Am Abend des 30. September versagte in Nashville ein System, das eigentlich dem Schutz des Lebens dienen sollte – ausgerechnet in dem Moment, in dem eine Frau zwischen zwei Giftspritzen und dem Tod lag. Christa Pike, seit 1995 zum Tode verurteilt, überlebte ihre Hinrichtung, weil ein echter Notruf als Fehlalarm abgelegt wurde und Hilfe erst mit 27 Minuten Verzögerung eintraf. Ihr Fall stellt die USA vor eine unbequeme Frage: Wenn der Staat das Töten nicht fehlerfrei vollziehen kann, was sagt das über sein Recht aus, es überhaupt zu tun?
Notruf bei gescheiterter Hinrichtung von Christa Pike als Fehlalarm eingestuft
Der Notruf wurde als Fehlalarm dokumentiert und zu den Akten gelegt.
Was genau ist bei dieser Hinrichtung schiefgelaufen?
Christa Pike bekam zwei Dosen Pentobarbital injiziert – ein Gift, das tödlich wirken soll. Aber es funktionierte nicht. Sie überlebte und wurde künstlich beatmet.
Das ist das medizinische Versagen. Aber der Artikel konzentriert sich auf etwas anderes – auf das Behördenversagen danach.
Ah ja, dieser Notruf. Wer hat angerufen?
Eine Frau, die von der gescheiterten Hinrichtung berichtete. Aber die Leitstelle verlangte einen Sicherheitscode, um sicherzustellen, dass es kein Prank-Anruf war.
Das klingt nach einer Sicherheitsmaßnahme. Aber was passierte dann?
Die Frau konnte den Code nicht nennen?
Genau. Also wurde der Anruf als Fehlalarm dokumentiert und ignoriert.
Für wie lange? Das ist entscheidend – wie viel Zeit verging, bis jemand das überprüfte?
Eine halbe Stunde, richtig?
Ja. Um 20.40 Uhr kam der erste Anruf. Um 21.07 Uhr beschlossen die Einsatzkräfte, nachzuschauen. Sie riefen die Gefängnisleitstelle an.
Und die sagte, es gebe keinen Notruf. Das ist das Kernproblem – zwei verschiedene Stellen, zwei verschiedene Informationen.
Wie lange dauerte es, bis das geklärt war?
Vier Minuten. Um 21.11 Uhr bestätigte die Leitstelle, dass tatsächlich ein Notfall vorlag.
Also 31 Minuten zwischen dem ersten Anruf und dem Moment, in dem Einsatzkräfte ins Gefängnis durften. Bei einem medizinischen Notfall ist das eine lange Zeit.
Und Pike – wo ist sie jetzt?
Sie ist zurück im Gefängnis. Sie wachte auf, bevor sie von den lebenserhaltenden Geräten getrennt wurde. Jetzt wird sie dort medizinisch versorgt.
Das ist das Ungewöhnliche hier: Sie überlebte die Hinrichtung und wachte wieder auf. Das ist nicht nur ein Behördenversagen – es ist ein Fall, der die ganze Debatte über Todesstrafe wieder aufgerissen hat.
El Pulso
- Zwei tödliche Dosen Pentobarbital – und Christa Pike lebt noch: Die Hinrichtung scheiterte auf eine Weise, die das gesamte Vollstreckungssystem in Frage stellt.
- Ein echter Notruf wurde wegen eines fehlenden Sicherheitscodes als Fehlalarm abgehakt – 27 Minuten lang blieb eine Frau ohne medizinische Notfallversorgung.
- Die Verwirrung zwischen Leitstellen kostete weitere wertvolle Minuten: Erst um 21.11 Uhr bestätigte das Gefängnis den Notfall, den es selbst zunächst bestritt.
- Pike wurde künstlich beatmet, ein Hirntod diagnostiziert – und wachte kurz vor dem Abschalten der Geräte wieder auf.
- Zehn Tage nach dem Geschehen ist Pike zurück im Gefängnis; der Fall befeuert eine nationale Debatte über Todesstrafe, Würde und staatliches Versagen.
Am Abend des 30. September versagte in Nashville ein System, das eigentlich dem Schutz des Lebens dienen sollte – ausgerechnet in dem Moment, in dem eine Frau zwischen zwei Giftspritzen und dem Tod lag. Christa Pike, seit 1995 zum Tode verurteilt, überlebte ihre Hinrichtung, weil ein echter Notruf als Fehlalarm abgelegt wurde und Hilfe erst mit 27 Minuten Verzögerung eintraf. Ihr Fall stellt die USA vor eine unbequeme Frage: Wenn der Staat das Töten nicht fehlerfrei vollziehen kann, was sagt das über sein Recht aus, es überhaupt zu tun?
