1,4 Millionen Langzeitarbeitslose im Bürgergeld – AfD nutzt Statistik für Kampagne

1,4 Millionen Menschen sind langfristig von Grundsicherung abhängig, darunter 199.229 unter 25 Jahren, mit begrenzten Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.
Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen – nicht Zwang.
Der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer widerspricht der AfD-Forderung nach Sanktionen für Langzeitbezieher.
Mark

Warum ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen plötzlich wieder so stark gestiegen? Das war doch jahrelang ein Erfolgsmodell.

Mimi

Die Wirtschaft ist seit 2023 schwächer geworden. Das trifft zuerst die Menschen, die ohnehin schwer vermittelbar sind – mit niedriger Qualifikation oder gesundheitlichen Problemen.

Luke

Aber die absolute Zahl ist trotzdem gesunken, oder? 3,7 Millionen Grundsicherungsempfänger im September, 145.000 weniger als im Vorjahr.

Mimi

Ja, das ist richtig. Aber die Zusammensetzung verschiebt sich: Mehr von denen, die bleiben, bleiben länger.

Mark

Und die AfD nutzt das jetzt für ihre Kampagne. Wie kommt es, dass ausgerechnet die AfD diese Statistik in Auftrag gegeben hat?

Mimi

Sie wollten Daten haben, um ihre politische Position zu unterstützen. Und sie haben bekommen, was sie gesucht haben.

Luke

Aber die Frage ist: Was sagt die Statistik wirklich aus? 1,4 Millionen Menschen seit fünf Jahren – das ist ein großes Problem. Aber ist es ein Problem der Faulheit oder der Vermittelbarkeit?

Mimi

Das IAB sagt klar: Es sind Vermittlungshemmnisse. Niedrige Qualifikation, Gesundheit. Das sind strukturelle Probleme, keine Charakterprobleme.

Mark

Und die Lösung der AfD ist Zwangsarbeit. Das ist ja das Gegenteil von dem, was die Forschung empfiehlt.

Luke

Genau. Die Forschung sagt: individualisierte, passgenau Unterstützung. Die AfD sagt: 15 Stunden Arbeit oder Leistungsentzug. Das sind zwei völlig verschiedene Ansätze.

Mimi

Und der CSU-Politiker hat recht: Das Sozialsystem funktioniert nur, wenn es hilft, nicht wenn es bestraft.

Mark

Bleibt die Frage: Warum funktioniert die Vermittlung nicht besser? Wenn es strukturelle Probleme sind, müsste man doch etwas dagegen tun können.

  • 1,4 Millionen Menschen – zwei von fünf Bürgergeld-Empfängern – beziehen die Leistung seit fünf Jahren oder länger, ein Anteil, der seit 2023 spürbar gestiegen ist.
  • Die AfD hat diese Daten gezielt angefordert und fordert nun Pflichtarbeit von 15 Stunden pro Woche, andernfalls drohen Kürzungen oder vollständiger Leistungsentzug.
  • Im Bundestag prallen die Lager aufeinander: Während die AfD auf Sanktionen setzt, mahnt die CSU, das Grundversprechen des Sozialstaats nicht zu brechen.
  • Besonders alarmierend: Fast 200.000 der Langzeitbezieher sind jünger als 25 Jahre – eine Generation, deren Chancen früh zu schwinden drohen.
  • Das IAB warnt, dass Sanktionen die eigentlichen Ursachen – geringe Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen – nicht beheben, und plädiert für passgenaue, individuelle Förderung statt Zwang.

In Deutschland sind 1,4 Millionen Menschen seit mindestens fünf Jahren auf staatliche Grundsicherung angewiesen – ein Anteil, der sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten still und stetig ausgeweitet hat. Diese Zahl, von der AfD selbst erhoben und nun politisch instrumentalisiert, wirft eine alte Frage neu auf: Wie begegnet eine Gesellschaft jenen, die am Rand des Arbeitsmarktes zurückbleiben – mit Zwang oder mit Verständnis? Die Antwort der Forschung ist eindeutig, die der Politik bleibt umstritten.

Die Bundesagentur für Arbeit hat Zahlen veröffentlicht, die ein strukturelles Problem sichtbar machen: 1,4 Millionen Menschen beziehen seit mindestens fünf Jahren Bürgergeld – rund 40 Prozent aller Grundsicherungsempfänger. Besonders betroffen sind Berlin mit 45 Prozent und Bremen mit 43 Prozent Langzeitbeziehern. Der Anstieg seit 2023 spiegelt die schleppende Wirtschaftsentwicklung wider, die vor allem die Schwächsten trifft.

