Pensionierte Geheimdienstler verkaufen sensible Informationen an ausländische Mächte – ein Sicherheitsrisiko für Deutschland. Das Parlamentarische Kontrollgremium fordert lebenslange Meldepflichten statt der aktuellen sieben Jahre für ehemalige Geheimnisträger.
Geheimdienstaffäre Hanning: Deutschlands Sicherheitslücken müssen geschlossen werden
Sieben Jahre sind kaum mehr als ein längeres Sabbatjahr
Warum ist das Problem mit pensionierten Geheimdienstlern so dringend? Es gibt doch Gesetze gegen Spionage.
Gesetze helfen nur, wenn jemand erwischt wird. Das Problem ist, dass die Regeln für das, was nach der Pensionierung erlaubt ist, viel zu großzügig sind. Sieben Jahre Meldepflicht – das ist nichts.
Aber wir wissen nicht, wie viele ehemalige Agenten tatsächlich ihre Informationen verkauft haben. Die Hanning-Affäre ist ein Fall. Wie systematisch ist das Problem wirklich?
Das ist genau der Punkt. Wir sehen nur die Fälle, die auffliegen. Die Dunkelziffer könnte viel höher sein. Deshalb fordert das Kontrollgremium lebenslange Meldepflichten.
Und bei Politikern? Warum sollte Gerhard Schröder nicht für einen russischen Konzern arbeiten dürfen?
Weil er als Kanzler Zugang zu Geheimnissen hatte, die für Russland wertvoll sind. Nach 18 Monaten kann er dieses Wissen mitnehmen, wohin er will.
Aber wie definiert man "Geheimwissen"? Was darf ein ehemaliger Kanzler noch wissen, was nicht? Das wird kompliziert.
Ja, aber kompliziert ist besser als gar keine Regeln. Im Moment ist es zu einfach, sein Wissen zu verkaufen.
Und wenn man die Regeln verschärft – schadet das nicht auch der Karrierefreiheit?
Vielleicht. Aber nationale Sicherheit geht vor persönliche Karrierefreiheit. Das ist ein bewusster Kompromiss.
Die FAZ argumentiert auch, dass erweiterte Befugnisse für den BND das Risiko erhöhen. Aber das ist ein Argument gegen mehr Befugnisse, nicht nur gegen schwache Regeln.
Genau. Es geht um ein Gleichgewicht. Mehr Befugnisse brauchen bessere Kontrollen und strengere Regeln für den Fall, dass jemand überläuft.
Il Polso
- Parlamentarisches Kontrollgremium fordert lebenslange Meldepflichten statt sieben Jahre
- Ampelkoalition hat 2024 Regeln verschärft, aber nicht so weit wie verlangt
- Ehemalige Kanzler und Minister unterliegen nur 18 Monate lang Beschränkungen
- Gerhard Schröder und Rudolf Scharping als Beispiele für Politiker in ausländischen Diensten
Pensionierte Geheimdienstler verkaufen sensible Informationen an ausländische Mächte – ein Sicherheitsrisiko für Deutschland. Das Parlamentarische Kontrollgremium fordert lebenslange Meldepflichten statt der aktuellen sieben Jahre für ehemalige Geheimnisträger.
Nach der Hanning-Affäre fordert die FAZ strengere Regeln für ausgeschiedene Geheimdienstler, Soldaten und Politiker, um zu verhindern, dass Geheimwissen zu Geld gemacht wird.
Ein pensionierter Geheimdienstler, der sein Wissen zu Geld macht – das ist nicht nur ein persönliches Versagen, sondern eine Verwundung der nationalen Sicherheit. Die sogenannte Hanning-Affäre hat genau dieses Problem offengelegt und damit eine unbequeme Frage aufgeworfen: Wie gut schützt Deutschland eigentlich seine eigenen Geheimnisse, wenn diejenigen, die sie kennen, sie nach ihrer Pensionierung weitergeben dürfen?
