.
Abbas verschiebt Palästinenserwahlen erneut – auf 2027
Abbas regiert seit 2009 ohne gültiges Mandat – per Dekret.
Warum hat Abbas die Wahl wirklich verschoben? Sind es wirklich nur die Sicherheitsprobleme?
Das ist schwer zu sagen. Die Sicherheitslage ist real – israelische Militärangriffe, Siedlungsausbau, die humanitäre Krise im Gazastreifen. Aber Abbas hätte auch unter schwierigeren Bedingungen Wahlen durchführen können. Die Frage ist, ob er das wollte.
Moment – wir sollten unterscheiden zwischen dem, was Abbas sagt, und dem, was wir wissen. Die Sicherheitsprobleme sind dokumentiert. Aber ob sie eine Wahl unmöglich machen, ist eine politische Entscheidung, keine technische Frage.
Was bedeutet das für Frankreich? Macron hatte doch die Anerkennung an Wahlen gekoppelt.
Genau. Abbas hatte schriftlich zugesagt. Jetzt ist diese Zusage hinfällig. Frankreich hatte im September 2025 anerkannt – das war ein großer Schritt. Aber wenn Abbas die Wahlen immer wieder verschiebt, wird das schwer zu rechtfertigen.
Wir sollten vorsichtig sein: Frankreich hat bereits anerkannt. Die Frage ist, ob Frankreich jetzt Konsequenzen zieht oder ob die Anerkennung trotzdem bestehen bleibt. Das ist noch nicht geklärt.
Wie lange regiert Abbas jetzt schon ohne gültiges Mandat?
Seit 2009. Das sind über 15 Jahre. Seine Amtszeit ist längst abgelaufen. Er regiert per Dekret – das ist nicht demokratisch.
Das ist ein wichtiger Punkt. Abbas regiert de facto ohne demokratische Legitimation. Die Verschiebung der Wahlen verlängert diesen Zustand. Aber wir sollten auch sagen: Das ist nicht nur Abbas' Problem. Die Palästinenser haben auch keine funktionierende Regierung, weil Hamas und Fatah sich nicht einigen können.
Haben sich Hamas und Fatah denn auf die Verschiebung geeinigt?
Nach Angaben von Reuters ja. Sie trafen sich in Kairo und einigten sich am Mittwoch auf die Verschiebung. Das ist ungewöhnlich – die beiden Gruppen arbeiten sonst nicht zusammen.
Das ist interessant, aber auch ein Warnsignal. Wenn Hamas und Fatah sich einigen, dann oft nur, um etwas zu verhindern – in diesem Fall Wahlen. Das deutet darauf hin, dass beide Seiten kein Interesse an Wahlen haben.
Was passiert jetzt mit den Palästinensern? Können sie bis 2027 warten?
Das ist die große Frage. Abbas sagt, die Bedingungen müssen sich verbessern. Aber die Sicherheitslage wird sich wahrscheinlich nicht grundlegend ändern. Der Konflikt mit Israel ist nicht gelöst. Die humanitäre Krise im Gazastreifen wird nicht einfach verschwinden.
Wir sollten ehrlich sein: 2027 ist eine willkürliche Frist. Es gibt keinen Grund zu glauben, dass die Bedingungen dann besser sind als jetzt. Abbas könnte 2027 wieder sagen, die Bedingungen seien nicht erfüllt. Das ist ein System, das Wahlen indefinit verschieben kann.
El Pulso
- Abbas verschiebt die für November geplante Parlamentswahl per Dekret auf den 11. September 2027 – ein Jahr Aufschub, der niemanden überrascht, aber viele beunruhigt.
- Frankreich hatte die Abhaltung von Wahlen zur Bedingung für die Anerkennung eines palästinensischen Staates gemacht – Abbas hatte dies Macron und Mohammed bin Salman schriftlich zugesichert.
- Fatah und Hamas einigten sich in Kairo auf die Verschiebung – eine seltene Einigkeit, die sich jedoch nicht in demokratischem Fortschritt, sondern in dessen Aufschub ausdrückt.
- Die humanitäre Lage im Gazastreifen und israelische Militärpräsenz werden als Hindernisse angeführt, doch die Verschiebung verlängert Abbas' mandatloses Regieren ohne absehbares Ende.
- Frankreichs Außenministerium bestand noch am Donnerstag auf der Unerlässlichkeit der Wahl – nun steht die diplomatische Anerkennung auf dem Spiel.
Seit zwanzig Jahren warten die Palästinenser auf eine Wahl, die immer wieder verschoben wird – nun erneut, diesmal auf September 2027. Mahmoud Abbas, dessen Mandat bereits seit 2009 abgelaufen ist, regiert weiterhin per Dekret und begründet die Entscheidung mit israelischen Militäraktionen, Siedlungsausbau und humanitärer Not im Gazastreifen. Die Verschiebung ist mehr als ein Datum auf einem Kalender: Sie stellt Frankreichs Anerkennung eines palästinensischen Staates in Frage und verlängert eine demokratische Leerstelle, die das Fundament palästinensischer Selbstbestimmung unterhöhlt.
Mahmoud Abbas hat die palästinensische Parlamentswahl erneut verschoben – diesmal um ein volles Jahr, auf den 11. September 2027. Die Entscheidung traf er per Dekret, obwohl sein eigenes Präsidentenmandat bereits seit 2009 abgelaufen ist. Als Begründung nennt er israelische Militärangriffe, den Siedlungsausbau, einbehaltene Steuereinnahmen und die humanitäre Notlage im Gazastreifen, wo israelische Truppen nach seiner Darstellung noch nicht vollständig abgezogen sind.
