Gen-Z-Sammler geben durchschnittlich am meisten Geld für Kunst aus, stammen oft aus Sammlerfamilien und entwickeln dabei ihren eigenen, vielfältigen Geschmack. Trotz digitaler Affinität halten junge Sammler ihre Kollektionen privat und schätzen persönlichen Kontakt zu Galeristen und Künstlern – mehr als zwei Drittel kaufen direkt aus Ateliers.
Generation Z übernimmt Kunstmarkt: Jung, diskret und extrem kauffreudig
Diskretion statt Ausstellung: Die erste Generation der Digital Natives
Was bedeutet es konkret, dass Gen Z zur stärksten Käufergruppe aufgestiegen ist? Sprechen wir von absoluten Zahlen oder von durchschnittlichen Ausgaben pro Person?
Es geht um die durchschnittlichen Ausgaben pro Person. Das ist der entscheidende Punkt – junge Sammler geben im Schnitt deutlich mehr aus als ältere Generationen, obwohl sie zahlenmäßig wahrscheinlich eine kleinere Gruppe sind.
Aber wie groß ist diese Gruppe wirklich? Die Umfrage hat über 3100 vermögende Sammler befragt – wie viele davon waren Gen Z? Das wissen wir nicht aus dem Bericht.
Interessant ist ja auch, dass sie trotz digitaler Affinität sehr privat mit ihren Sammlungen umgehen. Warum ist das so?
Sie sind die erste Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist, aber sie haben auch gesehen, wie Überexposition funktioniert. Sie wollen nicht, dass ihre Sammlungen zur Marke werden oder zu Statussymbolen degradiert werden. Gleichzeitig schätzen sie den direkten, persönlichen Kontakt – zu Galeristen, zu Künstlern.
Das ist eine interessante Beobachtung, aber der Bericht sagt nicht, warum das so ist. Wir wissen, dass es so ist, aber nicht, ob es eine bewusste Reaktion auf Social Media ist oder einfach eine Generationspräferenz.
Die Bereitschaft für Neuentdeckungen ist gesunken – ist das ein Zeichen von Vorsicht oder eher von Konservatismus?
Wahrscheinlich beides. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten halten sich Sammler an Bewährtem fest. Das ist generationenübergreifend. Aber bei Gen Z sehen wir gleichzeitig, dass fast die Hälfte derjenigen, die über eine Million Dollar für ein einzelnes Werk ausgeben, aus dieser Gruppe kommt. Also sind sie nicht einfach konservativ – sie sind selektiv.
Aber hier muss man vorsichtig sein: Nur ein Prozent aller befragten Hochvermögenden gab über eine Million Dollar aus. Das ist eine sehr kleine Gruppe. Dass fast die Hälfte davon Gen Z ist, könnte statistisch bedeutsam sein oder auch nicht – das hängt davon ab, wie viele Gen-Z-Sammler überhaupt in der Umfrage waren.
El Pulso
- Gen-Z-Sammler geben pro Person durchschnittlich am meisten für Kunst aus
- Über zwei Drittel aller Sammler kaufen direkt aus Künstlerateliers (Anstieg um 6 Prozent)
- Gen-Z-Käufer geben für Schmuck mehr als fünfmal so viel aus wie ihre Elterngeneration
- Nur 1 Prozent der Hochvermögenden gab 2026 über 1 Million Dollar für ein einzelnes Kunstwerk aus
Gen-Z-Sammler geben durchschnittlich am meisten Geld für Kunst aus, stammen oft aus Sammlerfamilien und entwickeln dabei ihren eigenen, vielfältigen Geschmack. Trotz digitaler Affinität halten junge Sammler ihre Kollektionen privat und schätzen persönlichen Kontakt zu Galeristen und Künstlern – mehr als zwei Drittel kaufen direkt aus Ateliers.
Eine neue Umfrage zeigt, dass wohlhabende Sammler der Generation Z zur stärksten Käufergruppe am Kunstmarkt aufgestiegen sind und pro Person deutlich mehr für Kunst ausgeben als ältere Generationen.