Das Risiko wächst mit den Befugnissen. Wenn deutsche Geheimdienste – etwa der BND – erweiterte Kompetenzen erhalten, können sie mehr Informationen sammeln und speichern. Das ist im Prinzip sinnvoll für die Sicherheit. Aber es hat eine Kehrseite: Mit jeder neuen Befugnis steigt auch das Risiko, dass ein Maulwurf im Inneren – jemand, der zum Gegner überläuft oder sich kaufen lässt – mehr und wertvollere Informationen weitergeben kann. Das Geheimdienstgeschäft funktioniert wie ein Basar: Wer mehr hat, kann mehr tauschen. Wer mehr tauscht, bekommt mehr zurück. Aber wer mehr hat, hat auch mehr zu verlieren.
Die neuen "aktiven Maßnahmen", die dem BND künftig erlaubt sein sollen, verschärfen dieses Dilemma. Stellen Sie sich vor: Ein BND-Agent in Moskau soll einen Laptop mit militärischen Aufmarschplänen aus einem geparkten Auto stehlen dürfen. Das könnte für eine Bundeswehrbrigade in Litauen wertvoll sein. Aber wenn die Operation vorher verraten wurde – wenn also ein Insider den Gegner gewarnt hat – dann kann dieser manipulierte Karten auf den Laptop spielen. Deutsche Soldaten graben sich am Ende im falschen Wald ein. Das ist nicht abstrakt. Das kostet Leben.
Deshalb muss der BND zunächst seine inneren Lecks abdichten. Das ist die Voraussetzung für alles andere. Danach aber muss die Bundesregierung die Regeln für ausgeschiedene Geheimnisträger überprüfen und verschärfen. Die Ampelkoalition hat 2024 bereits eine Regelung getroffen, aber sie ist nicht weit genug gegangen. Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestages – jener verschwiegene Kreis von Abgeordneten, der die Geheimdienste überwacht – hatte strengere Maßnahmen verlangt.
Das Kontrollgremium schlug vor, dass ehemalige Geheimnisträger bei BND oder Verfassungsschutz neue berufliche Tätigkeiten lebenslang melden müssen. Nach der Regelung von 2024 gilt die Anzeigepflicht aber nur für maximal sieben Jahre. Sieben Jahre – das ist ein Zeitraum, in dem sich viel ändern kann, aber auch ein Zeitraum, nach dem ein ehemaliger Agent sein Wissen noch immer zu Geld machen kann. Hier und an anderen Stellen sollte nachgebessert werden.
Das Problem beschränkt sich nicht auf Geheimdienste. Es betrifft auch Soldaten und Polizisten, die nach ihrer Pensionierung zu ausländischen Mächten wechseln. Aber es gibt noch eine dritte Kategorie, die bislang zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat: Politiker außer Dienst, vor allem ehemalige Kanzler und Minister. Sie haben Zugang zu Geheimnissen, die Jahrzehnte relevant bleiben. Gerhard Schröder ist das bekannteste Beispiel – er trat in den Dienst eines russischen Staatskonzerns, nachdem er Kanzler war. Rudolf Scharping, ein früherer Verteidigungsminister, stieg ins China-Geschäft ein. Die Regierung kann solchen Wechseln zwar 18 Monate lang verbieten. Aber 18 Monate sind kaum mehr als ein längeres Sabbatjahr. Danach können diese Politiker ihr Geheimwissen mitnehmen, wohin sie wollen – auch wenn es schlecht ist für Deutschland.
Die Sicherheitslücken sind real, und sie sind groß. Sie zu schließen erfordert nicht nur technische Maßnahmen und bessere Kontrollen, sondern auch den politischen Willen, die Regeln für diejenigen zu verschärfen, die Deutschland verlassen, um anderswo zu arbeiten. Das ist unbequem. Es bedeutet, ehemalige Kanzler und Minister länger an Beschränkungen zu binden. Aber die Alternative – ein offenes Tor für den Verkauf von Geheimnissen – ist teurer.
Citazioni salienti
Mit den Kompetenzen wächst also das Risiko – ein Maulwurf im Inneren kann dann auch mehr und wertvollere Informationen an den Gegner weitergeben— Implizite Argumentation der FAZ zur Sicherheitslage