Infantino ist nach Kontroversen um die Rotsperre eines US-Spielers und geplante FIFA-Rechteverkäufe in Ungnade gefallen. Die UEFA fordert klare institutionelle Reformen und eine demokratischere Struktur mit Gewaltenteilung bei der FIFA.
UEFA sucht Gegenkandidaten gegen Infantino – Bewerbungsfrist endet im November
Es braucht jemanden, der integer ist und die Governance stärkt
Warum ist Infantino plötzlich so umstritten? Er war doch Jahre lang relativ unangefochten.
Es gab mehrere Dinge gleichzeitig. Erst die Geschichte mit dem US-Spieler und Trump, dann der Plan, FIFA-Rechte zu verkaufen – und das mit unterschiedlichen Fördergeldern je nachdem, wer zustimmt. Das war für viele Verbände ein Schritt zu weit.
Aber wichtig ist: Infantino hat diesen Plan zurückgezogen. Die Drohung der UEFA mit Boykott hat gewirkt. Das sollte man nicht unterschlagen.
Und jetzt sucht die UEFA einen Gegenkandidaten. Wie schwer ist das?
Sehr schwer. Ceferin will nicht, Montagliani will nicht. Es braucht jemanden mit Integrität, mit einer Vision für Reformen – aber auch jemanden, der global Unterstützung mobilisieren kann.
Das ist der Knackpunkt: Die UEFA hat 55 Stimmen, aber Infantino hat sich bereits Afrika gesichert – 54 Stimmen. Das ist fast gleichgewichtig. Ohne Unterstützung aus anderen Kontinenten wird es eng.
Wie viele Stimmen braucht man denn zum Gewinnen?
Von insgesamt 211 Verbänden braucht man 106 Stimmen. Infantino hat also schon fast die Hälfte.
Genau. Und die UEFA hat bis zum 18. November Zeit, einen Kandidaten zu finden. Das ist knapp. Wenn sie bis dahin keinen Namen haben, ist das Rennen praktisch gelaufen.
Was passiert bei dem Treffen in Zürich nächste Woche?
Die Europäer wollen ihre Reformforderungen klarmachen – echte Demokratie, Gewaltenteilung, unabhängige Kontrollgremien. Und sie wollen über den FIFA-Friedenspreis sprechen, den Infantino Trump verliehen hat.
Aber das ändert nichts an der Abstimmung im März. Das sind eher Signale.
Le Pouls
- Bewerbungsfrist für Gegenkandidaten endet am 18. November 2026
- FIFA-Präsidentschaftswahl findet am 18. März 2027 statt
- UEFA hat 55 Stimmen, Afrika 54, Asien 46, Nord-/Mittelamerika 35
- Infantino hat bereits Unterstützung aus Afrika, Südamerika und Ozeanien gesichert
- 211 FIFA-Mitgliedsverbände haben je eine Stimme; 106 Stimmen sind erforderlich
Infantino ist nach Kontroversen um die Rotsperre eines US-Spielers und geplante FIFA-Rechteverkäufe in Ungnade gefallen. Die UEFA fordert klare institutionelle Reformen und eine demokratischere Struktur mit Gewaltenteilung bei der FIFA.
Die UEFA hat einen Fahrplan zur Ablösung von FIFA-Präsident Gianni Infantino beschlossen. Bis zum 18. November muss ein Gegenkandidat gefunden werden, um bei der Wahl im März 2027 anzutreten.
In Berlin haben Europas Fußballverbände einen Plan gefasst, um Gianni Infantino nach elf Jahren an der Spitze der FIFA zu verdrängen. Bis zum 18. November läuft die Bewerbungsfrist für Gegenkandidaten – doch bislang hat sich niemand offiziell zur Verfügung gestellt. Die Europäer wissen, wen sie nicht wollen. Einen Namen für den Kandidaten haben sie noch nicht.
Infantino ist in den vergangenen Monaten unter Druck geraten, weil er zunächst die Rotsperre des US-amerikanischen Nationalspielers Folarin Balogun aufhob – offenbar auf Druck von US-Präsident Donald Trump. Kurz nach der Weltmeisterschaft kündigte er dann an, FIFA-Rechte an eine Investorengruppe um den Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zu verkaufen. Verbände, die diesem Plan zustimmten, sollten höhere Fördergelder erhalten als jene, die ablehnten. Nach massiver Kritik und der Drohung der UEFA, alle FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, zog Infantino seinen Plan zurück. Auch die Verleihung des FIFA-Friedenspreises an Trump hatte für Empörung gesorgt.
Bei ihrem Treffen in der deutschen Hauptstadt einigten sich die europäischen Verbände – mit Ausnahme Aserbaidschans – einstimmig auf einen Reformfahrplan. Sie fordern eine echte demokratische Struktur bei der FIFA, eine klare Gewaltenteilung und unabhängige Kontrollgremien, in die sich der Präsident nicht einmischen darf. "Es braucht einen Kandidaten, der den Fußball auch außerhalb von Europa wieder vereint und alle Konföderationen zusammenbringt", sagte UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister. "Es braucht jemanden, der integer ist, der die Governance stärkt. Das könnte jeder sein, aus jedem Teil der Welt."
Doch die Suche nach diesem Kandidaten gestaltet sich schwierig. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat eine Kandidatur ausgeschlossen. Auch Victor Montagliani, Präsident des nordamerikanischen Verbands CONCACAF, will nicht antreten – beide möchten stattdessen ihre Positionen in ihren Kontinentalverbänden behaupten. Anfang November trifft sich das UEFA-Exekutivkomitee, danach sollen alle 55 europäischen Mitgliedsverbände erneut abstimmen. Die Bewerbungsfrist endet am 18. November. Die Wahl selbst findet am 18. März 2027 statt.
Infantino arbeitet derweil an seiner Wiederwahl. Er hat sich bereits die einstimmige Unterstützung der afrikanischen Verbände gesichert – ein entscheidender Vorteil, denn Afrika stellt mit 54 Stimmen den zweitgrößten Block nach Europa. Auch Südamerika und große Teile Ozeaniens stehen hinter ihm. Asien ist gespalten. Bei der Wahl haben alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände je eine Stimme. Die UEFA bringt 55 Stimmen mit, Afrika 54, Asien 46, Nord- und Mittelamerika 35, Ozeanien elf und Südamerika zehn. Infantino muss also nur eine Mehrheit von 106 Stimmen erreichen – und das scheint, trotz europäischer Gegenwehr, durchaus erreichbar zu sein.
Am 15. Oktober treffen sich europäische Funktionäre wie Ceferin und DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Infantino und dem FIFA-Council in Zürich. Dort wollen sie ihre Reformforderungen deutlich machen. Doch ohne einen starken Gegenkandidaten, der global Unterstützung mobilisieren kann, bleibt die europäische Position schwach. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die UEFA einen Namen findet – oder ob Infantino seine Macht behält.
Citations marquantes
Es braucht einen Kandidaten, der den Fußball auch außerhalb von Europa wieder vereint und alle Konföderationen zusammenbringt. Es braucht jemanden, der integer ist, der die Governance stärkt.— UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister
Es sollen klare institutionelle Veränderungen vorgenommen werden, die der FIFA zu einer wirklich demokratischen Struktur verhelfen. Es müsse eine klare Gewaltenteilung geben, die FIFA dürfe sich nicht in unabhängige Gremien einschalten.— DFB-Präsident Bernd Neuendorf