WWF-Bericht: Wildtierbestände seit 1970 um 73 Prozent geschrumpft

Der Rückgang der Biodiversität gefährdet die menschliche Versorgung mit Nahrung, Wasser, Medikamenten und sauberer Luft.
Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir handeln
Kathrin Samson vom WWF Deutschland sieht trotz dramatischer Zahlen Grund zur Hoffnung durch gezielte Schutzmaßnahmen.
Mark

Warum sind die Süßwassertiere so viel stärker betroffen als die anderen?

Mimi

Sie sind mehreren Bedrohungen gleichzeitig ausgesetzt – Verschmutzung, Übernutzung, Dammbauten. Ein Fluss kann nicht einfach ausweichen wie ein Meerestier.

Luke

Aber der Bericht sagt nicht, welche dieser Faktoren am meisten wiegt. Ist es die Verschmutzung oder die Infrastruktur?

Mimi

Das ist eine gute Frage. Der Bericht nennt sie alle, aber gewichtet sie nicht einzeln.

Mark

Und bei den Meeren – warum funktioniert der Schutz bei Thunfischen, aber nicht bei Haien?

Mimi

Bei Thunfischen gibt es internationale Fangquoten und Kontrollen. Das ist messbar und durchsetzbar.

Luke

Aber wer kontrolliert das wirklich? Und in welchen Gewässern?

Mimi

Das sagt der Bericht nicht. Er dokumentiert, dass es funktioniert hat, aber nicht die Details der Umsetzung.

Mark

Die Hälfte der Populationen wächst oder ist stabil – warum wird das nicht mehr erwähnt?

Mimi

Weil der Durchschnitt von 73 Prozent Rückgang so dramatisch ist, dass er alles überlagert. Aber ja, es zeigt, dass Stabilität möglich ist.

Luke

Und wie viele dieser stabilen Populationen sind eigentlich geschützte Arten? Sind das nur die, bei denen wir aktiv eingegriffen haben?

Mimi

Das wird nicht klar gemacht. Es könnte sein, dass manche einfach weniger unter Druck stehen als andere.

Mark

Was müsste konkret passieren, um den Trend wirklich umzukehren?

Mimi

Laut WWF: politischer Wille, Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Naturschutzorganisationen und lokalen Gemeinschaften. Und das muss in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankert sein.

  • Zwischen 1970 und 2022 sind erfasste Wirbeltierpopulationen weltweit um 73 Prozent geschrumpft – in Süßwasserlebensräumen sogar um 85 Prozent.
  • Landwirtschaft, Infrastrukturprojekte und Energieversorgung haben in drei Jahrzehnten schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald vernichtet und damit ganze Ökosysteme zerstört.
  • Der Rückgang bedroht nicht nur Tiere: Ohne intakte Biodiversität geraten menschliche Grundversorgung mit Nahrung, Wasser, Medikamenten und sauberer Luft in Gefahr.
  • Erfolge bei Grünen Meeresschildkröten, Tigern und bestimmten Thunfischarten zeigen, dass gezielte Schutzpolitik Trends tatsächlich umkehren kann.
  • Etwa die Hälfte der erfassten Populationen ist stabil oder wächst – der dramatische Gesamtindex wird von wenigen, aber extrem stark sinkenden Beständen nach unten gezogen.

Seit 1970 haben die Wirbeltierbestände der Erde im Durchschnitt 73 Prozent ihrer Populationsgröße verloren – ein Rückgang, der nicht Prognose, sondern bereits eingetretene Wirklichkeit ist. Der WWF Living Planet Report benennt menschliche Landnutzung, Energiegewinnung und globale Wirtschaftsstrukturen als Haupttreiber dieses stillen Aussterbens. Doch der Bericht ist kein Abgesang: Wo politischer Wille und gezielte Schutzmaßnahmen zusammenkamen, haben sich Populationen tatsächlich erholt – ein Zeichen, dass die Richtung der Geschichte noch veränderbar ist.

Der neue WWF Living Planet Report zeichnet ein erschütterndes Bild: Die erfassten Wirbeltierpopulationen der Erde sind zwischen 1970 und 2022 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft. Kein Szenario, keine Prognose – sondern das, was bereits geschehen ist.

Besonders verheerend ist die Lage in Süßwasserlebensräumen wie Flüssen und Seen, wo der Rückgang 85 Prozent erreicht. An Land liegt er bei 69, in den Meeren bei 59 Prozent. Die Ursachen sind bekannt: Lebensraumzerstörung durch Landwirtschaft, Energiegewinnung und Infrastruktur. Allein zwischen 1990 und 2020 verschwanden schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald. Süßwassertiere leiden zusätzlich unter Gewässerverschmutzung, Übernutzung und Dammbauten.

