Merz gescheitert, Gedenken an 7. Oktober, Galeria in Not

Über 1000 Menschen wurden am 7. Oktober 2023 von Terroristen getötet, etwa 5400 verletzt, 250 verschleppt und 133 starben als Geiseln.
Diese Gefühle haben einfach noch nicht an meine Tür geklopft
Die Mutter eines ermordeten Geisel antwortet auf die Frage, wie sie Hass vermeidet.
Mark

Was hat Merz denn konkret falsch gemacht, dass zwei Drittel der Deutschen ihn für gescheitert halten?

Mimi

Das ist nicht eine Sache, sondern mehrere. Er hat versprochen, die Schuldenbremse zu halten, und dann nicht. Er hat eine Rhetorik gepflegt, die dem Volk eher Vorwürfe macht als Hoffnung gibt. Und auf Kritik reagiert er beleidigt statt konstruktiv.

Luke

Aber die Umfrage sagt uns nur, was die Deutschen denken – nicht, ob diese Bewertung fair ist. 67 Prozent können auch irren. Und 58 Prozent, die seinen Rücktritt fordern, sind immer noch nicht die Mehrheit der Wähler, die ihn gewählt haben.

Mimi

Das ist wahr. Aber wenn zwei Drittel der Bevölkerung dich für gescheitert halten, ist das ein politisches Faktum, ob es fair ist oder nicht.

Mark

Und die AfD – Merz wollte deren Zuspruch halbieren?

Mimi

Ja, das war sein Anspruch. Stattdessen sitzt jetzt in Sachsen-Anhalt ein rechtsextremer Landtagspräsident. Seine Strategie ist aufgegangen.

Luke

Aber ist das Merz' Schuld oder die Schuld der Wähler, die die AfD wählen? Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Mark

Und die Galeria – warum ist das so wichtig, dass sie gerettet werden muss?

Mimi

Weil sie für viele Menschen nicht nur ein Kaufhaus ist, sondern ein sozialer Ankerpunkt. Ein Ort, wo man sich trifft, wo man alles findet, was man braucht.

Luke

Aber ist das ein ökonomisches Argument oder ein emotionales? Wenn Galeria wirtschaftlich nicht rentabel ist, kann man es mit Nostalgie nicht retten.

Mimi

Vielleicht nicht. Aber es ist trotzdem wahr, dass solche Orte selten geworden sind und dass ihr Verschwinden etwas kostet, das man nicht in Bilanzen misst.

  • 67 Prozent der Deutschen halten Merz für gescheitert, im Osten 80 Prozent
  • Am 7. Oktober 2023 wurden über 1000 Menschen getötet, 250 verschleppt, 133 starben als Geiseln
  • Hersh Goldberg-Polin, 23, war einer der getöteten Geiseln
  • Galeria steht erneut vor der Insolvenz

Eine repräsentative Umfrage zeigt: Zwei Drittel der Deutschen sehen Merz als gescheiterten Kanzler, in Ostdeutschland sogar 80 Prozent. Am 7. Oktober 2023 töteten palästinensische Terroristen über 1000 Menschen in Israel; 133 Geiseln starben in Gefangenschaft.

67 Prozent der Deutschen halten Kanzler Merz für gescheitert. Am dritten Jahrestag des Hamas-Terrorangriffs wird der Opfer gedacht, während die Galeria-Kaufhauskette erneut vor der Insolvenz steht.

An diesem Mittwochmorgen zeichnet sich in Deutschland ein klares Bild ab: Der Kanzler hat die Geduld der Bevölkerung aufgebraucht. Eine repräsentative Umfrage des Spiegel unter 2002 Wahlberechtigten zeigt, dass 67 Prozent der Deutschen Friedrich Merz für gescheitert halten. Im Osten des Landes fällt das Urteil noch vernichtender aus – dort sagen 80 Prozent, dass seine Kanzlerschaft misslungen ist. Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 58 Prozent, meinen, dass Merz sowohl als Kanzler als auch als Parteichef zurücktreten sollte. Es ist ein weiterer Schlag für einen bereits angeschlagenen Regierungschef.

