Landtagspräsident Rausch: Versprechen oder Taktik?

Regeln nicht davon abhängig machen, wem sie nutzen
Rausch verspricht Fairness, hatte aber als Generalsekretär Blockademacht für die AfD gefordert.
Mark

Warum sollte man Rausch nicht einfach beim Wort nehmen? Er hat klare Versprechen gemacht.

Mimi

Weil die Versprechen selbst das Problem sind. Sie sollten so selbstverständlich sein, dass niemand sie aussprechen muss. Dass er sie aussprechen musste, sagt etwas über die Erwartungen aus.

Luke

Aber das ist unfair. Jeder neue Amtsträger könnte solche Dinge sagen. Das macht ihn nicht automatisch unglaubwürdig.

Mimi

Nein, aber seine Vergangenheit tut es. Er war Generalsekretär, der Blockademacht für die AfD forderte. Er war in Vetternwirtschaftsskandale verwickelt. Das sind keine abstrakten Vorwürfe.

Mark

Also sollte man ihm nicht trauen, weil er AfD-Mitglied ist?

Luke

Das ist zu einfach. Die Frage ist: Wird er die Regeln wirklich gleich anwenden, oder wird die AfD plötzlich weniger Ordnungsrufe bekommen, weil er wohlwollender ist?

Mimi

Genau. Und das werden wir erst sehen, wenn er im Amt ist. Die Rede war ein Versprechen. Die Realität wird zeigen, ob es ein Versprechen oder eine Taktik war.

Mark

Könnte es nicht auch sein, dass er wirklich seine Rolle ernst nimmt und sich von seiner früheren Rolle distanziert?

Luke

Theoretisch ja. Aber er gibt den Generalsekretärsposten nicht auf. Er will beide Rollen gleichzeitig spielen. Das ist das Signal, das zählt.

Mimi

Und wenn man sich ansieht, wie die AfD bisher operiert hat – 32 von 37 Ordnungsrufen – dann ist Skepsis nicht böswillig. Sie ist rational.

Mark

Also warten wir ab und beobachten?

Mimi

Ja. Aber wir beobachten mit offenen Augen.

  • Tobias Rausch ist neuer Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt
  • 32 von 37 Ordnungsrufen in der vergangenen Legislaturperiode gingen an die AfD
  • Rausch war in Vetternwirtschaftsaffäre verwickelt: drei Geschwister, Partnerin mit zwei Jobs, vier Fußballer mit Minijobs
  • Rausch behält seinen Posten als Generalsekretär des Landesverbandes

Rausch betont Unparteilichkeit und gleiche Regeln für alle Fraktionen – Versprechen, die normalerweise selbstverständlich wären. Seine Vergangenheit als Generalsekretär und Akteur in Vetternwirtschaftsaffären wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit seiner Zusicherungen auf.

Der AfD-Politiker Tobias Rausch verspricht als neuer Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt faire und überparteiliche Amtsführung. Kritiker warnen jedoch vor Glaubwürdigkeit angesichts seiner Vergangenheit.

Tobias Rausch, der neue Landtagspräsident von Sachsen-Anhalt, hielt diese Woche eine Rede, die vor allem dadurch bemerkenswert war, dass sie nichts Anstößiges enthielt. Er versprach, sein Amt nicht als Präsident einer Fraktion zu führen, sondern als Präsident des gesamten Landtages. Er sagte, dass parlamentarische Regeln nicht davon abhängig gemacht werden dürfen, wem sie nutzen. Und er versicherte: Für jeden würden dieselben Regeln gelten. Diese Sätze ernteten Lob und Anerkennung über Parteigrenzen hinweg.

Doch genau dieses kollektive Aufatmen offenbart ein tieferes Problem. Hätte ein Politiker einer anderen Partei solche Worte gesprochen, wären sie vermutlich als leere Formeln ignoriert worden. Bei der AfD aber wirken sie wie eine Erlösung – weil die Erwartung an eine rechtsextreme Partei so düster ist, dass selbstverständliche Zusicherungen wie Balsam klingen. Das Lob für Rausch verrät also eine unbequeme Wahrheit: Die Zuhörer haben gute Gründe für ihre Skepsis.

Rausch ist nicht irgendein AfD-Politiker. Er ist Generalsekretär seines Landesverbandes – die Abteilung Attacke, nicht Versöhnung – und er plant, diesen Posten zu behalten. Er will zwei Hüte tragen: hier der beißende Generalsekretär, dort der überparteiliche Präsident. Als Parlamentarischer Geschäftsführer hatte er zwölfköpfige Ausschüsse im Landtag gefordert. Der Grund war transparent: Die AfD hätte damit eine Blockademacht gehabt. Das Motiv war eigennützig. Nun predigt er, dass Regeln nicht davon abhängig gemacht werden dürfen, wem sie nutzen.

Rauschs Appell an Respekt und Fairness klingt noch rührender, wenn man sich ansieht, wie die AfD in der vergangenen Legislaturperiode agiert hat. Von insgesamt 37 Ordnungsrufen im Landtag gingen 32 an die AfD. Rausch selbst kassierte drei davon – zweimal für Missachtung der Sitzungsleitung, einmal für Missachtung der parlamentarischen Ordnung. Wenn sich diese Bilanz bald zugunsten der AfD verschiebt, wird zu prüfen sein, ob das an einem veränderten Verhalten liegt oder an einer wohlwollenderen Betrachtung durch den neuen Präsidenten.

Die größere Frage aber betrifft Rauschs Glaubwürdigkeit insgesamt. Er stand im Zentrum einer Vetternwirtschaftsaffäre seines Landesverbandes. Als mehrere Abgeordnete ihre Verwandten in lukrative Positionen bei Fraktionskollegen hievten, trieb Rausch es auf die Spitze. Drei seiner Geschwister arbeiteten bei einer AfD-Bundestagsabgeordneten. Seine Partnerin hatte zwei Jobs: bei der Landtagsfraktion und beim AfD-Landesvorsitzenden Oliver Kirchner. Vier Fußballer aus seinem Verein SV 09 Staßfurt bekamen Minijobs. Wenn er nun von Uneigennützigkeit spricht, wirkt das nicht nur heuchlerisch – es ist auch ein Test.

Solche Hinweise stören. Sie verhindern die Erleichterung, die viele empfinden möchten. Sie wirken nachtragend. Aber sie sind notwendig. Denn es gibt ein Szenario, das man ernst nehmen muss: Angenommen, die AfD täuscht eine Mäßigung nur vor, um die Brandmauerdebatte in der Union zu verstärken, um CDU-Abweichlern und BSW-Sondierern den Weg zu ebnen, Ulrich Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten zu wählen. Angenommen, sie fragt dann mit Unschuldsmiene, ob sie nicht eine ganz normale Partei sei. Dann dürften sich die Zuhörer dieser verführerischen Hoffnung nicht hingeben, ohne sich kurz zu erinnern, mit wem sie es bisher zu tun hatten.

Ich werde dieses Amt nicht als Präsident einer Fraktion führen, sondern als Präsident des gesamten Landtages von Sachsen-Anhalt.
— Tobias Rausch
Parlamentarische Regeln dürfen nicht davon abhängig gemacht werden, wem sie gerade nutzen.
— Tobias Rausch
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