Ronaldos Selbstmitleid: Die Abschiedsgeschichte eines einsamen Helden

Ganz allein – das ist sein Abschied
Während Messi mit weinenden Mitspielern feierte, stand Ronaldo isoliert da.
Mark

Warum ist dieser Abschied so anders als der von Zidane oder Lahm?

Mimi

Weil Ronaldo nicht gehen konnte, als er noch groß war. Nach 2016 hätte er es tun können – souverän, auf seinem Höhepunkt. Stattdessen klammerte er sich fest.

Luke

Aber wir wissen nicht wirklich, was in den letzten Monaten passiert ist. Der Trainer hat sich nicht öffentlich geäußert. Wir kennen nur Ronaldos Version.

Mimi

Das ist genau der Punkt. Er musste seine Version aufschreiben, weil die Taten nicht mehr sprachen. Das sagt alles.

Mark

Was bedeutet es für Portugal, dass er geht?

Mimi

Die Mannschaft ist besser ohne ihn. Das ist hart, aber wahr. Sie sind talentiert, sie brauchen ihn nicht mehr.

Luke

Wobei wir auch nicht wissen, wie die anderen Spieler das wirklich sehen. "Befreit fühlen" – das ist eine Interpretation.

Mark

Und Messi? Wie unterscheidet sich sein Abschied?

Mimi

Messi weinte mit seinen Mitspielern. Ronaldo schrieb eine Geschichte und ging allein. Das ist der ganze Unterschied.

Luke

Aber Messi hatte auch Erfolg. Ronaldo hatte zuletzt nur noch Niederlagen und Videoclips von Fehlschüssen.

Mark

Wird er zurückkommen?

Mimi

Er sagt, er will weitermachen. Aber wer in Portugal wünscht sich das noch?

  • Ronaldo verlässt das Mannschaftsquartier vorzeitig, nachdem sein Trainer ihn nicht eingewechselt und sich anschließend nicht erklärt hat – ein Eklat, der die Nationalelf mitten in einem Turnier erschüttert.
  • Die Mannschaft gewinnt auch ohne ihn, und manche Spieler wirken befreit von der Last der öffentlichen Figur Cristiano, die zuletzt weniger durch Tore als durch Patzer und Selbstinszenierung auffiel.
  • Auf zehn Seiten vergleicht sich Ronaldo mit Pelé und Maradona, entschuldigt sich erst auf Seite neun bei seinen Mitspielern – und erklärt am Ende, er wolle weitermachen.
  • In Portugal stellt sich die Frage, ob irgendjemand diesen Verbleib noch wünscht: Das Team ist talentiert, jung und ohne ihn besser aufgestellt.

Cristiano Ronaldo, einst Wunderstürmer und Volksheld, hat seinen Abschied von der portugiesischen Nationalmannschaft nicht auf dem Rasen vollzogen, sondern in einer Kurzgeschichte – einem literarischen Dokument, das mehr Selbstmitleid als Größe verrät. Wo andere Legenden wie Zidane oder Kroos den richtigen Moment kannten, um zu schweigen und zu gehen, wählt Ronaldo das Wort, um zu klagen und zu bleiben. Es ist die alte Frage, die das Altern im Rampenlicht stellt: Wann hört ein Held auf, Held zu sein – und wann beginnt er, sich selbst im Weg zu stehen?

Cristiano Ronaldo hat sich von der portugiesischen Nationalmannschaft verabschiedet – nicht mit einem Tor oder einer Geste auf dem Platz, sondern mit einer Kurzgeschichte, die pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erschien. Was er darin aufschrieb, ist weniger ein würdiger Abschied als eine Abrechnung, die mehr über seinen inneren Zustand verrät als jede Statistik.

In seiner Geschichte wirft Ronaldo dem Nationaltrainer vor, zweimal sein Wort gebrochen zu haben: erst beim Nicht-Einwechseln, dann beim Ausbleiben einer versprochenen Erklärung. Daraufhin reiste er ab. Die Mannschaft gewann auch ohne ihn – und es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich einige Mitspieler befreit fühlten von einer Figur, die zuletzt nicht durch Tore, sondern durch das Klammern an alten Ruhm aufgefallen war.

Was Ronaldo verpasst hat, ist das, was große Spieler manchmal beherrschen: souverän zu gehen, wenn die Zeit gekommen ist. Zidane tat es nach dem WM-Finale 2006, Lahm nach dem Titel 2014, Kroos nach dem EM-Viertelfinale 2024. Ronaldo hätte nach dem EM-Triumph 2016 gehen können. Er tat es nicht.

