Mit 90 Jahren beginnt Woody Allen in Madrid die Dreharbeiten zu seinem 51. Film – ein Zeichen ungebrochener schöpferischer Beharrlichkeit, aber auch einer gewissen Weltabgewandtheit. Während die spanische Hauptstadt von sozialen Protesten gegen Wohnungsnot erschüttert wird, sucht der Regisseur dort eine elegante Kulisse für seine Geschichten über Liebe und Existenz. Die Spannung zwischen dem Blick des Künstlers auf eine Stadt und dem gelebten Alltag ihrer Bewohner offenbart, wie selektiv jede Wahrnehmung von Wirklichkeit sein kann.
Woody Allen dreht 51. Film in Madrid – Politik interessiert ihn nicht
Politik interessiert ihn nicht, oder zumindest nicht für diesen Film
Warum dreht ein 90-jähriger Regisseur noch einen Film? Hat er nicht längst genug geleistet?
Allen sagt, er könne sich zur Ruhe setzen, tut es aber nicht. Das ist weniger eine Frage der Notwendigkeit als der Obsession – manche Menschen können einfach nicht aufhören zu arbeiten.
Aber die Frage ist auch: Wer finanziert das? Und wer arbeitet mit ihm? Das ist seit MeToo deutlich schwieriger geworden.
Er sagt, Madrid sei perfekt für seine »diplomatische Atmosphäre«. Was meint er damit?
Er sucht eine elegante, kultivierte Kulisse für eine Geschichte über zwischenmenschliche Beziehungen. Madrid soll die Stimmung transportieren – nicht die Stadt selbst, sondern das Bild von ihr.
Das ist interessant, weil die echte Stadt gerade von Protesten gegen Wohnungsmangel erschüttert wird. Die Diskrepanz zwischen Allens Filmvision und der Realität vor Ort ist erheblich.
Und wie reagiert er, wenn man ihn auf diese Proteste hinweist?
Er lehnt ab. Er sagt, das sei nicht seine Sache, er sei kein politischer Filmemacher. Er interessiert sich für Beziehungen, nicht für Gesellschaft.
Das ist eine klare Positionierung, aber auch eine Abkürzung. Man kann sagen, dass man sich nicht für Politik interessiert – aber wenn man in einer Stadt dreht, die gerade von sozialen Konflikten erschüttert wird, ist das eine politische Entscheidung, ob man das ignoriert oder nicht.
Wie steht es um Allens Karriere insgesamt?
Seine großen Erfolge liegen in den 70ern und 80ern. Seitdem sind die Einspielergebnisse rückläufig, und MeToo hat ihm zusätzlich geschadet – Schauspieler wollen nicht mehr mit ihm arbeiten.
2012 bekam er noch einen Oscar für »Midnight in Paris«, also ist er nicht völlig vergessen. Aber ja, die Zusammenarbeit mit A-List-Schauspielern ist schwieriger geworden. Dass er jetzt in Madrid mit weniger bekannten Namen dreht, ist ein Symptom dafür.
The Pulse
- Ein 90-jähriger Regisseur trotzt dem Alter und dem Bedeutungsverlust in Hollywood, indem er in Spanien weiterdreht – hartnäckig oder eigensinnig, je nach Perspektive.
- Madrid erlebt gleichzeitig heftige Proteste: Die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau wurde zum Symbol für eine Wohnungskrise, die Tausende täglich trifft.
- Allen weist Fragen zur sozialen Lage der Stadt knapp ab – er sehe sich nicht als politischen Künstler, seine Welt seien zwischenmenschliche Beziehungen und Romantik.
- Die Produktion in Madrid und Aranjuez ist auch ein Symptom seiner veränderten Stellung: Nach MeToo-Distanzierungen und schwächeren Kassenergebnissen weicht er auf europäische Drehorte aus.
- Ob sein 51. Film an die Glanzzeiten der 1970er und 1980er Jahre anknüpfen kann, bleibt offen – der Titel steht noch nicht einmal fest.
Mit 90 Jahren beginnt Woody Allen in Madrid die Dreharbeiten zu seinem 51. Film – ein Zeichen ungebrochener schöpferischer Beharrlichkeit, aber auch einer gewissen Weltabgewandtheit. Während die spanische Hauptstadt von sozialen Protesten gegen Wohnungsnot erschüttert wird, sucht der Regisseur dort eine elegante Kulisse für seine Geschichten über Liebe und Existenz. Die Spannung zwischen dem Blick des Künstlers auf eine Stadt und dem gelebten Alltag ihrer Bewohner offenbart, wie selektiv jede Wahrnehmung von Wirklichkeit sein kann.
Kurz vor seinem 91. Geburtstag hat Woody Allen keine Absicht, in den Ruhestand zu treten. Der vierfache Oscarpreisträger beginnt nächste Woche in Madrid die Dreharbeiten zu seinem 51. Spielfilm – ein Projekt, das seine ungebrochene Schaffensenergie ebenso belegt wie seine Distanz zur Gegenwart.