Die Verschiebung folgte Gesprächen zwischen den großen palästinensischen Fraktionen. Führende Mitglieder von Fatah und Hamas einigten sich bereits am Mittwoch bei einem Treffen in Kairo auf diesen Schritt – ein seltener Moment der Übereinstimmung zwischen zwei Gruppen, die sich seit Jahren in einem Machtkampf befinden. Doch die Einigkeit zeigt sich nicht im Abhalten von Wahlen, sondern in ihrer Vertagung.
Das Muster ist nicht neu: Die letzten Wahlen in den palästinensischen Gebieten fanden 2005 und 2006 statt. Seitdem wurden sie wiederholt mit Verweis auf Sicherheit, innenpolitische Spannungen oder äußere Umstände aufgeschoben. Abbas betont die Notwendigkeit freier und fairer Wahlen – eine legitime Forderung, die jedoch auch einen Aufschub ohne erkennbares Ende rechtfertigt.
Besonders heikel ist die Lage gegenüber Frankreich. Abbas hatte erst kürzlich vor den Vereinten Nationen den Novembertermin bekräftigt und Emmanuel Macron sowie dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman schriftlich zugesagt, Wahlen abzuhalten. Diese Zusage war die Grundlage für Frankreichs Anerkennung eines palästinensischen Staates im September 2025. Nun ist das Versprechen gebrochen, und Frankreichs Anerkennungspläne stehen in Frage – ebenso wie die politische Glaubwürdigkeit von Abbas selbst.
Mahmoud Abbas hat die Parlamentswahl der Palästinenser erneut verschoben – diesmal um ein ganzes Jahr. Was im November hätte stattfinden sollen, wird nun auf den 11. September 2027 verlegt. Es ist eine Entscheidung, die Abbas per Dekret traf und die die politische Landschaft der besetzten Gebiete weiter verkompliziert, denn seit 2009 regiert der Präsident ohnehin ohne ein gültiges Mandat.
Die Begründung ist bekannt: Abbas führt die Sicherheitslage an, israelische Militärangriffe, den fortgesetzten Siedlungsausbau und die Einbehaltung palästinensischer Steuereinnahmen. Im Gazastreifen kommt hinzu, was Abbas als humanitäre Not beschreibt – die unvollständige Abzug israelischer Truppen erschwert nach seiner Darstellung die Wahlvorbereitung zusätzlich. Das Dekret spricht von Hindernissen, die von israelischen Maßnahmen ausgehen. Es ist eine Formulierung, die Raum für Interpretation lässt, aber auch eine Realität beschreibt, die in den palästinensischen Gebieten täglich erlebt wird.
Die Verschiebung folgte Konsultationen zwischen den großen palästinensischen Fraktionen. Nach Angaben von Reuters einigten sich führende Mitglieder von Abbas' Fatah-Bewegung und der rivalisierenden Hamas bereits am Mittwoch bei einem Treffen in Kairo auf diesen Schritt. Es ist ein seltener Moment der Einigkeit zwischen den beiden Gruppen, die sich seit Jahren in einem Machtkampf befinden – eine Einigkeit allerdings, die sich in der Verschiebung von Wahlen manifestiert, nicht in ihrer Durchführung.
Das Problem ist nicht neu. Die letzten Wahlen in den palästinensischen Gebieten fanden 2005 und 2006 statt – vor zwanzig Jahren. Damals gewann die Hamas überraschend die Parlamentswahl, übernahm die Kontrolle über den Gazastreifen und löste eine politische Krise aus, die bis heute andauert. Seitdem wurden Wahlen immer wieder verschoben, immer wieder mit Verweis auf Sicherheit, innenpolitische Spannungen oder externe Umstände. Abbas betont am Samstag die Notwendigkeit, geeignete Bedingungen für freie und faire Wahlen zu schaffen – eine Forderung, die legitim klingt, aber auch eine Verschiebung rechtfertigt, die keine absehbare Grenze hat.
Frankreich hingegen sieht die Sache anders. Erst vor wenigen Wochen hatte Abbas den Zeitplan für Wahlen im November vor den Vereinten Nationen bekräftigt. Noch wichtiger: Er hatte dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman schriftlich zugesagt, Wahlen abzuhalten. Diese Zusage war nicht nebensächlich. Sie war die Bedingung für Frankreichs Anerkennung eines palästinensischen Staates im September 2025 – ein diplomatischer Durchbruch, der Abbas als Erfolg präsentieren konnte. Das Außenministerium in Paris teilte noch am Donnerstag mit, die Abstimmung sei unerlässlich. Jetzt ist Abbas' schriftliche Zusage Papier, und Frankreichs Anerkennung steht in Frage.
Die Verschiebung auf 2027 bedeutet, dass Abbas mindestens bis dahin ohne ein gültiges demokratisches Mandat regiert. Es ist eine Situation, die in vielen Staaten als Krise gelten würde – ein Präsident, dessen Amtszeit vor Jahren abgelaufen ist, der per Dekret herrscht und nun auch noch Wahlen verschiebt. Abbas ruft die Palästinenser in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen auf, sich dann an der Abstimmung zu beteiligen – eine Aufforderung, die voraussetzt, dass die Bedingungen bis 2027 tatsächlich besser werden. Ob das realistisch ist, bleibt offen. Was sicher ist: Die Verschiebung gefährdet nicht nur Frankreichs Anerkennungspläne, sondern auch die Glaubwürdigkeit von Abbas selbst.
Citas Notables
Abbas betont die Notwendigkeit, geeignete Bedingungen für freie und faire Wahlen zu schaffen— Mahmoud Abbas
Das Außenministerium in Paris teilte mit, die Abstimmung sei unerlässlich— Französisches Außenministerium