An einem Samstagabend, als Tausende Arbeiter in der Dunkelheit einer abgelegenen Goldmine an der umstrittenen Grenze zwischen Sudan und Ägypten schufteten, fiel der Krieg vom Himmel. Mindestens 72 Menschen starben, als ein Kampfflugzeug fünfmal auf die Mine feuerte – ein Angriff, den sudanesische Menschenrechtler der ägyptischen Luftwaffe zuschreiben, während Kairo schweigt. Es ist bereits der zweite solche Angriff innerhalb weniger Monate, und er erinnert daran, dass in Regionen, wo Rohstoffe, umstrittene Grenzen und Krieg aufeinandertreffen, die Ärmsten oft den höchsten Preis zahlen.
Sudan: Mindestens 72 Tote bei Luftangriff auf Goldmine an ägyptischer Grenze
Aus Angst vor einem weiteren Angriff rannten wir den Berg hinauf
Warum bombardiert Ägypten Goldminen im Sudan? Das ergibt keinen Sinn.
Die Grenze ist umstritten – beide Länder beanspruchen das Halaib-Dreieck. Ägypten sagt, es gehe gegen illegalen Goldabbau auf ägyptischem Gebiet.
Aber die Minen liegen an der sudanesischen Grenze, nicht klar auf ägyptischem Territorium. Das ist der Streitpunkt.
Und Ägypten ist gleichzeitig Verbündeter der sudanesischen Armee?
Ja, genau. Al-Burhan und Ägypten arbeiten zusammen gegen die RSF-Miliz. Das macht die Sache noch verworrener.
Wir wissen aber nicht, ob die Angriffe damit zu tun haben. Ägypten hat sich nicht geäußert. Wir haben nur die Aussagen von zwei Überlebenden und die Einschätzung von Menschenrechtsaktivisten.
Wie viele Menschen sind wirklich gestorben?
Mindestens 72, sagen die Aktivisten. Aber die Überlebenden sagen, Tausende waren dort. Viele könnten unter den Trümmern sein.
Und im Juni gab es einen ähnlichen Angriff mit 23 Toten. Das ist ein Muster, aber wir wissen nicht, was dahintersteckt.
Was passiert jetzt?
Das ist die Frage. Wird es Konsequenzen geben? Wird Ägypten antworten? Wird der Sudan protestieren?
Und ob die internationale Gemeinschaft überhaupt reagiert – das ist auch offen.
The Pulse
- Ein Kampfflugzeug feuerte am Samstagabend fünfmal auf eine Goldmine an der ägyptisch-sudanesischen Grenze – Überlebende beschreiben Szenen purer Panik und Zerstörung.
- Mindestens 72 Arbeiter sind tot, doch die wahre Opferzahl bleibt unbekannt: Viele werden noch unter den Trümmern vermutet, während sich Tausende Flüchtende in alle Richtungen zerstreuten.
- Ägypten hat sich bislang nicht zu dem Angriff geäußert, obwohl sudanesische Aktivisten die ägyptische Luftwaffe verantwortlich machen – eine Zuschreibung, die sich derzeit nicht unabhängig bestätigen lässt.
- Es ist bereits der zweite Luftangriff auf eine Goldmine in der Region innerhalb weniger Monate, was auf eine eskalierende Dynamik in einem ohnehin vom Bürgerkrieg zerrissenen Land hindeutet.
- Das rohstoffreiche Halaib-Dreieck, um das beide Länder streiten, wird zum Schauplatz einer Gewalt, deren genaue Motive – Kampf gegen illegalen Bergbau, Machtpolitik oder beides – im Dunkeln bleiben.
An einem Samstagabend, als Tausende Arbeiter in der Dunkelheit einer abgelegenen Goldmine an der umstrittenen Grenze zwischen Sudan und Ägypten schufteten, fiel der Krieg vom Himmel. Mindestens 72 Menschen starben, als ein Kampfflugzeug fünfmal auf die Mine feuerte – ein Angriff, den sudanesische Menschenrechtler der ägyptischen Luftwaffe zuschreiben, während Kairo schweigt. Es ist bereits der zweite solche Angriff innerhalb weniger Monate, und er erinnert daran, dass in Regionen, wo Rohstoffe, umstrittene Grenzen und Krieg aufeinandertreffen, die Ärmsten oft den höchsten Preis zahlen.
Am Samstagabend gegen 20 Uhr wurde eine Goldmine an der Grenze zwischen Sudan und Ägypten zum Ziel eines Luftangriffs. Ein Kampfflugzeug feuerte fünfmal auf das Gelände, wo zu diesem Zeitpunkt Tausende Arbeiter tätig waren. Laut der sudanesischen Organisation Emergency Lawyers starben dabei mindestens 72 Menschen – die ägyptische Luftwaffe soll für den Angriff verantwortlich sein. Ägypten hat sich bislang nicht geäußert.
