In einer Gesellschaft, die Sprache als Macht begreift, hat Donald Trump den Begriff »künstliche Intelligenz« zur verbotenen Zone erklärt und »Superintelligenz« als Nachfolger ausgerufen — ein Versuch, technologische Realität durch Benennung zu formen. Gleichzeitig richtet Vizepräsident JD Vance den Blick auf Microsoft und wirft dem Konzern vor, Einwanderungswege für Fachkräfte systematisch zu seinen Gunsten zu nutzen. Beide Gesten — die eine symbolisch, die andere juristisch — zeigen eine Regierung, die entschlossen ist, die Spielregeln der amerikanischen Technologiewelt neu zu schreiben.
Trump verbannen »KI«-Begriff, Vance attackiert Microsoft wegen Visa-Missbrauch
Wer die Bezeichnung weiterhin verwende, sei künftig »der Feind«
Warum ist Trump so besessen davon, einen wissenschaftlichen Begriff zu verbieten? Das wirkt fast absurd.
Es geht nicht wirklich um Linguistik. Trump sieht in »künstlicher Intelligenz« etwas Negatives — »unecht«, wie er sagt. Mit »Superintelligenz« will er die Technologie positiver rahmen, sie als amerikanische Stärke darstellen.
Aber hier ist das Problem: Trump sagt, wer den alten Begriff nutzt, ist »der Feind«. Das ist eine sehr aggressive Rhetorik für etwas, das seine eigene Plattform nicht mal befolgt. Truth Social hat immer noch »Truth Search AI« im Namen.
Das ist ja merkwürdig. Warum würde er das zulassen?
Wahrscheinlich weil es praktisch schwierig ist, überall durchzugreifen. Oder weil die Plattform-Betreiber nicht alle seine Vorgaben umsetzen wollen. Elon Musk macht mit, aber OpenAI und Anthropic nicht.
Genau. Das zeigt, dass Trumps »Feind«-Rhetorik nicht wirklich Zähne hat. Er kann Unternehmen nicht zwingen, ihre Sprache zu ändern.
Und was ist mit Vances Angriff auf Microsoft? Das klingt konkreter.
Das ist es auch. Microsoft entließ 6000 Arbeitnehmer und beschäftigte gleichzeitig 6300 H-1B-Visa-Inhaber. Das sieht nach Austausch aus — amerikanische Jobs gegen billigere ausländische Fachkräfte.
Aber wir sollten vorsichtig sein: Das sind Vances Zahlen. Wir wissen nicht, ob diese Arbeitnehmer in denselben Rollen waren oder ob es verschiedene Positionen waren. Und das PERM-Verfahren ist nicht das H-1B-Programm selbst — das ist wichtig zu verstehen.
Also ist das Verfahren, das Microsoft jetzt blockiert, etwas anderes?
Ja. PERM ist der Weg zur Greencard. H-1B ist ein temporäres Visum. Microsoft wird vom Greencard-Prozess ausgeschlossen, nicht vom H-1B-Programm selbst. Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Der Puls
- Trump erklärt jeden, der weiterhin von »künstlicher Intelligenz« spricht, zum »Feind« — ein ungewöhnlich scharfer Eingriff in den Fachdiskurs einer ganzen Branche.
- Elon Musk schließt sich der Sprachkampagne an und plant, sein KI-Unternehmen umzubenennen, während OpenAI und Anthropic dem Diktat offen trotzen.
- Ausgerechnet Trumps eigene Plattform Truth Social führt noch immer eine Funktion namens »Truth Search AI« — ein stilles Zeichen der Inkonsistenz im eigenen Lager.
- Vance beschuldigt Microsoft, Tausende amerikanische Stellen abzubauen und gleichzeitig H-1B-Visainhaber in vergleichbarer Zahl zu beschäftigen.
- Als direkte Konsequenz wird Microsoft vom PERM-Verfahren ausgeschlossen, dem zentralen Weg zur Greencard für ausländische Fachkräfte — weitere Unternehmen sollen folgen.
In einer Gesellschaft, die Sprache als Macht begreift, hat Donald Trump den Begriff »künstliche Intelligenz« zur verbotenen Zone erklärt und »Superintelligenz« als Nachfolger ausgerufen — ein Versuch, technologische Realität durch Benennung zu formen. Gleichzeitig richtet Vizepräsident JD Vance den Blick auf Microsoft und wirft dem Konzern vor, Einwanderungswege für Fachkräfte systematisch zu seinen Gunsten zu nutzen. Beide Gesten — die eine symbolisch, die andere juristisch — zeigen eine Regierung, die entschlossen ist, die Spielregeln der amerikanischen Technologiewelt neu zu schreiben.
Donald Trump hat sich zum Sprachgesetzgeber der Technologiebranche erklärt: Wer künftig von »künstlicher Intelligenz« spricht, ist nach seinen Worten »der Feind«. Der Begriff soll durch »Superintelligenz« ersetzt werden — präziser, so Trump, und weniger geeignet, die Technologie »unecht« wirken zu lassen. Die Kampagne läuft seit Wochen, und Elon Musk hat sich ihr angeschlossen: Sein KI-Unternehmen soll von SpaceXAI in SpaceXSI umbenannt werden. Selbst eine Sicherheitsvereinbarung, die Ende September im Weißen Haus unterzeichnet wurde, verwendet bereits die neue Bezeichnung.
