Startchancengesetz: Bundestag berät über frühe Sprachförderung für alle Kinder

Die Worte haben gefehlt
Sprachfachkraft Pohle beschreibt Kinder, die verstehen, aber nicht sprechen können.
Mark

Warum brauchen wir ein Bundesgesetz für etwas, das die Länder ohnehin schon tun können?

Mimi

Weil es bisher keine einheitlichen Standards gibt. Hamburg macht Tests, andere Länder nicht. Das führt zu Ungleichheit — ein Kind in Bremen hat andere Chancen als eines in Baden-Württemberg.

Luke

Aber die Länder zahlen doch selbst für ihre Kitas. Warum sollte der Bund sich einmischen?

Mimi

Der Bund zahlt mit — 9,25 Milliarden Euro bis 2034. Das ist der Preis für einheitliche Standards.

Mark

Und die Länder sind damit zufrieden?

Luke

Nein. Sie sagen, das reicht nicht. Aber wie viel würde denn reichen? Das ist unklar.

Mimi

Genau. Die Länder fordern Nachbesserungen, aber konkrete Zahlen nennen sie nicht.

Mark

Was passiert, wenn ein Kind bei dem Test schlecht abschneidet?

Mimi

Es bekommt 30 Minuten pro Woche zusätzliche Förderung — Sprachtraining, Sozialarbeit, je nachdem was nötig ist.

Luke

Aber 30 Minuten pro Woche — ist das genug? Das sind zwei Stunden im Monat.

Mimi

Das ist die Frage. Kerstin Pohle in Cottbus wünscht sich mehr Zeit und mehr Kollegen. Das Gesetz könnte helfen, aber ob es reicht, wird sich zeigen.

Mark

Wann tritt das Gesetz in Kraft?

Luke

Schrittweise ab 2027, vollständig ab 2029. Aber erst muss der Bundesrat zustimmen.

  • Ab 2027 schrittweise, ab 2029 vollständig: flächendeckende Tests für alle Vierjährigen
  • 30 Minuten pro Woche zusätzliche Förderung für Kinder mit Förderbedarf
  • 9,25 Milliarden Euro Bundesfinanzierung bis 2034
  • Mindestens 10 Prozent der Kitas in jedem Bundesland erhalten zusätzliche Stellen

Ab 2027 sollen alle Kinder mit vier Jahren auf Sprache, Motorik und mathematische Fähigkeiten getestet werden. Kitas mit vielen Kindern mit Förderbedarf erhalten zusätzliche Stellen; der Bund stellt bis 2034 etwa 9,25 Milliarden Euro bereit.

Der Bundestag berät über ein Gesetz, das flächendeckende Entwicklungstests für alle Vierjährigen vorsieht. Ziel ist bessere Chancengleichheit durch frühe Förderung von Sprache und motorischen Fähigkeiten.

Im Kindergarten von Cottbus sitzen Fünf- und Sechsjährige vor einem großen Wimmelbild und versuchen zu beschreiben, was sie sehen. Bauernhof, Teich, Drachen — die Sprachfachkraft Kerstin Pohle fragt, was die Kinder entdecken. Manche antworten mit Worten. Andere zeigen nur stumm auf das Bild. "Sie konnten zeigen, was gemeint war. Das haben sie sehr gut erkannt, aber die Worte haben gefehlt", sagt Pohle. Diese Szene steht für ein Problem, das der Bundestag heute angehen will: Kinder, deren Sprachentwicklung hinter ihren Fähigkeiten zurückbleibt, werden oft zu spät erkannt — und dann ist es schwerer, sie aufzuholen.

Das Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz, das Bildungs- und Familienministerin Karin Prien von der CDU heute erstmals im Bundestag zur Debatte stellt, soll das ändern. Der Gesetzentwurf verpflichtet die Bundesländer, flächendeckend alle Vierjährigen zu testen — nicht nur auf Sprache, sondern auch auf motorische Fähigkeiten, sozial-emotionale Kompetenzen und mathematische Grundlagen. Einige Länder wie Hamburg führen solche Tests bereits durch, doch bisher gibt es keine einheitlichen Standards. Das Gesetz würde das ändern und den Entwicklungsstand von Kindern deutlich vor dem Wechsel in die Grundschule erfassen.

Prien begründet das Vorhaben mit Chancengleichheit. Bei der Vorstellung des Gesetzes am 2. September sagte sie: "Der Bildungs- und Lebensweg von Kindern und von jungen Menschen hängt immer noch viel zu stark davon ab, woher ein Kind kommt, aus welcher Familie es stammt, wie der Bildungsstand der Eltern ist und zu wenig davon, wie Talente und Fähigkeiten bei den Kindern selbst sind." Das Gesetz zielt darauf, diese Abhängigkeit zu brechen, indem es frühe Probleme erkennt und früh gegensteuert.

Wer Förderbedarf hat, soll 30 Minuten pro Woche zusätzliche Zeit von Fachkräften erhalten. Kindergärten mit einem hohen Anteil an Kindern mit besonderen Herausforderungen bekommen bis zu 1,5 zusätzliche Stellen für Sprachbildung und Sozialarbeit — mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Bundesland sollen davon profitieren. Das soll auch zu einem reibungslosen Übergang in die Grundschule beitragen. Ab 2027 soll das Gesetz schrittweise in Kraft treten, ab 2029 soll es vollständig greifen.

Doch es gibt ein großes Aber: Zwar sind Kindergärten eigentlich Sache der Länder, nicht des Bundes. Prien hofft, die Bundesländer auf ihre Seite zu bekommen — und bietet ihnen dafür Geld an. Der Bund will die Länder bei der Umsetzung anteilig unterstützen und bis 2034 rund 9,25 Milliarden Euro bereitstellen. Doch die Bundesländer zweifeln bereits, dass diese Summe ausreicht. Sie fordern Nachbesserungen. Das Gesetz muss außerdem noch durch den Bundesrat, wo die Länder ein Mitspracherecht haben.

Zurück in Cottbus: Kerstin Pohle, die Sprachfachkraft, wünscht sich "mehr Zeit und mehr Kollegen". Das geplante Gesetz könnte zumindest einen Teil ihrer Wünsche erfüllen — wenn die Länder zustimmen und wenn die Finanzierung am Ende wirklich ausreicht.

Der Bildungs- und Lebensweg von Kindern hängt immer noch viel zu stark davon ab, woher ein Kind kommt und zu wenig davon, wie Talente und Fähigkeiten bei den Kindern selbst sind
— Karin Prien, Bildungs- und Familienministerin (CDU)
Mehr Zeit und mehr Kollegen
— Kerstin Pohle, Sprachfachkraft in Cottbus
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