Doch der Bericht ist nicht nur Klage. Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland, verweist darauf, dass rund die Hälfte der erfassten Populationen stabil ist oder wächst. Der dramatische Gesamtindex entsteht, weil einige Bestände so extrem einbrechen, dass sie den Durchschnitt nach unten reißen. Wo politischer Wille vorhanden war – bei Grünen Meeresschildkröten, Tigern, bestimmten Thunfischarten – haben sich Populationen nachweislich erholt.

Die Datenbasis liefert der Living Planet Index der Zoologischen Gesellschaft London, der seit 1970 knapp 5800 Wirbeltierarten beobachtet. Samson bringt das Kernproblem auf den Punkt: Der Verlust der Biodiversität ist kein rein ökologisches Problem – er gefährdet Nahrung, Wasser, Medikamente und sichere Lebensräume für Menschen. Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, sagt sie, wenn Naturschutz verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankert wird. Kein Versprechen – aber ein Weg.

Der Bericht ist düster, aber nicht hoffnungslos. Die Umweltorganisation WWF hat ihre neuesten Daten zusammengefasst, und sie erzählen eine Geschichte von massivem Rückgang: Die erfassten Wirbeltierpopulationen der Erde sind zwischen 1970 und 2022 um durchschnittlich 73 Prozent geschrumpft. Das ist nicht eine Prognose oder ein Szenario. Das ist, was bereits passiert ist.

Die Zahlen variieren je nachdem, wo man hinschaut. In Flüssen, Seen und anderen Süßwasserlebensräumen ist der Rückgang mit 85 Prozent am verheerendsten. An Land liegt er bei 69 Prozent, in den Meeren bei 59 Prozent. Der Grund ist nicht rätselhaft: Menschen haben diese Lebensräume zerstört oder grundlegend verändert. Die Lebensmittelproduktion, die Energieversorgung und das globale Finanzsystem tragen zu großen Teilen dazu bei. Zwischen 1990 und 2020 wurden schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald vernichtet – oft, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen.

Die Süßwassertiere leiden besonders. Sie sind nicht nur dem Lebensraumverlust ausgesetzt, sondern auch Gewässerverschmutzung, Übernutzung, Kanalisierung und Dammbauten. Flusspferde, Otter, Krokodile und große Schildkröten werden durch Infrastrukturprojekte bedroht. Fischbestände schrumpfen unter dem Druck dieser kombinierten Faktoren.

In den Ozeanen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Bei bestimmten Thunfischarten haben niedrigere Fangquoten und verstärkte Kontrollen den starken Negativtrend tatsächlich umgekehrt. Aber Haie und Rochen erleben weiterhin Rückgänge. Der Unterschied liegt oft darin, ob es politische Maßnahmen gibt oder nicht.

Hier kommt die vorsichtige Hoffnung ins Spiel. Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland, betont, dass etwa die Hälfte der erfassten Populationen nicht schrumpft – sie sind stabil oder wachsen. Der Grund für den Gesamtindex von 73 Prozent Rückgang ist, dass viele Populationen so drastisch fallen, dass sie den Durchschnitt nach unten ziehen. Aber es zeigt auch: Stabilität ist möglich.

Der Bericht dokumentiert konkrete Erfolge. Grüne Meeresschildkröten, Tiger und einzelne Elefantenbestände im südlichen Afrika haben sich erholt – nicht von selbst, sondern weil gezielte Schutzmaßnahmen implementiert wurden. Das erfordert politischen Willen und Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Naturschutzorganisationen und lokalen Gemeinschaften. Es ist nicht einfach, aber es funktioniert.

Die Grundlage für diese Analyse ist der Living Planet Index, erstellt von der Zoologischen Gesellschaft London. Er erfasst Wirbeltierpopulationen seit 1970 und umfasst 5790 Arten von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien – etwa 7,4 Prozent aller bekannten Wirbeltierarten. Das ist eine solide Datenbasis, aber auch eine Erinnerung daran, dass wir über die meisten Arten wenig wissen.

Samson fasst das Kernproblem zusammen: Ohne biologische Vielfalt fehlen uns Lebensmittel, Medikamente, sauberes Wasser und sichere Orte zum Leben. Der Rückgang der Wildtierbestände ist nicht nur ein ökologisches Problem – er ist ein menschliches. Und sie sagt auch: Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern. Das ist keine Garantie. Aber es ist ein Weg.

Ohne die biologische Vielfalt auf diesem Planeten fehlen Lebensmittel, Medikamente, sauberes Wasser und sichere Orte zum Leben
— Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland
Der Abwärtstrend lässt sich umkehren, wenn wir den Schutz der Natur verbindlich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft verankern
— Kathrin Samson, WWF Deutschland
Quer a matéria completa? Leia o original em Der Spiegel ↗
Fale Conosco FAQ