In seiner Kurzgeschichte vergleicht er sich mit Pelé und Maradona, bittet seine Teamkollegen erst auf Seite neun um Entschuldigung – und erklärt am Ende, er wolle weitermachen. Doch will das in Portugal noch jemand? Das Team ist talentiert und ohne ihn besser. Wenn man in einigen Jahren an Messis letzten Tagen in Argentinien denkt – an weinende Mitspieler und ein Idol inmitten seiner Leute –, wird man Ronaldos Abgang anders in Erinnerung behalten: den großen Volkshelden, ganz allein mit seinen Worten.

Cristiano Ronaldo hat sich verabschiedet – nicht mit einem Tor, nicht mit einer Geste auf dem Platz, sondern mit einer Kurzgeschichte. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erreichte Portugal eine literarische Erklärung des Mannes, der einmal als Wunderstürmer galt, der es von einer kleinen Wohnung auf Madeira in die größten Arenen der Welt geschafft hatte. Was er aufschrieb, war weniger ein Abschied als eine Abrechnung – und sie offenbart mehr über seinen Zustand als jede Statistik könnte.

In seiner Geschichte wirft Ronaldo seinem Nationaltrainer vor, zweimal sein Wort gebrochen zu haben. Einmal, als dieser ihn nicht einwechselte, obwohl er es versprochen hatte. Ein zweites Mal, als der Trainer sich danach nicht, wie zugesagt, minutenlang erklärte. Daraufhin reiste Ronaldo ab. Man könnte sagen, er ließ seine Mitspieler im Stich – doch die Mannschaft gewann auch ohne ihn. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich einige von ihnen befreit fühlten von der öffentlichen Figur Cristiano, die in den vergangenen Monaten nicht durch Tore berühmt geblieben war, sondern durch das ewige Klammern an alten Ruhm. Die Videoclips zeigten einen Mann, der Bälle verstolperte oder in den Oberrang schoss.

Was Ronaldo verpasst hat, ist das, was große Spieler manchmal beherrschen: souverän zu gehen, zu wissen, wann es gut ist. Zinédine Zidane tat es nach dem WM-Finale 2006. Philipp Lahm nach dem WM-Titel 2014. Toni Kroos nach dem sechsten Champions-League-Titel und dem EM-Viertelfinale 2024. Sie alle wussten, wann Schluss war. Ronaldo hätte nach dem EM-Titel 2016 gehen können. Stattdessen dachte er lange nicht ans Aufhören.

In seiner Kurzgeschichte offenbarte Ronaldo auch die Notizen, die sein Trainer Jorge Jesus bei der versprochenen Erklärung vorlesen sollte. Darin wird Ronaldo als jemand beschrieben, der vom Kaliber eines Pelé oder Maradona sei. Wenn die Füße nicht mehr sprechen, tun es die Handy-Tastaturen – ein Phänomen, das man schon vom Deutschland-Abschied von Mesut Özil kannte. "Ich bin nicht nur irgendein Spieler. Ich bin der Teamkapitän", schrieb Ronaldo weiter. Seine Teamkollegen bat er um Entschuldigung – auf Seite neun von zehn, lange nachdem er sich mit Pelé und Maradona verglichen hatte. Die Pointe seiner Geschichte, die "reinste Wahrheit", lautete: Ronaldo wolle weitermachen bei der Nationalelf.

Doch will das sonst noch jemand in Portugal? Zweimal schon hat Ronaldo seine Trainer öffentlich unter Druck gesetzt, mit Erfolg – damals, als er noch einer der besten Spieler der Welt war. Heute ist er das lange nicht mehr. Portugals Mannschaft ist talentiert, sie ist besser ohne ihn. Aus den großen europäischen Stadien des Klubfußballs sind die beiden ewigen Widersacher Messi und Ronaldo verschwunden. Was ihnen blieb, waren ihre Nationalmannschaften. Wenn in einigen Jahren über die letzten Tage der beiden in Argentinien und Portugal gesprochen wird, wird es nicht um die Gegner gehen – Benin und Norwegen sind längst vergessen. Man wird sich an die Bilder aus Buenos Aires erinnern: weinende Mitspieler und mittendrin Messi, sein Idol. Und an die Zeilen aus Portugal wird man denken: an den großen Volkshelden Cristiano, ganz allein.

Ich bin nicht nur irgendein Spieler. Ich bin der Teamkapitän
— Cristiano Ronaldo in seiner Kurzgeschichte
Die reinste Wahrheit: Ronaldo wolle weitermachen bei der Nationalelf
— Pointe von Ronaldos literarischem Debüt
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