27.000 Fans besuchten das Konzert von Max Korzh im Waldstadion, doch bereits Tage zuvor kam es zu unkontrollierten Massenversammlungen mit Pyrotechnik. Die Polizei verbot einen geplanten Fanmarsch und intensivierte Sicherheitsmaßnahmen, nachdem Fans über soziale Medien zu unangemeldeten Treffen mobilisiert worden waren.
Frankfurt: 63 Festnahmen bei Konzert des belarusischen Rappers Max Korzh
Zehntausende Fans aus ganz Osteuropa reisen zu seinen europäischen Konzerten
Warum ist dieses Konzert so wichtig für diese Fans, dass sie drei Tage lang die Stadt blockieren?
Weil Max Korzh in seiner Heimat Belarus nicht frei auftreten kann. Nach seiner Kritik am Ukraine-Krieg wurden seine Auftritte auch in Russland verboten. Für Zehntausende Fans aus Osteuropa sind europäische Konzerte die einzige Möglichkeit, ihn live zu sehen.
Das erklärt die emotionale Ladung. Aber erklärt es auch das Feuerwerk und die Gewalt? Oder ist das einfach Fankultur, die eskaliert?
Wahrscheinlich beides. Die Fans sind emotional aufgeladen, aber es gibt auch eine Komponente von Gruppenverhalten – sie koordinieren sich über soziale Medien, treffen sich an mehreren Orten, zünden Feuerwerk an.
Wie hat die Polizei reagiert?
Sie verbot einen geplanten Fanmarsch, intensivierte die Sicherheit im Stadion und griff mehrfach ein, um Versammlungen aufzulösen. Am Ende wurden 63 Menschen festgenommen.
Aber das Konzert selbst fand statt. 27.000 Menschen waren da, und für die meisten verlief es friedlich.
Ja, das ist wichtig. Die Polizei hat es geschafft, die Situation zu managen, ohne das Ereignis zu verhindern. Es gab Festnahmen und Platzverweise, aber kein Verbot des Konzerts selbst.
Was ist mit dem Fan, der in den Main gefallen ist?
Er war betrunken, fiel während der Massenparty im Hafenpark ins Wasser, konnte sich aber selbst ans Ufer retten und wurde ambulant versorgt. Es gab keine schweren Verletzungen.
Also: Chaos, aber kein Desaster. Viel Polizeipräsenz, aber auch Maß und Ziel.
Und jetzt? Wird es weitere Konzerte geben?
Das ist offen. Aber solange Korzh in Belarus und Russland nicht auftreten kann, werden europäische Konzerte weiterhin Zehntausende anziehen.
Le Pouls
- 27.000 Fans besuchten das Konzert im Waldstadion am Samstag
- 63 Menschen wurden festgenommen, 25 durften nicht ins Konzert
- Etwa 2.000 Fans versammelten sich am Freitag im Hafenpark und zündeten hunderte Bengalos an
- Max Korzh kann in Russland und Belarus nicht auftreten, seit er sich gegen den Ukraine-Krieg positioniert hat
27.000 Fans besuchten das Konzert von Max Korzh im Waldstadion, doch bereits Tage zuvor kam es zu unkontrollierten Massenversammlungen mit Pyrotechnik. Die Polizei verbot einen geplanten Fanmarsch und intensivierte Sicherheitsmaßnahmen, nachdem Fans über soziale Medien zu unangemeldeten Treffen mobilisiert worden waren.
Bei Konzertfeierlichkeiten des belarusischen Rappers Max Korzh in Frankfurt wurden über drei Tage hinweg 63 Menschen festgenommen, nachdem wiederholt unerlaubtes Feuerwerk gezündet wurde.