Allen schwärmte bei der Projektvorstellung von Madrid als eleganter, schöner Kulisse, ideal für die diplomatische Atmosphäre seiner Geschichte. Doch die Stadt erlebt gerade eine ganz andere Wirklichkeit: Die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau hat landesweite Proteste gegen explodierende Mieten und akuten Wohnungsmangel ausgelöst. Als Journalisten ihn darauf ansprachen, war Allens Antwort knapp – das sei nicht sein Thema. Er sehe sich als Filmemacher für zwischenmenschliche und existenzielle Fragen, nicht als politischen Künstler.
Gedreht wird in Madrid und dem nahe gelegenen Aranjuez, mit Alexi Wasser und Peter Vives in den Hauptrollen. Einen Titel wird Allen erst nach Abschluss der Dreharbeiten vergeben – typisch für seine Arbeitsweise.
Dass er überhaupt in Spanien dreht, spiegelt auch die veränderte Lage seiner Karriere wider. Nach den kommerziellen Triumphen der 1970er und 1980er Jahre blieben spätere Filme hinter diesen Erfolgen zurück, und während der MeToo-Bewegung distanzierten sich mehrere Schauspieler von ihm. Europa bietet ihm den Raum, den Hollywood ihm zunehmend verweigert. Mit 90 Jahren dreht Allen weiter – bewundernswert oder eigensinnig, das liegt im Auge des Betrachters.
Der 90-jährige Woody Allen steht kurz vor seinem 91. Geburtstag und hat sich entschieden, nicht in den Ruhestand zu gehen. Stattdessen beginnt der vierfache Oscarpreisträger kommende Woche in Madrid die Dreharbeiten zu seinem 51. Spielfilm – ein ehrgeiziges Projekt, das zeigt, dass die Energie für große Filmvorhaben bei ihm noch nicht versiegt ist.
Bei der Vorstellung seines neuen Werks schwärmte Allen von Madrid in Tönen, die wenig mit der gegenwärtigen Realität der Stadt zu tun haben. Er beschrieb die spanische Hauptstadt als elegante und schöne Kulisse, ideal geeignet für die diplomatische Atmosphäre, die er seiner Geschichte geben wollte. Die Wahl des Ortes wirkt bewusst: Madrid soll nicht nur Drehort sein, sondern auch visueller Ausdruck der filmischen Welt, die Allen schaffen möchte.
Doch während der Regisseur von diplomatischer Eleganz spricht, durchlebt Madrid eine ganz andere Realität. Die Stadt ist Schauplatz intensiver sozialer Konflikte geworden. Der Fall einer 87-jährigen Frau, die ihre Wohnung verlassen musste, weil sie zwangsgeräumt wurde, hat landesweit Proteste ausgelöst. Diese Demonstrationen richten sich gegen explodierende Mieten und einen akuten Mangel an bezahlbarem Wohnraum – Probleme, die Tausende von Madrider Bürgern täglich betreffen.
Als Journalisten Allen auf diese Proteste ansprachen, wies er die Frage mit einer knappen Antwort ab: Das sei nicht sein Thema. Er sehe sich selbst nicht als politischen Filmemacher. Seine Arbeit konzentriere sich auf zwischenmenschliche Beziehungen, auf existenzielle Fragen und romantische Themen – Bereiche, in denen er sich kompetent und kreativ fühlt. Die Abgrenzung war deutlich: Politik interessiert ihn nicht, oder zumindest nicht für diesen Film.
Die Produktion wird sich hauptsächlich in Madrid und dem nahe gelegenen Aranjuez abspielen. Mit dabei sind die Schauspielerin Alexi Wasser und der Darsteller Peter Vives, die Allen bei der Projektvorstellung präsentierten. Einen Titel für den Film wird Allen erst nach Abschluss der Dreharbeiten vergeben – eine Arbeitsweise, die für ihn typisch ist.
Allens Karriere hat in den letzten Jahrzehnten eine komplexe Entwicklung genommen. Die großen kommerziellen Erfolge der 1970er und 1980er Jahre konnten seine späteren Filme nicht wiederholen. Zwar erhielt er 2012 für das Drehbuch von »Midnight in Paris« noch einen Oscar, doch insgesamt blieben die Einspielergebnisse hinter früheren Triumphen zurück. Hinzu kam, dass sich während der MeToo-Bewegung mehrere Schauspieler und Schauspielerinnen von ihm distanzierten – ein Bruch, der seine Arbeitsfähigkeit in Hollywood einschränkte.
Dass Allen nun in Madrid dreht, ist auch ein Zeichen dieser veränderten Lage. Die Produktion in Spanien ermöglicht ihm, weiterhin große Projekte zu realisieren, auch wenn die Zusammenarbeit mit etablierten Hollywood-Stars schwieriger geworden ist. Mit 90 Jahren zeigt der Regisseur eine Hartnäckigkeit, die bewundernswert oder eigensinnig wirken kann – je nachdem, wie man es sieht. Der 51. Film wird zeigen, ob Allen noch einmal an die Qualität seiner besten Arbeiten heranreichen kann.
Notable Quotes
Es ist eine sehr elegante und schöne Stadt, perfekt für die Art diplomatischer Atmosphäre, die ich für die Geschichte wollte— Woody Allen in einem Interview mit El País
Sie fragen die falsche Person— Woody Allen, als Journalisten ihn auf die Proteste in Madrid ansprachen