In einer Institution, die Schutz und Ordnung verkörpern soll, dokumentiert eine Studie der Universität Leipzig das Gegenteil: Polizistinnen in Sachsen erleben körperliche Übergriffe, verbale Erniedrigung und strukturelle Benachteiligung durch ihre eigenen Kollegen. Das Phänomen ist nicht neu, aber seine systematische Erfassung unter dem Titel »Sexismus im Dienst« macht das Schweigen schwerer. Die sächsische Polizeiführung hat reagiert — mit Betroffenheit und dem Versprechen einer Arbeitsgruppe, deren Wirkung noch ungewiss bleibt.
Studie: Struktureller Sexismus bei sächsischer Polizei dokumentiert
Um akzeptiert zu werden, müssen Frauen die Sexualisierung ihres Körpers dulden.
Was genau verstehen die Forscher unter »strukturellem« Sexismus? Das klingt anders als einzelne Übergriffe.
Es geht um Muster, die in die Institution eingebaut sind. Nicht nur, dass einzelne Kollegen übergriffig werden, sondern dass Frauen systematisch zu bestimmten Aufgaben eingeteilt werden, dass es ein Idealbild gibt, das Frauen erfüllen müssen, und dass das System Frauen bestraft, die sich wehren.
Aber wie viele Frauen sind betroffen? Die Studie basiert auf 23 Interviews. Das ist eine kleine Stichprobe.
Das ist richtig. Die Interviews geben tiefe Einblicke in typische Muster, aber keine repräsentativen Zahlen. Eine größere Befragung von 3500 Beschäftigten wird gerade ausgewertet — das könnte zeigen, wie verbreitet das Problem wirklich ist.
Und was sagt der Polizeipräsident dazu?
Er war überrascht und betroffen. Er sagte, dass es ihn schmerzt, das zu hören, und kündigte eine Arbeitsgruppe an, die Maßnahmen entwickeln soll.
Das ist eine Reaktion, aber noch keine Lösung. Wir wissen nicht, welche Maßnahmen konkret geplant sind oder wie schnell sie umgesetzt werden.
Das ist fair. Die Ankündigung ist ein Anfang, aber die Frage ist, ob die Institution wirklich bereit ist, sich zu verändern.
Warum ist das so schwer? Warum können Polizistinnen sich nicht einfach wehren?
Weil die Kultur das bestraft. Wenn eine Frau auf sexistische Kommentare hinweist, wird sie als überempfindlich dargestellt. Sie riskiert, von ihren Kollegen isoliert zu werden.
Und das ist dokumentiert in dieser Studie?
Ja, das ist ein zentrales Ergebnis. Die Forscherin Sophia Weißer beschreibt das explizit.
O Pulso
- Polizistinnen berichten von Griffen unter den Rock, sexuell expliziten Bildern und Beleidigungen wie »Hure« — mitten im Dienstalltag, durch Kollegen.
- Wer sich wehrt, wird als überempfindlich abgestempelt: Das System bestraft Widerstand und schützt die Täter durch soziale Ächtung der Opfer.
- Strukturell werden Frauen überproportional zu Reinigungsarbeiten oder zum Überbringen schlechter Nachrichten eingeteilt — eine stille Degradierung innerhalb der Hierarchie.
- Landespolizeipräsident Kubiessa zeigte sich erschüttert und räumte ein: »Ich habe gedacht, wir sind weiter« — ein seltenes institutionelles Eingeständnis.
- Eine Arbeitsgruppe soll erste Maßnahmen einleiten, während eine Befragung von 3500 Beschäftigten noch ausgewertet wird und ein vollständigeres Bild verspricht.
In einer Institution, die Schutz und Ordnung verkörpern soll, dokumentiert eine Studie der Universität Leipzig das Gegenteil: Polizistinnen in Sachsen erleben körperliche Übergriffe, verbale Erniedrigung und strukturelle Benachteiligung durch ihre eigenen Kollegen. Das Phänomen ist nicht neu, aber seine systematische Erfassung unter dem Titel »Sexismus im Dienst« macht das Schweigen schwerer. Die sächsische Polizeiführung hat reagiert — mit Betroffenheit und dem Versprechen einer Arbeitsgruppe, deren Wirkung noch ungewiss bleibt.
Eine Studie der Universität Leipzig legt offen, was in der sächsischen Polizei lange unter der Oberfläche blieb: Sexismus ist dort kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem mit drei klar unterscheidbaren Gesichtern — körperlich, verbal und institutionell.
Studienleiter Thomas Schmidt-Lux betont, dass Sexismus die gesamte Gesellschaft durchzieht, sich aber an spezifischen Orten auf spezifische Weise manifestiert. Co-Autorin Sophia Weißer beschreibt das Spektrum: ungewolltes Anfassen, sexuell explizite Bilder, entwürdigende Kommentare über Körper und Aussehen, unerwünschte sexuelle Einladungen. Hinzu kommt ein paradoxes Idealbild der »guten Polizistin« — hübsch und niedlich, aber bloß nicht zu groß oder muskulös. Wer diesem Bild nicht entspricht oder sich gegen Übergriffe wehrt, wird als Spaßbremse abgetan.