Überlebende schilderten gegenüber der Nachrichtenagentur AFP das Chaos nach dem Beschuss: Arbeiter flohen den Berg hinauf, aus Angst vor weiteren Angriffen. Auf ihrer Flucht sahen viele Leichen. Weil sich die Menschen in alle Richtungen zerstreuten – manche zum Goldmarkt Al-Ansary, andere in die entgegengesetzte Richtung –, ist die genaue Zahl der Todesopfer noch immer unklar. Viele weitere werden unter den Trümmern vermutet.
Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art: Im Juni starben bei einem Luftangriff auf eine nicht lizenzierte Mine in der Region Jabal al-Uqaydat 23 Arbeiter. Auch damals wurde Ägypten die Verantwortung zugeschrieben. Die ägyptische Armee sprach seinerzeit von einem Einsatz gegen illegalen Goldabbau auf eigenem Staatsgebiet – einen Angriff auf eine Mine erwähnte sie nicht.
Der Hintergrund ist vielschichtig: Beide Länder beanspruchen das rohstoffreiche Halaib-Dreieck, und Ägypten ist zugleich ein wichtiger Verbündeter der sudanesischen Armee im seit über drei Jahren andauernden Bürgerkrieg gegen die RSF-Miliz. Ob die Angriffe auf die Minen Teil einer gezielten Kampagne sind oder mit den größeren Machtkämpfen im Sudan zusammenhängen, bleibt offen.
Am Samstagabend gegen 20 Uhr feuerte ein Kampfflugzeug fünfmal auf eine Goldmine an der Grenze zwischen dem Sudan und Ägypten. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten starben dabei mindestens 72 Arbeiter. Die sudanesische Organisation Emergency Lawyers macht die ägyptische Luftwaffe für den Angriff verantwortlich. Ägypten hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert, und die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Abdelasis Jussef, ein Arbeiter, der den Angriff überlebte, beschrieb die Szenen der Zerstörung gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Das Flugzeug habe mehrfach hintereinander auf die Mine gefeuert, sagte er. Viele Menschen seien getötet worden. Aus Angst vor weiteren Angriffen seien die Arbeiter den Berg hinaufgerannt. Ein anderer Überlebender, Scharaf Ali, berichtete, dass zum Zeitpunkt des Angriffs Tausende Menschen an diesem abgelegenen Ort tätig waren. Nach dem Beschuss zerstreuten sich die Menschen in verschiedene Richtungen – einige liefen zum Goldmarkt Al-Ansary, andere in die entgegengesetzte Richtung. Deshalb sei unklar, wie viele Menschen tatsächlich getötet wurden, sagte Ali. Beide Überlebende berichteten, dass sie auf ihrer Flucht Leichen gesehen hätten. Viele weitere Tote werden den Angaben zufolge unter den Trümmern der Mine vermutet.
Dies ist nicht der erste Angriff auf eine Goldmine in dieser Region. Im Juni hatte es bereits einen Luftangriff auf eine nicht lizenzierte Goldmine in der Region Jabal al-Uqaydat gegeben, bei dem 23 Arbeiter starben. Auch dieser Angriff wurde Ägypten zugeschrieben. Die ägyptische Armee erklärte damals, sie habe einen »Großeinsatz« gegen illegalen Goldabbau auf ägyptischem Staatsgebiet durchgeführt. Von einem Angriff auf eine Mine sprach sie nicht.
Die Grenze zwischen dem Sudan und Ägypten ist umstritten. Beide Länder beanspruchen das rohstoffreiche Halaib-Dreieck für sich. Der Kontext dieser Anschläge ist komplex: Ägypten ist gleichzeitig ein wichtiger Verbündeter der sudanesischen Armee unter Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan, die seit mehr als drei Jahren gegen die RSF-Miliz kämpft – die Rebellengruppe des früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo. Der Krieg im drittgrößten Land Afrikas hat bereits mehr als 200.000 Menschen getötet.
Die Serie von Luftangriffen auf Goldminen in dieser Grenzregion deutet auf eskalierte Spannungen hin. Ob die Angriffe Teil einer koordinierten Kampagne gegen illegalen Goldabbau sind, ob sie mit den größeren Machtkämpfen im Sudan verbunden sind, oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen, bleibt unklar. Die fehlende offizielle Stellungnahme Ägyptens und die Schwierigkeit, die genaue Zahl der Opfer zu ermitteln, machen es schwer, das volle Ausmaß dieser Vorfälle zu verstehen.
Notable Quotes
Viele Menschen wurden getötet. Aus Angst vor einem weiteren Angriff rannten wir den Berg hinauf.— Abdelasis Jussef, Überlebender des Luftangriffs
Zum Zeitpunkt des Angriffs hätten Tausende Menschen an dem abgelegenen Standort gearbeitet. Nach dem Luftangriff liefen die Menschen auseinander. Deshalb weiß niemand genau, wie viele getötet wurden.— Scharaf Ali, Überlebender des Luftangriffs