Die AfD hat diese Daten selbst in Auftrag gegeben und nutzt sie nun für eine politische Kampagne. Ihr Arbeitsmarktpolitiker René Springer fordert sogenannte Bürgerarbeit: Erwerbsfähige Langzeitbezieher sollen verpflichtet werden, mindestens 15 Stunden pro Woche gemeinnützig zu arbeiten. Wer sich weigert, soll nur noch Sachleistungen erhalten oder ganz ohne Unterstützung dastehen. Im Bundestag stieß das auf scharfen Widerspruch – CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer betonte, das Grundversprechen des Sozialstaats sei: Wer Hilfe braucht, bekommt Hilfe.

Dabei erzählt die Geschichte des deutschen Arbeitsmarkts eine bemerkenswerte Kurve: Die Langzeitarbeitslosigkeit sank von 1,8 Millionen im Jahr 2005 auf nur 700.000 im Jahr 2019 – und stieg seitdem wieder an. Unter den 1,4 Millionen Langzeitbeziehern sind 199.229 jünger als 25 Jahre, junge Menschen, deren Perspektiven früh zu schrumpfen beginnen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liefert eine nüchterne Erklärung: Langzeitbezieher haben häufig niedrige Qualifikationen oder gesundheitliche Einschränkungen – Faktoren, die sich durch Sanktionen nicht beheben lassen. Geförderte, individualisierte Beschäftigung könnte helfen, doch diese Erkenntnis droht im politischen Lärm unterzugehen.

Die Bundesagentur für Arbeit hat Zahlen veröffentlicht, die ein hartnäckiges Problem am deutschen Arbeitsmarkt offenlegen: 1,4 Millionen Menschen beziehen bereits seit mindestens fünf Jahren Bürgergeld. Das sind etwa zwei von fünf aller Grundsicherungsempfänger – ein Anteil, der sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht hat. Die Statistik zeigt, wie die schleppende Wirtschaftsentwicklung seit 2023 besonders die Schwächsten trifft. Berlin führt die traurige Liste an mit einem Anteil von rund 45 Prozent Langzeitbeziehern, gefolgt von Bremen mit 43 Prozent.

Die AfD hat diese Daten selbst in Auftrag gegeben – und nutzt sie jetzt für eine politische Kampagne. Der Arbeitsmarktpolitiker René Springer erklärte, es könne nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten könnten. Die Partei fordert eine sogenannte Bürgerarbeit: Alle erwerbsfähigen Langzeitbezieher sollen verpflichtet werden, mindestens 15 Stunden pro Woche in gemeinnützigen Bereichen zu arbeiten. Wer sich weigert, soll nur noch Sachleistungen erhalten oder im äußersten Fall ganz ohne Unterstützung dastehen.

Dieser Vorschlag hat im Bundestag heftige Reaktionen ausgelöst. Der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer hielt dagegen, dass das »Grundversprechen unseres Sozialsystems« lautet: Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen. Die Regierungskoalition hat zwar bereits mit ihrer jüngsten Reform strengere Regeln eingeführt und den Namen »Bürgergeld« gestrichen, doch die AfD-Forderung geht deutlich weiter – sie zielt auf Zwang statt auf Unterstützung.

Die Entwicklung am Arbeitsmarkt selbst erzählt eine bemerkenswerte Geschichte. Jahrelang sank die Langzeitarbeitslosigkeit kontinuierlich: von 1,8 Millionen im Jahr 2005 auf nur 700.000 im Jahr 2019. Dann kam die Wende. Seit 2023 ist die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen, seit 2024 auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Im Jahr 2025 waren es bereits über eine Million Menschen. Im September dieses Jahres gab es insgesamt 3,7 Millionen erwerbsfähige Empfänger von Grundsicherung – immerhin 145.000 weniger als im Vorjahresmonat.

Wer sind diese 1,4 Millionen Langzeitbezieher? Nach den Daten, die die AfD angefordert hatte, sind 62,2 Prozent Deutsche und 37,8 Prozent Ausländer. Besonders bemerkenswert: 199.229 von ihnen sind noch keine 25 Jahre alt – junge Menschen, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt bereits früh zu schrumpfen beginnen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat untersucht, warum Menschen so lange in der Grundsicherung steckenbleiben. Die Antwort ist weniger dramatisch als die AfD-Rhetorik suggeriert: Häufig liegen »Vermittlungshemmnisse« vor – niedrige formale Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen, Faktoren, die sich nicht durch Sanktionen beheben lassen. Das IAB betont, dass geförderte Beschäftigung die Perspektiven dieser Menschen bis hin zu einem regulären Job verbessern könnte, aber nur wenn die Unterstützung »passgenau und individualisiert« ist. Das Gegenteil von Zwang also – eine Erkenntnis, die in der politischen Debatte oft untergeht.

Es kann nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten gehen könnten.
— René Springer, AfD-Arbeitsmarktpolitiker
Das Grundversprechen unseres Sozialsystems lautet: Wer Hilfe braucht, muss Hilfe bekommen.
— Peter Aumer, CSU-Sozialpolitiker
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