Doch der Konsens bröckelt an den Rändern. OpenAI und Anthropic halten am etablierten Begriff fest, und Trumps eigene Plattform Truth Social führt nach wie vor einen Link zur Funktion »Truth Search AI« — ein kleines, aber bezeichnendes Zeichen dafür, dass Sprachpolitik und Alltagspraxis auseinanderfallen können.
Während Trump um Worte kämpft, greift Vizepräsident JD Vance zu konkreteren Mitteln. Er wirft Microsoft vor, das H-1B-Visaprogramm systematisch auszunutzen: Der Konzern habe im vergangenen Jahr rund 6000 Stellen in den USA gestrichen, gleichzeitig aber 6300 Mitarbeiter mit H-1B-Visa beschäftigt. Die Reaktion der Regierung ist unmittelbar — Microsoft wird vom PERM-Verfahren ausgeschlossen, dem Weg zur dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Fachkräfte. Auch Beratungsunternehmen und Adobe sollen ins Visier geraten.
Zusammen zeichnen beide Initiativen das Bild einer Regierung, die bereit ist, sowohl die Sprache als auch die Strukturen der Technologiewirtschaft nach ihren Vorstellungen umzuformen — mit Worten ebenso wie mit Sanktionen.
Donald Trump hat sich zum Sprachpolizisten der amerikanischen Technologieindustrie ernannt. Auf seiner Plattform Truth Social kündigte der US-Präsident an, dass jeder, der weiterhin von »künstlicher Intelligenz« spricht, künftig »der Feind« sei. Stattdessen soll die Technologie »Superintelligenz« heißen — ein Begriff, den Trump als präziser und »hoch akzeptiert« beschreibt. Die etablierte Bezeichnung, argumentiert er, lasse die Technologie »unecht« wirken.
Diese Kampagne läuft bereits seit Wochen. Trump versucht, den neuen Begriff in den Sprachgebrauch zu zwingen, und hat dabei Unterstützung aus der Techbranche erhalten. Elon Musk kündigte an, sein KI-Unternehmen von SpaceXAI in SpaceXSI umzubenennen. Auch eine freiwillige Sicherheitsvereinbarung großer KI-Unternehmen, die Ende September im Weißen Haus unterzeichnet wurde, verwendet bereits die Bezeichnung »Superintelligenz«.
Doch nicht alle folgen Trumps Sprachvorgabe. OpenAI und Anthropic, zwei der größten KI-Anbieter, halten weiterhin am etablierten Begriff »Artificial Intelligence« fest. Noch ironischer: Trumps eigene Plattform Truth Social widersetzt sich dem Diktat des Präsidenten. Dort findet sich nach wie vor ein Link zur hauseigenen Suchfunktion »Truth Search AI« — ein stilles Zeichen von Widerstand oder zumindest Inkonsistenz.
Während Trump sich mit Worten beschäftigt, greift sein Vizepräsident JD Vance zu härteren Mitteln. Vance hat den Softwarekonzern Microsoft ins Visier genommen und wirft dem Unternehmen vor, das H-1B-Visaprogramm für hochqualifizierte ausländische Fachkräfte systematisch zu missbrauchen. Nach Vances Aussage in Washington entließ Microsoft im vergangenen Jahr etwa 6000 Arbeitnehmer in den USA, beschäftigte aber gleichzeitig 6300 Mitarbeiter mit H-1B-Visa. Kein anderes Unternehmen, behauptet Vance, habe das Verfahren zum dauerhaften Aufenthalt ausländischer Fachkräfte so stark ausgenutzt wie Microsoft.
Die Konsequenzen sind konkret. Arbeitsminister Keith Sonderling kündigte an, dass Microsoft bis auf Weiteres vom sogenannten PERM-Verfahren ausgeschlossen wird — dem Weg zur Greencard für bestimmte ausländische Beschäftigte. Dies ist nicht das H-1B-Visaprogramm selbst, sondern ein separater Prozess für dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen. Auch mehrere Beratungsunternehmen und Adobe sollen ins Visier der Regierung geraten.
Die beiden Initiativen — Trumps Kampf gegen einen Fachbegriff und Vances Angriff auf ein Großunternehmen — offenbaren unterschiedliche Strategien der Trump-Vance-Administration. Der eine kämpft um kulturelle Hegemonie über die Sprache, der andere um die Kontrolle von Arbeitsmigration und Unternehmensverhalten. Beide Maßnahmen signalisieren eine Regierung, die bereit ist, etablierte Normen und Praktiken zu hinterfragen — ob es um die Bezeichnung einer Technologie oder um die Einstellung von Fachkräften geht.
Bemerkenswerte Zitate
»Superintelligenz« sei »hoch akzeptiert« und eine präzisere Bezeichnung für die Technologie— Donald Trump
Kein anderes Unternehmen habe das H-1B-Verfahren so stark missbraucht wie Microsoft— JD Vance