Die Gründe für dieses Votum sind vielfältig. Wähler von links und rechts hatten Merz von Anfang an für ungeeignet befunden. Doch auch jene, die anfangs Hoffnung in ihn gesetzt hatten, wurden enttäuscht – durch sein gebrochenes Versprechen zur Schuldenbremse und durch eine Rhetorik, die weniger Aufbruch als Vorwürfe verbreitete. Der Bundeskanzler reagierte auf Kritik beleidigt, statt sie konstruktiv zu nutzen. Sein Anspruch, den Zuspruch für die AfD zu halbieren, ist nicht aufgegangen. Stattdessen sitzt in Sachsen-Anhalt seit gestern ein rechtsextremer Landtagspräsident – ein Symbol für das Scheitern seiner politischen Strategie.

Heute ist der 7. Oktober, und dieser Tag gehört den Opfern. Vor drei Jahren überfielen palästinensische Terroristen vom Gazastreifen aus Israel und töteten über 1000 Menschen – das schlimmste Verbrechen an Juden seit dem Holocaust. Etwa 5400 weitere wurden verletzt. Die Terroristen verschleppten 250 Menschen in den Gazastreifen; 133 von ihnen überlebten die Geiselnahme nicht. Unter ihnen war Hersh Goldberg-Polin, 23 Jahre alt, ein Fußballfan, der gerade auf einem Musikfestival zu Besuch war, als er entführt wurde. Seine Mutter Rachel hat ein Buch über ihren Trauer geschrieben. In einem Gespräch mit dem Spiegel sagte sie auf die Frage, wie sie es schaffe, Hass und Rache von sich fernzuhalten: »Diese Gefühle haben einfach noch nicht an meine Tür geklopft.« Es ist eine Antwort, die in ihrer Würde beeindruckt.

Das Trauma wirkt in Israel bis heute nach. Ministerpräsident Netanyahu weigert sich noch immer, die Vorgeschichte und die Folgen des Massakers unabhängig untersuchen zu lassen. An anderen Tagen können wir wieder darüber diskutieren, ob die israelische Regierung ihre Bevölkerung hätte besser schützen können, oder ob Netanyahu konkrete Warnungen vor dem Angriff ignoriert hat. Und wir werden die rechtsextreme Komponente von Netanyahus Regierung scharf für ihr unmenschliches Vorgehen gegen die Menschen im Gazastreifen kritisieren und dafür, dass sie die Gewalt fanatischer Siedler im Westjordanland gewähren lässt. Aber heute gehört der Tag den Toten und ihren Angehörigen.

Es gibt noch eine dritte Nachricht an diesem Morgen, die Aufmerksamkeit verdient: Die Galeria-Kaufhauskette steht erneut vor der Insolvenz. Das mag auf den ersten Blick wie eine rein wirtschaftliche Angelegenheit wirken, doch für viele deutsche Städte ist es mehr als das. Nehmen Sie den Hermannplatz in Berlin, wo ein Kaufhaus steht, das auf ewig Karstadt heißen wird, auch wenn der Name längst aus dem Firmennamen verschwunden ist. Dieses Kaufhaus ist kein bloßer Handelsort – es ist ein soziales Zentrum, ein Ankerpunkt in einer Gegend, die ohne ihn aufgeschmissen wäre. Wo sonst könnte man bei einem einzigen Einkauf eine Bratpfanne, eine Kochschürze und einen Pfannenwender kaufen und dabei noch alle Zutaten für ein spontan geplantes Abendessen mitnehmen? Wo sonst würde man auf eine Verkäuferin treffen, die auf die vorsichtige Frage, ob man sie etwas fragen dürfe, so erfrischend ehrlich antwortet: »Ick arbeite gerade«? Solche Orte sind selten geworden. Die Galeria muss gerettet werden – nicht aus sentimentalen Gründen, sondern weil sie für viele Menschen ein unverzichtbarer Teil ihres Alltags ist.

Diese Gefühle haben einfach noch nicht an meine Tür geklopft
— Rachel Goldberg-Polin, Mutter des getöteten Geisel Hersh Goldberg-Polin, auf die Frage, wie sie Hass und Rache von sich fernhält
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