Am Abend des 30. September ging um 20.40 Uhr ein Notruf bei der Leitstelle ein: Eine Hinrichtung war gescheitert, die Verurteilte hatte zwei Dosen Pentobarbital erhalten und lebte noch. Weil die Anruferin keinen Sicherheitscode nennen konnte, wurde der Notruf als Fehlalarm dokumentiert. Erst 27 Minuten später entschieden sich Einsatzkräfte, die Meldung zu überprüfen – und stießen auf eine Leitstelle, die zunächst jeden Notfall abstritt, ihn vier Minuten später aber bestätigte. Die Notruf-Mitschnitte, die AP vorliegen, zeigen das Versagen in aller Deutlichkeit.
Die Frau hinter dem Protokoll war Christa Pike, 50 Jahre alt, 1995 im Alter von 18 Jahren wegen des Mordes an ihrer Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Ihre Anwälte hatten jahrelang auf langjährigen sexuellen Missbrauch und psychische Erkrankungen als mildernde Umstände hingewiesen. Nach der gescheiterten Hinrichtung wurde Pike in eine Klinik gebracht und künstlich beatmet; die Ärzte diagnostizierten einen mutmaßlichen Hirntod. Kurz bevor die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden sollten, wachte sie auf.
Zehn Tage nach dem Geschehen wurde Pike aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich wieder in Haft, wo sie weiterhin medizinisch versorgt wird. Ihr Fall hat die Debatte über die Todesstrafe in den USA neu entfacht – zusätzlich angeheizt durch die Ankündigung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, eine Erschießung live zu übertragen, was selbst in Teilen der Republikanischen Partei auf Widerstand stößt. Die Frage, ob der Staat das Recht hat, Leben zu beenden, wenn er es nicht einmal fehlerfrei zu vollziehen vermag, steht nun unausweichlich im Raum.
Am 30. September um 20.40 Uhr ging bei der Leitstelle ein Notruf ein. Eine Frau meldete, dass eine Hinrichtung gescheitert war – dass eine zum Tode Verurteilte zwei Dosen des Giftes Pentobarbital erhalten hatte und noch immer am Leben war. Die Leitstelle forderte einen Sicherheitscode an, um die Echtheit des Anrufs zu überprüfen. Die Anruferin konnte ihn nicht nennen. Der Notruf wurde als Fehlalarm dokumentiert und zu den Akten gelegt.
Eine halbe Stunde später, um 21.07 Uhr, beschlossen die Einsatzkräfte dennoch, die Meldung zu überprüfen. Sie kontaktierten die Leitstelle des Gefängnisses in Nashville, Tennessee. Von dort kam die Antwort: Man habe keinen Notruf abgesetzt. Vier Minuten später – um 21.11 Uhr – bestätigte dieselbe Leitstelle, dass tatsächlich ein Notfall vorlag. Erst dann durften die Einsatzkräfte das Gefängnis betreten. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP zeigen die Notruf-Mitschnitte dieses Versagen deutlich: Die Hilfe kam zu spät, weil ein echtes Notfall-Signal als Fehlalarm behandelt worden war.
Die Verurteilte war Christa Pike, 50 Jahre alt. Sie hatte am Mittwoch der Vorwoche zwei Injektionen mit Pentobarbital erhalten – einem Mittel, das normalerweise tödlich wirkt. Doch Pike überlebte. Sie wurde in eine Klinik gebracht und künstlich beatmet. Die Ärzte diagnostizierten einen mutmaßlichen Hirntod. Am Dienstag, kurz bevor sie von den lebenserhaltenden Geräten getrennt werden sollte, wachte Pike wieder auf.
Pike war 1995 wegen des Mordes an ihrer 19-jährigen Klassenkameradin Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie war damals 18 Jahre alt. Ihre Anwälte argumentierten später, dass sie unter den Folgen langjährigen sexuellen Missbrauchs und psychischen Problemen gelitten habe. Zehn Tage nach der gescheiterten Hinrichtung wurde Pike aus dem Krankenhaus entlassen und ist nun zurück im Gefängnis, wo sie weiterhin medizinisch versorgt wird.
Der Fall hat in den USA eine intensive Debatte über die Todesstrafe neu entfacht. Die Aufmerksamkeit wurde zusätzlich geschärft durch die Ankündigung von Verteidigungsminister Pete Hegseth, die Exekution eines Attentäters durch ein Erschießungskommando live zu übertragen – eine Ankündigung, die selbst bei einigen Republikanern auf Bedenken stößt. Pikes gescheiterte Hinrichtung und das dokumentierte Behördenversagen bei der Notfallreaktion haben die Frage nach der Durchführbarkeit und Menschenwürdigkeit der Todesstrafe in den Mittelpunkt gerückt.
Citas Notables
Pike wurde aus dem Krankenhaus entlassen und wird nun im Gefängnis weiter medizinisch versorgt— Pikes Anwälte