Das Konzert des belarusischen Rappers Max Korzh in Frankfurt sollte ein Musikereignis sein. Stattdessen wurde es zum Polizeieinsatz. Über drei Tage hinweg zündeten Tausende seiner Anhänger wiederholt unerlaubtes Feuerwerk in der Stadt, die Polizei nahm 63 Menschen fest und sprach zahlreiche Platzverweise aus. Am Ende kamen 27.000 Besucher ins Waldstadion zum eigentlichen Konzert am Samstagabend – doch die Tage davor zeigten, welche Kraft diese Fangemeinschaft mobilisieren kann.
Max Korzh ist einer der erfolgreichsten Musiker Osteuropas. Das allein hätte genügt, um viele Menschen anzuziehen. Aber es gibt einen tieferen Grund für die Intensität dieser Feiern: Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs positionierte sich Korzh deutlich gegen den Krieg. Daraufhin wurden seine Auftritte in Russland verboten. In seiner Heimat Belarus sind freie Auftritte derzeit nicht möglich. Das bedeutet, dass Zehntausende Fans aus ganz Osteuropa zu seinen europäischen Konzerten reisen – es sind oft die einzigen Gelegenheiten, ihn live zu sehen.
Das Treiben begann bereits am Donnerstagabend. Etwa 500 Fans versammelten sich auf der Zeil in der Frankfurter Innenstadt, spielten laut Musik und bildeten sogenannte Moshpits – dichte Gruppen, in denen sich Menschen gegenseitig anrempeln. Aus der Menge heraus wurde wiederholt Pyrotechnik abgeschossen. Die Polizei löste das Treiben gegen Mitternacht auf.
Am Freitag eskalierte die Situation. Rund 2.000 Menschen versammelten sich im Hafenpark am Mainufer – offenbar koordiniert über soziale Medien. Viele waren stark betrunken. Sie zündeten zahlreiche Bengalos an und schossen Feuerwerk ab. Ein betrunkener Fan fiel während dieser Party in den Main, konnte sich aber selbst ans Ufer retten und wurde von Sanitätern ambulant versorgt. Nachdem die Polizei die Menge per Lautsprecher aufforderte, den Park zu verlassen, zogen mehrere hundert Fans zur Flößerbrücke. Dort zündeten sie unter lauten Gesängen hunderte Bengalos gleichzeitig an – eine Szene, die auf Instagram dokumentiert wurde. Nach Eintreffen der Polizei flohen die Feiernden zu Fuß. Später versammelten sich noch etwa 500 Fans in Alt-Sachsenhausen, um weiterzufeiern. Auch dort musste die Polizei eingreifen. In der Nacht zum Samstag blockierten etwa 50 Vermummte eine Straße unweit des Deutsche Bank Parks.
Die Polizei reagierte. Sie verbot einen für Samstag geplanten Fanmarsch zum Stadion. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden intensiviert: Einlasskontrollen wurden verschärft, eine Vielzahl pyrotechnischer Gegenstände wurde sichergestellt. Kleinere Gruppen, die sich im Stadtgebiet versammelten und mit Feuerwerk zündelten, wurden von Beamten unterbunden.
Während des Konzerts selbst mussten mehrere Menschen das Stadion verlassen, weil sie Bengalos gezündet hatten. Es gab einige körperliche Auseinandersetzungen unter Fans und Widerstand gegen Polizisten. Am Samstag wurden 63 Menschen festgenommen, 25 von ihnen durften nicht ins Konzert. Für die übrigen 27.000 Fans verlief der Abend weitgehend friedlich. Über Verletzte ist nichts bekannt.
Die Geschichte zeigt, wie politische Unterdrückung in einem Land – das Verbot von Auftritten in Russland und Belarus – sich in unkontrollierbare Energie verwandelt, wenn Künstler und Fans sich im Ausland treffen. Die Polizei in Frankfurt musste diese Energie managen, ohne das Konzert selbst zu verhindern. Am Ende gelang das, aber nur mit erheblichem Aufwand und zahlreichen Festnahmen.
Citations marquantes
Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs positionierte sich Korzh deutlich gegen den Krieg. In der Folge wurden seine Auftritte in Russland verboten.— Polizeibericht