Die Studie stützt sich auf 23 Tiefeninterviews mit Polizistinnen und Polizisten verschiedener Dienstgrade, geführt zwischen November 2023 und April 2024. Eine quantitative Befragung von 3500 Beschäftigten wird derzeit noch ausgewertet. Schmidt-Lux äußerte dabei auch Sorge über institutionelle Schutzlücken: Formale Mechanismen existieren, erreichen aber nicht alle Betroffenen.
Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa reagierte mit sichtbarer Betroffenheit. »Es tut mir immer noch weh, wenn ich das höre, aber man muss daran arbeiten«, sagte er und kündigte eine Arbeitsgruppe an, die auf Basis der Studienergebnisse erste Maßnahmen entwickeln soll. Ob dieser Schritt ausreicht, um ein System zu verändern, das Frauen systematisch marginalisiert, bleibt die entscheidende Frage.
Die sächsische Polizei hat ein Sexismusproblem, das nicht an der Oberfläche endet. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie der Universität Leipzig, die unter dem Titel »Sexismus im Dienst« strukturelle Diskriminierung in der Behörde dokumentiert hat. Die Forschung zeigt, dass Polizistinnen körperlichen Übergriffen ausgesetzt sind — Griffe unter den Rock, ungewolltes Anfassen — und gleichzeitig einer Kultur begegnen, in der sexistische Kommentare und Beleidigungen zum Alltag gehören.
Thomas Schmidt-Lux, der die Studie leitete, betont, dass dies kein isoliertes Problem der Polizei ist. Sexismus durchzieht die gesamte Gesellschaft, manifestiert sich aber an spezifischen Orten auf spezifische Weise. Bei der sächsischen Polizei zeigt sich das in drei deutlich unterscheidbaren Formen: körperlich, verbal und strukturell. Die Co-Autorin Sophia Weißer beschreibt das Spektrum: Neben den physischen Übergriffen gibt es sexuell explizite Bilder, Beleidigungen wie »Hure«, Kommentare über die Körper von Polizistinnen und unerwünschte sexuelle Einladungen. Auf der strukturellen Ebene werden Frauen überproportional häufig zu Reinigungsarbeiten oder zum Überbringen schlechter Nachrichten eingeteilt — Aufgaben, die ihre Rolle in der Hierarchie untergraben.
Ein besonders problematisches Phänomen ist das stereotypische Idealbild der »guten Polizistin«. Sie soll hübsch und niedlich sein, aber nicht zu groß oder muskulös wirken. Gleichzeitig werden Frauen für ihre körperlichen Leistungen oder ihre Stimme herabgesetzt. Das Paradoxe ist brutal: Um von Kollegen auf Augenhöhe behandelt zu werden, müssen Polizistinnen die Sexualisierung ihres Körpers dulden. Weist eine Frau auf sexistische Kommentare hin oder wehrt sich gegen unerwünschte Berührungen, wird sie als überempfindlich oder als Spaßbremse etikettiert. Das System bestraft Widerstand.
Die Studie basiert auf 23 Interviews mit Polizistinnen und Polizisten verschiedener Dienstgrade, die zwischen November 2023 und April 2024 geführt wurden. Diese Interviews bieten keine repräsentative Gesamtschau, sondern tiefe Einblicke in typische Muster und individuelle Erfahrungen. Eine breitere Befragung von 3500 Beschäftigten wird derzeit ausgewertet und könnte ein vollständigeres Bild liefern.
Bei der Vorstellung der Ergebnisse zeigte sich Schmidt-Lux besorgt über institutionelle Schwächen im Umgang mit Sexismus und Rassismus. Zwar gibt es formale Schutzmechanismen, doch diese erreichen nicht alle Betroffenen. Gerade wenn Frauen Unterstützung brauchen, um sich gegen Sexismus zu wehren, werden die Mängel des Systems sichtbar. Die Institution schützt ihre Opfer nicht ausreichend.
Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa reagierte auf die Ergebnisse mit einer Mischung aus Überraschung und Besorgnis. »Ich habe gedacht, wir sind weiter«, sagte er. Er sei dankbar, dass sich die Polizistinnen und Polizisten zu den Interviews bereit erklärt hätten, und räumte ein, dass die dokumentierten Fälle emotional belastend sind. »Es tut mir immer noch weh, wenn ich das höre, aber man muss daran arbeiten.« Das ist eine Anerkennung, aber auch ein Versprechen. Kubiessa kündigte an, dass eine Arbeitsgruppe auf Basis dieser Erkenntnisse erste Maßnahmen einleiten wird — parallel zur Auswertung der quantitativen Befragung.
Die Studie entstand im Rahmen des Forschungsprojekts »Geschlecht und Polizei« des Sächsischen Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung. Sie legt offen, was lange unter der Oberfläche blieb: dass Sexismus in der Polizei nicht nur einzelne Übergriffe sind, sondern ein System, das Frauen systematisch marginalisiert und gefährdet. Ob die angekündigte Arbeitsgruppe dieses System tatsächlich verändern kann, wird sich zeigen.
Citações Notáveis
Ich habe gedacht, wir sind weiter— Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa
Gerade wenn Frauen Unterstützung benötigen, um sich gegen Sexismus zu wehren, werden deutliche institutionelle Schwächen sichtbar— Thomas Schmidt-Lux, Leiter der Studie