Der Kunstmarkt erlebt einen Generationswechsel, der die etablierten Vorstellungen vom wohlhabenden Sammler grundlegend verschiebt. Eine neue Umfrage, die die Kunstökonomin Clare McAndrew für Art Basel und die Schweizer Großbank UBS durchgeführt hat, zeigt: Die nach 1995 Geborenen haben die ältere Generation als stärkste Käufergruppe überholt. Im Durchschnitt pro Person geben junge Sammler deutlich mehr für Kunst aus als ihre älteren Pendants – ein Befund, der aus der Befragung von über 3100 vermögenden Sammlern weltweit hervorgegangen ist.
Diese jungen Sammler kommen häufig selbst aus Sammlerfamilien, entwickeln aber einen eigenen, unkonventionellen Geschmack. Sie kaufen quer durch alle Kategorien: klassische Kunstwerke neben Digitalkunst, Fossilien neben Schmuck, Antiquitäten neben Collectables. Ihre Kaufentscheidungen folgen keinem starren Schema – alles lässt sich durchscrollen, alles ist möglich. Überraschenderweise aber zeigt die Umfrage, dass die ersten Ankäufe dieser Digital Natives typischerweise Kunst oder Antiquitäten sind, nicht Luxusgüter wie Handtaschen oder Schmuck. Erst später diversifizieren sie in andere Bereiche.
Was diese Generation besonders auszeichnet, ist ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Diskretion. Obwohl sie mit dem Internet aufgewachsen ist, hält sie ihre Sammlungen streng privat und zeigt wenig Neigung, ihren Besitz unbedacht in sozialen Medien auszustellen. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt zu Galeristen für sie zentral – auch wenn sie sich bei der Recherche von künstlicher Intelligenz unterstützen lassen. Besonders weibliche Sammler schätzen den direkten Austausch, etwa auf Kunstmessen und bei Veranstaltungen. Diese Vorliebe für persönliche Beziehungen erstreckt sich auch auf die Künstler selbst: Mehr als zwei Drittel aller befragten Sammler kaufen direkt aus Künstlerateliers, ein Anstieg um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Doch nicht alles deutet auf ungebrochsen Kauflust hin. Die Bereitschaft, Geld für unbekannte Künstler und Neuentdeckungen auszugeben, ist generationenübergreifend gesunken. In unsicheren Zeiten halten sich Sammler an Bewährtem fest. Das zeigt sich auch in den Spitzenpreisen: Im ersten Halbjahr 2026 gab nur ein Prozent der befragten Hochvermögenden – Personen mit mehr als einer Million Dollar flüssig verfügbar – mehr als eine Million Dollar für ein einzelnes Kunstwerk aus. Von denjenigen, die in dieser Preisklasse tätig wurden, gehörte aber fast die Hälfte der Generation Z an. Ein Paradox: Die Jungen sind gleichzeitig vorsichtiger und mutiger als ihre Vorgänger.
Bei Schmuck und Juwelen zeigt sich ein noch deutlicheres Bild. Gen-Z-Käufer geben in dieser Kategorie mehr als fünfmal so viel aus wie ihre Elterngeneration. Frauen insgesamt investieren weniger in einzelne Spitzenwerke, dafür aber breiter in verschiedene Genres und Medien – besonders auffällig in Fotografie, wo sie deutlich stärker vertreten sind als Männer. Ein Wunsch verbindet alle wohlhabenden Sammler unabhängig vom Alter: der Ruf nach mehr Transparenz auf dem Kunstmarkt. Hier liegt tatsächlich großes Wachstumspotenzial. Doch bleibt eine ungelöste Spannung: Wie lässt sich die Forderung nach Transparenz mit der Diskretion vereinbaren, die gerade die jungen Sammler so sorgfältig kultivieren?
Citas Notables
Nachrückende Sammler entstammen häufig selbst Sammlerfamilien, entwickeln aber ihren eigenen Geschmack mit anderen Prioritäten.— Clare McAndrew, Kunstökonomin und Autorin der Umfrage
Die erste Generation der Digital Natives hält ihre Sammlungen sehr privat und hat keine Lust, ihren Besitz unbedacht online auszustellen.— Befund der Art-Basel-UBS-Umfrage